Der Eindruck, dass die Stadt voll mit Touristen ist, täuscht
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Tourismus

Stadt Salzburg will Massentourismus regulieren

Der Tourismus in der Stadt Salzburg liegt fast wieder auf dem Niveau vor der Pandemie. Auf das Rekordjahr 2019 fehlen bei den Übernachtungen noch rund 20 Prozent. Die Tourismusverantwortlichen überlegen, wie man rechtzeitig auf die Bremse steigen könnte.

Der Städtetourismus ist wieder voll da, das zeigt eine am Dienstag präsentierte Fremdenverkehrsstatistik. Im Vergleich zum Jahr 2021 verdoppelten sich die Nächtigungen im Vorjahr von 1,3 auf 2,6 Millionen. Das ist ungefähr das Niveau von 2014.

Im Rekordjahr 2019 registrierte man in der Stadt 3,3 Millionen Nächtigungen. Das sind zwar noch einmal 27 Prozent mehr als im Vorjahr, aber gegen Ende des Jahres, im Dezember, wurde das Vorkrisenniveau schon wieder fast eingeholt.

Preuner: „Bettenobergrenze wirkt“

Um dem entstandenen Wildwuchs von Hotels entgegenzuwirken, hat die Stadt mithilfe des Landes eine Bettenobergrenze von 15.000 eingezogen. Auf Basis des Raumordnungsgesetzes beziehungsweise der Flächenwidmung sind in der Stadt Hotelneubauten auf 60 Zimmer bzw. 120 Betten begrenzt – für alles darüber braucht es eine Sondergenehmigung und einen Gemeinderatsbeschluss. Die Gesetzesnovelle habe Wirkung gezeigt, sagt Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP): „Wir haben seit Jänner 2021 kein einziges neues Hotelprojekt auf dem Tisch. Das mag an der Pandemie, aber auch an der geringen Bettenanzahl von 60 liegen.“

Für viele Salzburgerinnen und Salzburger hat es sich zuletzt schon wieder nach zu viel angefühlt – für die Politik nachvollziehbar, sagt Preuner: „Mit den Übernachtungsgästen hat die Salzburger Bevölkerung denke ich weniger Probleme, wohl mehr mit den Busgästen. Es wäre sinnvoll, wenn wir mit einer S-Bahn-Strecke nach Oberndorf (Flachgau) eine Abzweigung übers Messegelände machen könnten, die Busreisegäste direkt beim Messegelände aussteigen lassen und mit der Bahn in die Innenstadt. Aber das ist natürlich Zukunftsmusik.“

Bustourismus weiterhin regulieren

Auch beim Bustourismus will die Stadt auf der Bremse stehen bleiben. Im Vorjahr kamen rund 12.500 Reisebusse in Salzburg an. Das entspricht 30 Prozent von 2019, sagt die neue Chefin der städtischen Tourismusgesellschaft, Christine Schönhuber. Die Anzahl der Reisebusse soll mit den eingerichteten Zeitfenstern weiter in einem Maß gehalten werden, das zwischen dem Rekordjahr 2019 und dem Jahr 2022 liegt, also maximal 30.000 Reisebusse pro Jahr, ergänzt Preuner.

Reisebusse bei Salzburger Adventsingen
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Reisebusse in der Altstadt zur Adventzeit

Konzepte für Qualitätstourismus

Ganz verzichten will die Stadt auf diese Gäste nämlich nicht – denn immerhin 40 Prozent würden auch hier übernachten. Unter anderem um diesen Anteil am Qualitätstourismus nach oben zu schrauben, will die Tourismusgesellschaft ihr Leitbild überarbeiten: „Andere Städte wie Berlin haben auch solche Konzepte. Bausteine sind etwa nachhaltige Anreise, verlängerte Aufenthaltsdauer, entzerrte Saisonzeiten und gelenkte Besucherströme“, erklärt Schönhuber.

Österreicher als größte Gästegruppe

Die größten Gästegruppen waren im Vorjahr Österreicherinnen und Österreicher und Deutsche – gefolgt von US-Amerikanerinnen und -amerikanern. Im Sommer werden wieder verstärkt Gäste aus Asien erwartet. Schönhuber und Preuner gehen davon aus, dass 2024 wieder so viele Touristinnen und Touristen in der Stadt Salzburg übernachten werden wie im Rekordjahr 2019. Man werde aber Qualitätstourismus anstreben – etwa indem nachhaltige Anreise forciert wird – auch die Zusammenarbeit mit den Festspielen und dem SalzburgerLand Tourismus soll verstärkt werden.