Wolf
dpa/Patrick Pleul
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Umwelt

Wölfe: Scharfe Kritik an Abschussgenehmigung

Nachdem die Abschussgenehmigung für zwei Wölfe im Bundesland gegen Ende der Woche erwartet wird, wird scharfe Kritik an der Landesregierung geübt. Die Arbeitsgruppe Wildtiere spricht von einer möglichen Trophäenjagd, die keine Konsequenzen habe. Laut dem Naturschutzbund ist die geplante Verordnung nicht EU-rechtskonform und nicht zielführend.

Die Arbeitsgruppe Wildtiere, eine Vereinigung heimischer Wissenschaftler, betont, dass die für Salzburg geplante Verordnung zum Abschuss zweier Problemwölfe ähnlich wie die bereits in Kraft getretenen Wolfsverordnungen in Tirol, Kärnten, Niederösterreich und Oberösterreich in wichtigen Punkten nicht der Rechtslage entspreche.

In der Verordnung geht es um den Abschuss jener beiden Tiere, die zuletzt im Pongau, im Pinzgau und im Tennengau insgesamt rund 25 Schafe und Lämmer gerissen haben sollen. Bejagt werden dürfen die beiden Wölfe nur durch regional zuständige Jäger, das sieht zumindest der Verordnungsentwurf vor.

„Keine Folgen, wenn toter Wolf gar kein Problemwolf war“

Die Wissenschaftler kritisieren scharf, dass die Verordnung keine Konsequenzen vorsieht, falls es sich bei einem getöteten Wolf im Endeffekt nicht um einen Problemwolf gehandelt habe und dieser für keine gerissenen Tiere verantwortlich ist. Vielmehr würden so lange weitere Tiere geschossen werden, bis der tatsächliche Problemwolf erwischt wird. Das lasse den Eindruck entstehen, „dass durch eine solche Verordnung die lokale Wiederausrottung von Wölfen in Salzburg zumindest in Kauf genommen, wenn nicht sogar bezweckt wird“, heißt es von der AG Wildtiere. Damit sei der Verordnungsentwurf nicht EU-rechtskonform.

Kritik: Trophäenjagd wird eröffnet

Weiters stößt sich die Arbeitsgruppe Wildtiere daran, dass ein abgeschossener Wolf nur auf Aufforderung vorzulegen ist und offenbar vom Schützen behalten werden darf. „Das gestattet de facto die Trophäenjagd auf Wölfe“, kritisiert die Wissenschaftler-Vereinigung. Die Arbeitsgruppe vermutet, dass die Maßnahme eines Herdenschutzes von der Landesregierung bewusst abgelehnt werde. Nach welchen Kriterien erkannt wurde, dass die im Entwurf gelisteten Almgebiete nicht schützbar seien, erschließe sich nicht, so die AG Wildtiere.

Naturschutzbund kritisiert einwöchige Frist

Auch der Naturschutzbund versucht sich gegen die geplante Verordnung zu wehren: auch diese Interessensgemeinschaft betont, dass die Entwürfe gegen das EU-Recht verstoßen, weiters wird die einwöchige Stellungnahmefrist zur geplanten Verordnung kritisiert. „Die Salzburger Landesregierung scheint wild entschlossen, so rasch wie irgend möglich Wölfe im Land Salzburg zum Abschuss freizugeben“, sagt der Vorsitzende des Naturschutzbundes Salzburg, Winfried Herbst.

Abschuss aller Voraussicht nach ab Samstag legal

Die Abschussverordnung für die beiden Wölfe wurde vergangene Woche vorgelegt. Die Begutachtungsfrist läuft am Mittwoch ab. Danach müssen eventuelle Stellungnahmen noch berücksichtigt werden, anschließend braucht es die Zustimmung jedes einzelnen Landesregierungsmitglieds. Diese Zustimmung ist zwar nur eine Formsache, muss aber trotzdem erfolgen, damit die Abschussverordnung in Kraft treten kann. Die Tötung der beiden Tiere wäre aller Voraussicht nach ab Samstag legal, das sieht zumindest der Zeitplan vor, den die zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ) vorgelegt hat.

Der Wolfsbeauftragte des Landes Salzburg, Hubert Stock, beim Begutachten eines toten Schafes (mutmaßlicher Wolfsriss) in Rußbach am Pass Gschütt
LAND SALZBURG/GUNDI HABENICHT
In Rußbach (Tennengau) soll einer der beiden Problemwölfe zehn Lämmer gerissen haben

„Ohne Herdenschutz sind Tiere weiter schutzlos“

Neben der Kritik, dass die Punkte der Verordnung nicht EU-rechtskonform seien, sind sie laut Naturschutzbund auch nicht zielführend: „Da auf den betroffenen Almen weder ein Herdenschutz gegeben war noch ist, und daher die aufgetriebenen Weidetiere weiter schutzlos sind“, kritisiert Herbst. „Unter diesen Gesichtspunkten erscheinen die Verordnungen auf die politisch immer wieder betonte Absicht abzuzielen, wolffreie Almweidezonen zu schaffen“, heißt es weiter.

„Herdenschutz einzige Lösung gegen Verlust von Tieren“

Der Naturschutzbund Salzburg appelliert an die Landesregierung, die Verordnungen nicht in Kraft zu setzen und stattdessen Herdenschutzmaßnahmen zu forcieren. Diese seien die einzige Möglichkeit, den Verlust von Nutztieren wirksam und langfristig zu reduzieren.