In einem offenen Brief kritisiert der Opernsänger Wolfgang Ablinger-Sperrhacke die Salzburger Festspiele. Es habe für Künstler während der CoV-Lockdowns keine Kompensation für abgesagte Engagements gegeben. Das wirtschaftliche Risiko sei abgewälzt worden. Der Sänger kritisiert auch die schwarzgrüne Bundesregierung seit Jahren.
Lioba Schöneck/wikipedia.org/ Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license
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Kultur

CoV-Politik: Künstler klagen Festspiele

Eine Musterklage von Kunstschaffenden gegen Salzburgs Festspiele dürfte nun fix sein. Sprecher der Kritiker ist Kammersänger Wolfgang Ablinger-Sperrhacke, ein gebürtiger Pinzgauer.

Es geht um Vorwürfe in Zusammenhang mit CoV-Lockdowns, Verletzung des Theaterarbeitsgesetzes, unfaire Entlohnung von Chorsängern und Zahlungspflicht bei Verschiebungen und Absagen im Jahr 2020.

Gefordert wird auch die Demission des Salzburger Festspielintendanten und des kaufmännischen Direktors.

„Es war keine höhere Gewalt“

Seit Juni 2020 gab es in Österreich grundsätzliche Öffnungsschritte, die auch die Veranstaltung der Salzburger Festspiele in reduzierter Form im August 2020 ermöglichte. Einige Opern, Theaterstücke, Konzerte wurden komplett gestrichen, andere verschoben. Dem Kuratorium der Salzburger Festspiele sei bewusst gewesen, dass höhere Gewalt unter diesen Umständen rechtlich nicht gültig sei, betonte Kammersänger Wolfgang Ablinger-Sperrhacke.

„67 Opernsolisten nicht bezahlt“

In den Originalverträgen habe es die Möglichkeit kompensationsloser Verschiebungen ebenfalls nicht gegeben, „dennoch wurden allein 67 nicht benötigte Opernsolisten mit rechtsgültigen Verträgen nicht ausbezahlt, obwohl Zahlungspflicht bestand“, hieß es. Ebenso sei mit einem Teil der engagierten Chormitglieder, rund 120 Betroffenen, verfahren worden. „Die Stammmitglieder der Konzertvereinigung haben circa das Doppelte an Entlohnung bekommen als die Zusatzmitglieder, was ein eklatanter Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz ist“, sagte Ablinger-Sperrhacke.

Forderung von Nachzahlungen für 2020

Die Kunstschaffenden, deren Produktion verschoben wurde, seien genötigt worden, Auflösungsverträge zu unterschreiben, auch ohne Kompensation. „Wir fordern die Nachzahlungen für 2020“, so der Kammersänger.

Bei dem Pressetermin, gemeinsam veranstaltet von der Anwaltspetition für Freischaffende, der Florestan-Initiative und Aufstehen für die Kunst, wurde für den zweiten und dritten Lockdown eine Regelung wie in Frankreich für Personen mit Verträgen gefordert: „Also 50-prozentige Entschädigung, das heißt steuerfrei“, so Ablinger-Sperrhacke. „Und alternativ für Steuerinländer 80-prozentigen Umsatz nach dem Vorjahr.“

Was die Salzburger Festspiele betreffe, vermute man insgesamt einen Nachzahlungsbetrag von zehn Millionen Euro. Um künftig gegen Gesetzesbrüche vorzugehen, sei die Schaffung einer KünstlerInnenkammer als Interessensvertretung für Freischaffende notwendig.

Festspiele weisen Vorwürfe zurück

„Die Salzburger Festspiele verwehren sich gegen die erhobenen Vorwürfe“, hieß es indes am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme des Direktoriums. „Faktum ist vielmehr: Die Salzburger Festspiele haben als einziges großes Festival weltweit im Sommer 2020 stattgefunden und damit Hunderten Künstlern Beschäftigung gegeben. Dem Direktorium der Festspiele ist es zudem gelungen, fast alle der ursprünglich in 2020 geplanten Produktionen in 2021 und 2022 nachzuholen. Hierfür wurden im Einvernehmen mit den Solistinnen und Solisten, den Chören und Orchestern Veränderungsvereinbarungen geschlossen.“

Man habe sich nach der Saison 2020 mit den Künstleragenturen, Orchestern und Chören auf eigene Coronavirus-Bestimmungen verständigt, mit denen die jeweiligen Abschlagszahlungen bei etwaigen künftigen Absagen geregelt wurden: „Die Vorwürfe entbehren daher jeglicher Grundlage.“

Schon nach dem erstmaligen Bekanntwerden der Vorwürfe im September hatten die Salzburger Festspiele betont, sie würden alle Vorwürfe zurückweisen. Für die beiden ursprünglich in 2020 angesetzten Produktionen „Intolleranza“ und „Boris Godunow“ habe die Konzertvereinigung bereits im Frühjahr Einstudierungsproben in Wien organisiert: „Hierfür einigten sich das Direktorium der Salzburger Festspiele und die Konzertvereinigung auf ein Abschlagshonorar, das unverzüglich ausbezahlt wurde.“