St. Johann im Pongau
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Wissenschaft

Bundesweit stärkstes Erdbeben in St. Johann

Österreichs „schwerstes“ Erdbeben des ablaufenden Jahres hat es am 25. Februar in St. Johann (Pongau) gegeben. Es entstanden keine Schäden – mit Ausnahme von Rissen im Verputz einiger Gebäude. Bis März bebte die Erde in der Salzburger Stadt 362 Mal – meistens sehr schwach. Die meisten Beben von 2022 betrafen Niederösterreich.

In Österreich hat im Jahr 2022 bisher etwa 2.300 Mal die Erde gebebt. Das steht in der Jahresbilanz der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). 79 Erdbeben waren für die Bevölkerung spürbar. Große Schäden richteten die Erschütterungen nicht an.

Die Zahl instrumentell registrierter – und größtenteils nicht spürbarer – Erdbeben in Österreich erreichte mit 2.293 einen neuen Höchstwert. „Ein Grund dafür sind zwei außergewöhnliche Erdbebenserien“, so Meurers.

Lange Pongauer Serie bis März

Im Raum Wiener Neustadt (Niederösterreich) seien von Jänner bis März 650 Beben aufgezeichnet worden, sagen die Experten der ZAMG. Bei St. Johann im Pongau konnten im Februar und März 362 Beben lokalisiert werden. Wegen der laufenden Verdichtung des Netzes von Messstationen durch die ZAMG und im Rahmen von internationaler Kooperation ist es laut Experten möglich, immer mehr schwache Erdbeben zu erfassen.

Deutlich mehr als im Durchschnitt

Mit dem Stationsnetz des Erdbebendienstes der ZAMG (Stand Donnerstag 9.00 Uhr) wurden weltweit rund 11.300 seismische Ereignisse registriert. Acht davon waren auch in Österreich spürbar, davon waren je drei aus Italien und Liechtenstein, ein Erdbeben aus Bosnien und eines aus Frankreich. Somit wurden 87 Beben von der Bevölkerung wahrgenommen. Zwar war das deutlich weniger als im Rekordjahr 2021 mit 106 spürbaren Beben in Österreich, die Anzahl liegt aber klar über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 63 spürbaren Beben.

Die starke Bebentätigkeit zwei Jahre hintereinander bedeute aber keinen Trend zu mehr Erdbeben in Österreich, versicherte die ZAMG: „Die tektonische Aktivität unterliegt natürlichen Schwankungen. Phasen mit mehr Erdbeben wechseln sich mit ruhigeren Zeiträumen ab“, sagt die Seismologin Rita Meurers.

Auch im Mühlvierteil stark spürbare Beben

Neben dem stärksten Beben im Pongau wurden auch die beiden kräftigen Erdbeben im südlichen Mühlviertel bei Gramastetten in Oberösterreich stark wahrgenommen und verursachten leichte Schäden. Größere Schäden an Gebäuden wurden im Jahr 2022 nicht gemeldet.

Mit 25 gefühlten Beben im vergangenen Jahr ist Niederösterreich Spitzenreiter unter den Bundesländern. An zweiter Stelle liegt Tirol mit 19 spürbaren Erdbeben. In Oberösterreich wurden mit 14 Ereignissen für dieses Bundesland ungewöhnlich viele Erdbeben beobachtet. In der Steiermark wurden acht fühlbare Beben registriert, in Kärnten sieben und in Salzburg und Vorarlberg ereigneten sich jeweils drei verspürte Erdbeben.

4.500 Berichte aus der Bevölkerung

Über das Online-Wahrnehmungsformular der ZAMG und über die seit März 2021 angebotene App „QuakeWatch Austria“ berichtete die Bevölkerung dem Österreichischen Erdbebendienst von mehr als 4.500 Wahrnehmungen. Die meisten Meldungen kamen zu den kräftigen Erdbeben bei Gramastetten in Oberösterreich (rund 1.200 Meldungen). Die Meldungen aus der Bevölkerung geben Auskunft über die Stärke der Fühlbarkeit und ermöglichen die Ermittlung des Intensitätsgrades auf der Europäischen Makroseismischen Skala. Sie sind außerdem ein wesentlicher Beitrag zur Bestimmung der Erdbebengefährdung in Österreich.