Noch mehr Schutzbauten gegen Fluten

Nach der Flutkatastrophe erwarten Experten, dass zahlreiche Schutzbauprojekte vorangetrieben werden. Schutzwälle müssen von einer Genossenschaft beantragt werden, in der auch betroffene Anrainer sitzen und mitzahlen müssen.

Die Wildbach- und Lawinenverbauung investiert pro Jahr 25 Millionen Euro in neue Schutzbauten. Anhand der Investitionssumme wird deutlich, wie viele Bäche, Flüsse oder Gräben unberechenbar sein können und eine Gefahr darstellen. Für den Bau von Sperren müssen Genossenschaften gegründet werden. Bei der Planung und Errichtung solcher Schutzbauten kommt es immer wieder zu Streitfällen, weil auch jene Anrainer, die bei einer Flutkatastrophe durch Murensperren geschützt werden sollen, einen Teil der Kosten tragen müssen.

Anrainer müssen rund 7.000 Euro stemmen

Im Idealfall übernimmt der Bund 62 Prozent der Baukosten. Das Land trägt 15 Prozent, das restliche Viertel muss von Anrainern und Gemeinden gestemmt werden. Die Kostenaufteilung sorgt immer wieder für Debatten. „Das ist ganz normal. Eine Genossenschaft bedeutet auch Kosten und sobald es um Kosten geht, wird auch diskutiert“, sagte Leonhard Krimpelstätter von der Wildbach- und Lawinenverbauung. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus in Salzburg muss sich an einer Wildbachverbauung mit rund 7.000 Euro beteiligen. Ein neues Projekt geht mit Diskussionsabenden und Bürgerversammlungen einher.

Unwetter treiben Schutzbauprojekte voran
Die starken Unwetter vom vergangenen Wochenende könnten ein Turbo für die Errichtung von Schutzbauten sein. Doch bei der Umsetzung müssen auch Anrainer mitzahlen.

Auch vorläufige Unterbrechungen eines Verbauungsprojektes sind keine Seltenheit, sagte der zuständige ÖVP-Landesrat Josef Schwaiger. „Es gibt teilweise Konflikte, aber wir werden dadurch nicht im Bauvolumen gebremst. Wir haben noch so viel vor, dass wir jene Projekte, die in nahbarer Zeit anstehen, umsetzen können. In Berndorf wird jetzt ein Projekt nach 30 Jahren umgesetzt. Zum Teil scheiterte es an Grundbesitzern, zum Teil an der Finanzierung. Aber in Summe ist es ein Erfolgsmodell, dass sich in diesen Tagen außerordentlich bewährt hat“, sagte Landesrat Schwaiger.

Pinzgau: jeder dritte Haushalt in einer Genossenschaft

Im Bundesland gibt es 250 Wildbach-Genossenschaften. Alleine im Pinzgau ist bereits jeder dritte Haushalt in einer solchen Zweck-Gemeinschaft. Wenn ein Schutzwall gebaut werden soll, steht am Anfang eine Analyse. Diese legt fest, wie stark die einzelnen Wohneinheit gefährdet sind.

Die Wildbach- und Lawinenverbauung sieht vor, dass lediglich Gräben oder Bäche verbaut werden, die Häuser und Menschen gefährden. Grünland oder Straßen werden durch Sperren nicht geschützt.