Faistauer-Themenweg in Maishofen

Der Maler Anton Faistauer (1887-1930) ist der bekannteste Sohn der Gemeinde Maishofen. Er zählt zu den Pionieren der modernen Malerei in Österreich und setzte sich dafür ein, die traditionelle abendländische Malerei weiter zu entwickeln.

Mit den jungen Wilden jener Zeit, u.a. Egon Schiele, protestierte er gegen den konservativen Kunstbetrieb in der Wiener Kunstakademie und wandte sich gegen das Establishment der untergehenden MonarchieVor allem an Paul Cézanne nahm er sich ein Vorbild, was in seinen späteren Landschaftsbildern klar zu erkennen ist. Der Anton Faistauer-Themenweg erinnert an die durchwachsene Geschichte des Malers, an ein Leben zwischen Provinz und Künstlergesellschaft, bäuerlicher Einfachheit und städtischer Opulenz.

Sendungshinweis

„Salzburg heute“, 11.6.2015

„Bilder haben die Aufgabe, der Menschheit das Geheimnis der Natur aufzuschließen. Sie sollen imstande sein, den Reichtum, den Raum, die Tiefe und Schwere des Kosmos dem Menschen anzueignen, das Chaos zu schlichten und Wege in den Geist der Schöpfung zu öffnen", schrieb Faistauer.

Anton Faistauer Selbstbildnis
maishofen.com
So malte sich Faistauer selbst

Biografisches

Geboren wurde Faistauer 1887 in St. Martin bei Lofer (Pinzgau). Seine Eltern sind mit ihm und seinen Brüdern nach Maishofen übersiedelt und haben dort den Gasthof zur Post übernommen. Den Großteil seiner Jugend hat er hier verbracht. Er war als Kind eher kränklich und interessierte sich für Literatur. Während seiner Gymnasialzeit in Tirol begann er sich mit Malerei auseinanderzusetzen. Seine Eltern waren gegen die Ambitionen ihres Sohnes, sie hätten ihn lieber als Bauer oder Pfarrer gesehen. Faistauer aber ging nach Wien und widmete sich der Kunst. Die Kunstakademie brach er gemeinsam mit seinem Studienkollegen Egon Schiele aus Protest ab und gründete mit ihm und anderen künstlerischen Zeitgenossen die „Neukunstgruppe“.

Nikolaus Schaffer vom Salzburg Museum setzt sich seit Jahren mit Faistauers Werk auseinander: „Er hat sich in kürzester Zeit in Wien Ansehen erarbeitet. Das ist erstaunlich, er war ein eher kränklicher Typ, von schmaler Gestalt. Umso energischer ist er aufgetreten, sehr kritisch und ehrgeizig. Vielleicht war das auch als Kompensation zu sehen. Denn zuhause in seiner Heimat war er zu Beginn als Künstler nicht sehr angesehen. Unter Bauern zählte das nicht viel. Vielleicht gab ihm das besondere Motivation, er wollte unbedingt berühmt werden.“

Lokale Spuren des Berühmten

Viele seiner Werke, darunter Portraits seiner Familie, hängen noch heute im Gasthof zur Post. Der Gasthof ist auch der Ausgangspunkt des Anton Faistauer Themenweges. Dieser ist 2012 anlässlich des 80. Todestages des berühmten Malers eröffnet worden. Elf Tafeln erzählen über das Leben und Wirken Faistauers in seiner Heimatgemeinde. Sie sind an den schönsten Plätzen des Ortes aufgestellt und laden Gäste und Einheimische zum Verweilen ein. Biografische Details, das Verhältnis zu seinen Landsleuten und die künstlerische Auseinandersetzung mit der heimatlichen Landschaft werden auf dem 8 km langen Wanderweg illustriert. Die einzelnen Stationen führen vom Ortszentrum nach Prielau, Maishofen und Schloss Kammer, über den Saalachuferweg an den Fuß der Sausteige, wo man noch wenige Höhenmeter zur Stablbergkapelle wandern kann, und wieder zurück ins Zentrum.

Während des Ersten Weltkriegs rief ihn sein Vater zurück nach Maishofen. Seine Brüder mussten in den Krieg ziehen, er sollte zuhause aushelfen. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, die Faistauer in seiner Heimatgemeinde verbrachte, entstand der große Salzburger Votivaltar, der heute wieder in der Maishofener Kirche zu sehen ist, als Leihgabe des Museums der Moderne. Der Votivaltar war ein Auftragswerk des Landes Salzburg. Faistauer sollte ein Kriegsgedächtnisbild malen.

Erinnerungen an den Großonkel

Josef Faistauer ist sein Großneffe und Vorsitzender des Faistauers-Forums Maishofen: „Seine geliebte Frau Ida verkörpert die Muttergottes. Ihr Gesicht ist vor Schmerz verzerrt. Ida war zu jener Zeit sehr krank. Ihr jüngster Sohn ist einige Jahre zuvor als Baby gestorben. Sie hat sich nie wieder davon erholt. Ein Jünger links hinten im Bild hält ihre Hand, küsst diese und leidet mit ihr. Anton Faistauer soll sich hier selbst als Jünger dargestellt haben. Ida starb nur einen Tag bevor das Werk erstmals gezeigt wurde.“

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Als eigentlich figurativer Maler fand er bald zur Landschafts- und Wandmalerei und wandte sich vom Sezessionismus und der Klimt-Gruppe ab, um sich an dem französischen Maler Paul Cezanne zu orientieren. Der Themenweg führt auch vorbei an der Stablbergkapelle, die Faistauer mit Fresken versehen hat. Als 22-Jähriger ist er Tag für Tag mit Pinsel und Farbe hierhergekommen und hat gemalt.

Seiner Ida hat er wunderbare Briefe geschrieben: „Ich werde ein paar Wochen auf den Berg gehen, mir ein Bett kaufen und dort liegen bleiben in der Unnahbarkeit der großen grünen Bergwiesen und eines feuerblonden Himmels, den Bach hören und die Kühe…“

Auch die bekannten Fresken im Salzburger Festspielhaus stammen von Faistauer. Überhaupt gilt die Freskomalerei heute als sein Hauptwerk. Am 13. Februar 1930, kurz vor seinem 43. Geburtstag, erlitt Faistauer eine Magenblutung, die eine Operation erforderte. Am 13. Februar starb Anton Faistauer an den Folgen. Er wurde auf dem Friedhof von Maishofen begraben. Das Grab wurde nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister errichtet. 2004 wurde das Faistauer-Forum gegründet, das sich der Dokumentation, Interpretation und Präsentation widmet.

Anreise, Material

Ausgangspunkt ist der Gasthof Alte Post in Maishofen. Der Weg ist acht Kilometer lang und leicht begehbar.

Seit April 2010 ist eines der Hauptwerke in der Pfarrkirche Maishofen zu sehen - sein „Passionsaltar“, wie er ihn nannte. Entstanden zwischen Sommer 1918 und Herbst 1919 im nahe gelegenen Elternhaus „Gasthof Post“. Er ist ein Auftragswerk für das Land Salzburg einerseits – Faistauer wurde für die Anfertigung eines „Kriegsgedächtnisbildes“ extra vom Militärdienst freigestellt – und andererseits ein ganz persönliches Dokument, gemalt in ständiger Angst um seine todkranke Frau Ida.

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Überblick auf einer Seite: Der Faistauerweg in Maishofen
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