Bauernhöfe: Woher kommen Vulgo-Namen?

Im Flachgau ist eine neue Landkarte entstanden, auf der Bauernhöfe erstmals mit ihren oft uralten Haus- bzw. Vulgo-Namen eingezeichnet sind. Etwa 300 Höfe in Anthering, Berndorf, Nußdorf, Obertrum und Seeham wurden erfasst.

Entstanden sind viele Hausnamen bereits im Mittelalter. Bis heute sind sie in Süddeutschland und Österreich weit verbreitet. Der Kaltenaigen-Hof in Nußdorf ist schon seit 130 Jahren im Besitz der Familie Ametsreiter.

Wurzeln vor Jahrhunderten

Den Hofnamen gibt es schon viel viel länger, sagt Sepp Ametsreiter vulgo Kaltenaigen: „Das kommt davon, weil es bei uns sehr kalt ist. Es gibt auf der Schneide des Haunsberges zum Teil extreme Schneeverwehungen. Und das Aigen kommt von 1612, als der Hof das erste Mal erwähnt wurde. Es war schon damals ein freier, eigener Hof ohne einen anderen Grundherr.“

Hofnamen Vulgo Landwirtschaft Bauer Landwirt

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Bei dieser Vulgo-Variante wird der Hof nach bestimmten Merkmalen benannt. In sonniger Lage könnte es ein Sonnleitner sein. Neben einem felsigen Gelände der Stoakogl-Hof oder bei einem Moor der Röhrmoosbauer, wie der Hof der Familie Haberlandner in Seeham, sagt Bauer Haberlandner: „Röhr kommt vom Röhricht oder Schilf. Das Moos war früher das Moor.“

Vulgo kommt aus dem Lateinischen

Viele Hofnamen stammen aus alten Formen der deutschen Sprache. Oder aus uralten Wörtern in regionalen oder lokalen Dialekten. Manchmal ist die Erklärung auch ganz einfach – wie zum Beispiel beim Geiersberger in Berndorf, schildert Bauer Franz Eidenhammer: „Unser Vulgo-Name ist entstanden durch den Schreibnamen. Ich glaube, hier hat einmal jemand gewohnt, der Geiersberger geheißen hat. Jeder meint immer, bei uns hätte es Geier gegeben. Das glaube ich nicht.“

Das Wort „Vulgo“ kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „im Volksmund“ oder „allgemein gebräuchlich“. Und auf dem Land ist das auch so, schildert Bauern Eidenhammer: „Wir werden immer nur beim Vulgo-Namen angeredet. Zu mir sagt niemand Eidenhammer sondern nur Geiersberger.“ Manche Vulgo-Namen verschwinden jedoch. Wird ein Hof nicht übernommen, geht auch der Hofname verloren, so der Berndorfer Landwirt.

Neue Landkarte erarbeitet

Beim Projekt „Identität Haunsberg“ wurde auf Initiative der Landwirtschaftskammer nun eine neue Landkarte der Höfe und Hofnamen rund um den Haunsberg erstellt. Kulturschätze kann die Karte nicht retten, aber die Namen bewahren. Und diese sind regionalgeschichtliche Schätze für sich.

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Neues Forschungsprojekt und Landkarte

ORF-Redakteurin Sarah Gruber hat sich im Flachgau bei Bauernhöfen und Landwirten wegen der Vulgo-Namen umgesehen und umgehört.