Iran-Proteste
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Politik

Als Frau im Iran – Geflüchtete erzählen

Seit mehr als einem Monat demonstrieren Menschen im Iran Tag für Tag für Freiheit und gegen das Regime. Der Tod einer 22-Jährigen nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei hat die Proteste ausgelöst. Geflüchtete und in Salzburg lebende Iranerinnen erzählen nun über das gefährliche Leben als Frau im Iran.

Der Grund für die Proteste im Iran ist der gewaltsame Tod einer jungen Frau, die wegen ihrer Kleidung von der islamischen Sittenpolizei festgenommen wurde. Zuletzt wurden in dem Land laut Amnesty International 52 Menschen bei regierungskritischen Demonstrationen umgebracht. Anfang Oktober gab es dazu auch in Salzburg eine Solidaritätskundgebung – 350 Personen demonstrierten gegen die islamische Gewaltherrschaft und den Kopftuch- bzw. Hidschab-Zwang im Iran, darunter waren Frauen und Männer aus dem Iran, aus Österreich und Bayern. Nun schildern zwei Iranerinnen, die nach Salzburg geflüchtet sind, wie gefährlich das Leben in ihrem Heimatland ist.

Sängerin drohte Haftstrafe

Eine davon ist die Sängerin Faravaz Farvardin – hätte sie in der Öffentlichkeit mit offenen Haaren gesungen und sich dabei frei bewegt, hätte das für die junge Frau folgenschwere Konsequenzen gehabt. Vor fünf Jahren entschied die Sängerin, aus ihrem Heimatland zu flüchten. „Ich wusste immer, dass ich im Iran kein Konzert geben kann oder meine Alben verkaufen kann. Aber ich habe weiter gemacht, weil es mich glücklich gemacht hat. Mit 25 Jahren wurde ich festgenommen, weil ich gesungen habe, mir hat eine einjährige Haftstrafe gedroht“, schildert Faravaz Farvardin.

Forderung nach Freiheit und Rechten

Frauen dürfen im Iran nicht Fahrradfahren, sie müssen Kopftuch tragen, dürfen nicht tanzen, singen oder trinken. Seit dem Tod der 22-jährigen Iranerin protestieren tausende Menschen gegen das Regime, sie fordern Frauenrechte und Freiheit. „Wenn du protestieren gehst, deinen Hidschab abnimmst, ihn verbrennst und der Polizei gegenüber trittst, rechnest du damit, dass du sterben könntest. Aber wenn das Regime deine Träume raubt, ist es so als würden sie dich jeden Tag töten“, sagt die Sängerin.

Als Frau im Iran – Geflüchtete erzählen

Sieben Jahre nach der Flucht noch immer Angst vor Regime

Eine iranische Mutter lebt seit sieben Jahren in Salzburg – aus Angst vor dem Regime will sie anonym bleiben. Sie flüchtete, weil sie unverheiratet schwanger wurde. „Laut dem iranischen Gesetz ist es verboten, vor der Heirat mit einem Mann zu schlafen oder von ihm schwanger zu werden.“ Selbst in Salzburg hat die Frau Angst vor dem Regime, Angst erkannt zu werden und Angst um ihre Familie im Iran. „Ich finde diese neue Generation, die auf die Straße geht, sehr mutig. Bis jetzt habe ich immer Angst gehabt vor dem Regime und der Polizei, aber die neue Generation sagt sich, entweder wir sterben oder wir gewinnen.“

Protestbewegung hofft auf Unterstützung

Die Protestbewegung im Iran wünscht sich auch Unterstützung aus Europa – vor allem in den sozialen Medien könnten die Demonstrationen mehr zum Thema gemacht werden, verraten die beiden in Salzburg lebenden Iranerinnen. „Wenn von westlichen Ländern mehr Druck kommt, wird es leichter das Regime zu brechen“, meint Faravaz Farvardin.

Auch eine weitere Iranerin, die 2015 nach Österreich flüchtete, hofft auf die Unterstützung aus Salzburg. „Wir sitzen alle im selben Boot, wenn es ein Loch in diesem Boot gibt, gehen wir früher oder später alle unter. Deswegen sollen die Österreicherinnen und Österreicher unserer Stimme sein", betont die Iranerin, die anonym bleiben möchte, „auch die Österreicher sind in Gefahr wegen dieses Teufels, diese Dunkelheit wird die ganze Welt früher oder später überschatten.“ Die Iranerin verweist dabei einerseits auf die Atommacht und andererseits auf die Verbrüderung mit anderen Staaten. Iran soll etwa Waffen an Russland geliefert haben, das im Februar einen Angriffskrieg in der Ukraine startete.