Angeklagte vor Gericht bei Prozess
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Gericht

Vier Jahre Haft für Tankstellenräuberin

Eine 43-jährige Salzburgerin ist am Mittwoch am Landesgericht Salzburg wegen zweifachen schweren Raubes zu vier Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Die Frau soll im April 2023 bewaffnete Überfälle auf Tankstellen in Eugendorf und Thalgau (beide Flachgau) verübt haben.

Beim ersten Coup am 19. April in Thalgau flüchtete die davor unbescholtene Frau ohne Beute, beim Zweiten am 20. April in Eugendorf entkam sie mit knapp 2.000 Euro Bargeld. Beim Prozess war sie reumütig geständig. Als Motiv nannte sie Drogenschulden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil weder Staatsanwältin noch Verteidigerin eine Erklärung abgaben.

Geld zum Bezahlen von Drogenschulden benötigt

Immer wieder brach die 43-Jährige vor dem Schöffengericht in Tränen aus. Sie habe einen furchtbaren Lebenswandel gehabt, fünf bis sechs Gramm Kokain pro Woche genommen, dazu Alkohol und Tabletten gegen Panikattacken und Angstzustände. Ihre Verteidigerin berichtete zudem von Mobbing seit der Schulzeit und einer fünffachen Vergewaltigung, die die Angeklagte völlig traumatisiert habe. Im April konnte die arbeitslose, geschiedene Mutter einer erwachsenen Tochter den Drogendealer nicht mehr bezahlen.

Die Angeklagte entschuldigte sich vor dem Schöffensenat für ihre Taten und sagte: „Es tut mir wahnsinnig leid.“ Sie war damals arbeitslos und habe ihrem Dealer Schulden für Kokain in Höhe von rund 1.200 Euro nicht bezahlen können. Er habe ihr gedroht, falls sie nicht zahlt, „kommen Leute, die fahren ein anderes Programm“, schilderte die Frau dem vorsitzenden Richter, der allerdings zu bedenken gab, dass der Chatverlauf mit dem Mann auf dem Handy stets freundlich gewesen ist.

Ihr sei es nicht gelungen, das Geld von jemand anderem auszuborgen, erklärte die Angeklagte. Sie habe sich unter Druck gesetzt gefühlt und Angst bekommen. „Da ist mir die schlechteste Lösung eingefallen.“ Unter Beeinträchtigung von Drogen, Tabletten und Alkohol habe sie die Überfälle bei denen niemand verletzt wurde innerhalb weniger Stunden in der Nacht begangen, erklärte die 43-Jährige.

Faschingsperücke, FFP2-Maske und Schreckschusspistole

Die Frau trug eine Perücke, die sie zu Hause aus der „Faschingskiste“ gezogen hatte und eine FFP2-Maske. Die Schreckschusspistole und den Elektroschocker besaß die 43-Jährige schon länger, um sich damit vor ihrem Expartner zu schützen. In Thalgau habe sie derart gezittert, dass sich ein Schuss aus der Pistole irrtümlich in ihrer Tasche gelöst habe. Sie wollte aber beiden Männern nicht wehtun, beteuerte sie. „Großen Plan hat es nicht gegeben“, betonte Verteidigerin Sabina Moser.

Aufgrund von Fahndungsfotos und Hinweisen aus der Bevölkerung wurde die Verdächtige rasch festgenommen. Bei einer Hausdurchsuchung stellten Beamte die Waffen und die beim Überfall getragene Kleidung sicher.

Schmerzensgeld für Überfallsopfer

Das Gericht sprach dem Opfer des ersten Überfalls 2.600 Euro Schmerzensgeld zu. Der Mann konnte damals über einen Nebenraum flüchten. Er schilderte, er leide heute noch unter Angstzuständen und absolviere eine Psychotherapie. Dem Opfer des zweiten Überfalls wurden 600 Euro zugesprochen. Opferanwalt Stefan Rieder hatte für die beiden Männer zunächst 5.000 Euro bzw. 3.000 Euro gefordert. Die Angeklagte übergab dem Rechtsanwalt noch während der Gerichtsverhandlung jeweils 400 Euro an Teilschmerzensgeld in bar. An die Versicherung der Tankstelle muss sie weitere 1.700 Euro bezahlen.

Der Strafrahmen reichte in diesem Fall von einem Jahr bis zu 15 Jahren Haft. Als mildernd wertete der Schöffensenat das reumütige Geständnis, den bisherigen ordentlichen Lebenswandel der Frau, die bereits zum Teil erfolgte Schadenswiedergutmachung und die Tatsache, dass der erste Überfall beim Versuch geblieben ist. Dass die Frau gleich zwei schwere Verbrechen begangen hatte, wurde als erschwerend angesehen. „Wir befinden uns im Bereich der Schwerkriminalität“, sagte der Vorsitzende. Tankstellen- und Trafiküberfälle würden derzeit ein Problem in der Gesellschaft darstellen. Mit der Freiheitsstrafe von vier Jahren wollte das Gericht daher ein deutliches Zeichen setzen.