Ein kleiner Balkon als Arbeitsstätte und Blumeninsel
ORF.at/Birgit Neuwirth-Hemmers
ORF.at/Birgit Neuwirth-Hemmers
Leute

Die Ausnahme wird zum Alltag

Seit Montag, 16. März ist Homeoffice und E-Learning gelebter Alltag in den eigenen vier Wänden. Man lernt viel über sich und seine Mitbewohner, dass Bananen glücklich machen und Germ auch zur Mangelware zählt.

Maxi beim Home-Office
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Homeoffice mit Sohn Maxi – ein Bild von Redakteurin Katharina Garzuly

Seit Montag vergangener Woche leben meine Familie und ich in unserer Wohnung mit Balkon und kleiner Terrasse rund 24 Stunden von 24 Stunden zusammen. Vom Frühstück über E-Learning und Homeoffice am Vormittag bis zum Mittagessen. Am Nachmittag das gleiche Programm – mit Ausnahme eines Spazierganges alleine oder im Kleinfamilienverband und selten aber doch einer kleinen Laufrunde – bis zum „Gute Nacht“-Sagen.

Quarantäne ist nicht gleich Quarantäne

Es fühlt sich an wie Quarantäne, obwohl wir all das tun dürfen, was viele rund um uns auch machen: Einkaufen gehen, alleine oder mit Familienmitgliedern frische Luft schnappen und am Balkon sitzen und mit der Nachbarin von gegenüber – Luftlinie zweieinhalb Meter – reden.

Sie lebt allein, in einem Alter, wo Rücksichtnahme besonders gefragt ist und freut sich, wenn ich ihr Gummibärlis und Nussschokolade vom Einkauf mitbringe. Die isst sie sonst nie, meint aber, jeder Mensch braucht derzeit etwas, um seine Glückshormone zu füttern. Bei meinen Töchtern hat sich der Konsum an Bananen von Null auf 100 Prozent gesteigert. Machen Bananen glücklich? Ich werde es recherchieren.

Fotostrecke mit 3 Bildern

Arbeitsplatz Esstisch
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Homeoffice am Esstisch
Ein kleiner Balkon als Arbeitsstätte und Blumeninsel
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Eine kleiner Balkon wird zum Arbeitsplatz für Homeoffice und zur Blumeninsel
Bananen gehören zur Homeoffice dazu
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Bananen sind ein unverzichtbares Nahrungsmittel geworden. Kaum gekauft, sind sie schon wieder aufgegessen

Fazit nach einer Woche

E-Learning funktioniert mal besser, mal weniger gut. Der Tagesablauf ist nicht immer so strukturiert, wie wir es gerne hätten und vor einer Woche besprochen haben. Die Freunde fehlen. Sowohl meinen Töchtern, als auch meinem Mann und mir.

Ein Freundinnentreffen musste abgesagt werden. Wir schreiben uns lustig-wehmütige WhatsApp-Nachrichten: Was gekocht worden wäre und was wir mitgebracht hätten (Klopapier – haha), dass wir uns vermissen und uns gernhaben. Ängste, den Job zu verlieren, tauchen auch im Freundeskreis auf. Man versucht zu beruhigen und ist füreinander da – in guten wie in schlechten Zeiten, per E-Mail, WhatsApp und Telefon.

Homeoffice für Kraxler … nicht zur Nachahmung empfohlen
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Kollege Gerald Lehners Homeoffice ist nicht zur Nachahmung gedacht

Lachen und Klatschen tut gut

Die Coronavirus-Videos und Spaßbilder purzeln via Smartphone herein. Lachen ist gut in Krisenzeiten, sagt ein Psychologe im Interview. Also genießt man die Ablenkung ohne schlechtes Gewissen und schickt die Bildchen und Videos weiter. Auch gute Botschaften und Fotos von Delphinen in Venedig oder sonstwo.

Wir finden Gemeinschaftsaktionen gut und so stehen auch wir einmal um 18.00 Uhr am Balkon und klatschen: Gelebte Nachbarschaft. Am Balkon gegenüber wird Yoga gemacht. Die junge Mutter mit drei kleinen Kindern schafft sich damit ihre Auszeit. Wir lächeln uns zu und ich bin am Überlegen, „mitzumachen“.

Homeoffice funktioniert

Dank der ORF-IT-Abteilung habe ich mittlerweile alle Programme zur Verfügung und bis auf die fehlenden Kolleginnen und Kollegen funktioniert das Homeoffice inzwischen gut. Die Ausnahme wird immer mehr zum Alltag. Man kann es gut finden oder schlecht, ändern kann man es nicht. Wir werden auch die nächsten Wochen anständig über die Bühne bringen, davon sind zumindest zwei von uns vier überzeugt. Nur eine Frage stellen wir uns immer wieder: Welcher Tag ist heute?