Schlafender Baumschläfer wird von Händen gehalten
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Tiere

Seltener Baumschläfer auf Postalm entdeckt

Auf der Postalm bei Abtenau (Tennengau) haben Bundesforste und ein ORF-Team einen seltenen Baumschläfer entdeckt. Die Verbreitung der etwa neun Zentimeter großen Säugetiere wird seit zwei Jahren genauer untersucht. 2021 gab es einen Fund bei Tamsweg (Lungau).

Der Baumschläfer hat schwarze Kulleraugen, ein silbernes Fell und einen buschiger Schwanz. Er sieht zwar aus wie ein Kuscheltier, ist aber ein nachtaktiver Allesfresser. Der Baumschläfer gehört – wie der Siebenschläfer – zur Gattung der Bilche. Nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ist er streng geschützt.

Suchaktion mit Nistkästen

Seit zwei Jahren suchen die Bundesforste österreichweit gemeinsam mit dem Naturschutzbund im Rahmen eines Projektes nach den Tieren. Seit zwei Sommern schon ist Forstwirtin Anna-Sophie Pirtscher im Postalmgebiet unterwegs, um Spuren der Tiere zu finden. Dort sind insgesamt 30 Nistkästen auf 15 Standorte verteilt.

Fotostrecke mit 8 Bildern

Schlafender Baumschläfer wird von Händen gehalten
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Der Baumschläfer wurde bei einem ORF-Dreh von der Forstwirtin entdeckt
Forstwirtin kontrolliert Nistkasten auf Baum
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30 Nistkästen kontrolliert Forstwirtin Anna-Sophie Pirtscher seit zwei Sommern
Schlafender Baumschläfer in Nistkasten
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Die nachtaktiven Tiere verschlafen den Tag
Schlafender Baumschläfer wird von Händen aus Nistkasten geholt
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Forstwirtin Anna Sophie Pirtscher mit Baumschläfer in den Händen
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Für Anna-Sophie Pirtscher ist der erste Fund eines Baumschläfers auf der Postalm seit 20 Jahren eine kleine Sensation
Schlafender Baumschläfer wird von Händen gehalten
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Die Tiere werden rund neun Zentimeter lang
Forstwirtin mit Leiter bei Baum
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Die Nistkästen werden im Postalmgebiet auf Bäumen aufgehängt
Bäume und Wolken im Postalmgebiet
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Der Baumschläfer lebt in Mischwäldern

Jedes Mal, wenn sie einen solchen Nistkasten aufmacht, „ist es nervenzerreißend“, schilderte Pirtscher. „Es könnte ein Baumschläfer drin sein. Aber auch wenn es ‚nur‘ ein Siebenschläfer ist – ich finde diese Tiere sehr, sehr putzig und immer spannend, wenn man solche Begegnungen hat.“

Fund bei Dreh „ist gigantisch“

Und tatsächlich: Beim ORF-Dreh entdeckte Pirtscher in einem Nistkasten einen schlafenden Baumschläfer – für sie „absolut“ eine kleine Sensation: „Nach zwei Jahren endlich einmal einen Baumschläfer zu finden und den auch in Händen zu halten, das ist gigantisch. Das ist toll.“

Für die Forstwirtin der Bundesforste bedeutet der Fund auf der Postalm aber auch etwas anderes: „Wir sind richtig gelegen, dass es den Baumschläfer auf diesen Flächen hier gibt.“ Der letzte Nachweis dieses Tieres hier sei vor „rund 20 Jahren“ gewesen: „Da hat eine Katze einen Baumschläfer gefangen und jemand hat das dann dokumentiert. Aber seitdem hat keiner gewusst, ob er noch da ist.“ Doch ganz offensichtlich ist er noch da – und ziemlich tiefenentspannt.

Erfolgreiche Suche nach Baumschläfern

Tier frisst sich in der Nacht Winterspeck an

Auch durch die Forstwirtin und die Kamera wachte der Baumschläfer nicht auf – das Tier dürfte ziemlich nachtaktiv gewesen sein, sagt Pirtscher: „Ich gehe davon aus, dass er noch fleißig Vorräte für den Winter sammelt, damit er sich seinen Winterspeck anfrisst. Er hat etwa noch zwei Wochen, dann sollte er sich in den Winterschlaf-Modus begeben.“

Das Ziel des Projektes ist, mehr über den Baumschläfer herauszufinden. Das geht nur, wenn man weiß, wo er ist, betont die Forstwirtin: „Deswegen hoffen wir, dass sich möglichst viele Leute melden, falls sie einen finden, ein Foto haben, falls die Katze einen daherbringt – damit man weiß, wo seine Verbreitung ist und was man tun kann, um ihn zu fördern.“

Bewohner von Mischwäldern, sonst wenig bekannt

Wohl fühlt sich der Baumschläfer in Mischwäldern in der Nähe von Bächen. Er nistet sich vorwiegend in Baumhöhlen oder alten Vogelnestern ein. Bis jetzt weiß man aber nur sehr wenig über die scheuen Tiere: „Man weiß, dass er existiert, man weiß, dass er im Wald lebt und Samen, Nüsse oder auch Insekten frisst. Aber viel mehr weiß man eigentlich nicht.“

Der beim Dreh entdeckte Baumschläfer durfte sich nach einigen Minuten wieder im warmen Nistkasten ausschlafen – damit er fit ist für die Nahrungssuche in der Nacht.