Stadt Salzburg im Nationalsozialismus
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Chronik

Stadt präsentiert NS-Forschungsergebnisse

Nach 15 Jahren Erforschung der Geschichte der Landeshauptstadt in der Zeit des Nationalsozialismus ziehen Historiker am Dienstag ihre Bilanz. In acht Bänden beschäftigen sie sich ausführlich mit bis heute NS-belasteten Straßennamen, der Vorgeschichte sowie den Nachwirkungen des Hitler-Regimes in Salzburg.

Die Historiker haben in den Buchbänden „Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus“ unterschiedlichste Aspekte der NS-Zeit in Salzburg ausführlich aufgearbeitet: So haben 120 Zeitzeugen in mehr als 500 Stunden Interviews erzählt, wie sie die NS-Herrschaft in Salzburg selbst erlebt hatten und wie die Diktatur ihren Alltag beeinflusst hatte.

Der zweite Band beschäftigt sich mit Salzburger Persönlichkeiten, die unmittelbaren Anteil an der Macht der NSDAP hatten. Vom Gauleiter bis zu Blockleitern wird darin untersucht, wer diese Funktionäre waren, was sie in der NS-Zeit machten und wie sich sich nach 1945 dafür rechtfertigten. Die Opfer des Nationalsozialismus zwischen 1938 und 1945 kommen im dritten Band der Reihe zur Sprache. Auch die Frage nach dem Umgang mit den Terroropfern nach dem Zweiten Weltkrieg wird darin untersucht.

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Viele Salzburger feierten den „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich mit großer Begeisterung
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Die Historiker untersuchten die Geschichte von Tätern, Profiteuren und Mitläufern ebenso wie die der NS-Opfer
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Die damalige Begeisterung für den Nationalsozialismus in Salzburg führt selbst …
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… knapp acht Jahrzehnte nach Kriegsende noch zu erbitterten Debatten über die Benennung von Straßen nach NS-Größen

Sieben Bände NS-Aufarbeitung lagen bereits vor

Nach Tätern und Opfern beschäftigen sich die Historiker im vierten Band mit der breiten Masse willfähriger „Mitläufer“. Menschen, die sich im Glanz der neuen Machthaber sonnten oder von der Schreckensherrschaft nichts mitbekommen haben wollten. Dabei spielten Künstler der Salzburger Festspiele ebenso eine ambivalente Rolle wie Würdenträger der katholischen und evangelischen Kirche, des Schulwesens, der Presse und des Sports.

Im Mittelpunkt des sechsten Bands steht die Gauhauptstadt Salzburg selbst, mit ihrem Verwaltungsapparat und dessen Verzahnung mit der NSDAP. Auch die Verstrickungen hoher Beamte und Politiker mit dem NS-Regime werden darin untersucht, ebenso die letzten Tage der Nazi-Herrschaft und die kampflose Übergabe der Landeshauptstadt an die Amerikaner.

Sehr detaillierte Erforschung der Stadtgeschichte

Nicht nur die langen Schatten des Nationalsozialismus bis heute, auch das Erinnern daran im öffentlichen Raum und vergessene Opfer der NS-Herrschaft sind Thema des siebenten Bandes. Die Historiker untersuchen darin auch Aspekte der Entnazifizierung nach 1945 in Stadt und Land sowie im Journalismus und Sport. Zudem werden Strategien der Verteidigung ehemaliger NS-Machthaber vor Gericht und Fragen der Restituierung geraubten Besitzes erörtert.

Der achte und letzte Band der Reihe „Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus“ beschließt die jahrelange Aufarbeitung durch insgesamt 43 Wissenschaftlerinnen. Auch eine eigene Website der Stadt stellt umfangreiches Quellenmaterial zum Thema bereit. Bereits vor drei Jahren veröffentlichte ein Fachbeirat Forschungsergebnisse zu NS-belasteten Straßennamen in der Stadt Salzburg. Die Publikationsreihe „Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus“ umfasst gut 4.000 Druckseiten samt ausführlichem Personen-, Themen- und Ortsregister.