Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz unterschätzt

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz werde immer noch unterschätzt, haben die Gleichbehandlungsbeauftragten bei einem Treffen in Salzburg kritisiert. Zu oft werde geschwiegen, gesetzliche Sanktionen würden zu spät greifen.

Nacktfotos per Mail, zweideutige Witze, scheinbar zufällige Berührungen - all das müsse nicht schweigend hingenommen werden. Daran erinnerten die 20 Gleichbehandlungsbeauftragten der Bundesländer, Städte und Krankenanstalten bei ihrem Treffen in Salzburg. Opfer hätten ihren Arbeitsplatz oft schon verloren, weil sie den Vorfall zwar gemeldet haben, aber nicht ernst genommen worden sind. Es sei höchste Zeit über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz offen zu reden - es brauche ein offenes Gesprächsklima, meinte dazu Landesrätin Martina Berthold (Grüne).

Ungleiche Machtverhältnisse am Arbeitsplatz

Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz würden durch größtenteils ungleiche Machtverhältnisse am Arbeitsplatz außerdem begünstigt. Auch komme es in vielen Fällen zu einer Opfer-Täter-Umkehr: Es werde oft so dargestellt, dass der Kontakt von der Frau ausgegangen sei. Auch das Aufdecken solcher Taten werde immer noch als verwerflich angesehen. Bei sexuellen Übergriffen müsse auch das vermeintlich Unglaubliche angenommen werden, so Berthold. Dafür brauche es Gutachter, die genau hinhören und hinschauen.

„Gleichbehandlungsgesetz zahnlos“

Der Salzburger Jurist Klaus Firlei sieht auch das Gleichbehandlungsgesetz oder gar strafrechtliche Verfolgung als eher zahnlos. Es bestünden in Österreich immer noch patriarchalische Gemeinschaften, die sexuelle Belästigung verharmlosen. Es brauche mehr Bewusstsein für das Thema, so Firlei. Er will auch Arbeitgeber, Arbeiterkammer und Gewerkschaften in die Pflicht nehmen, mehr gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu unternehmen.

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