Aufenthaltsraum mit Menschen mit Behinderung im Konradinum in Eugendorf
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Soziales

Konradinum: Neubau nach Kritik brachte viel

Seit einigen Monaten ist der Neubau des landeseigenen Behinderteneinrichtung Konradinum in Eugendorf (Flachgau) bezogen. Er brachte große Verbesserungen, so die einhellige Meinung. Das alte Konradinum wurde ja heftig von der Volksanschwaltschaft kritisiert.

Unmenschliche Strukturen, Überbelegung, keine Barrierefreiheit, zu wenige Bäder und zu viel eingesetzte Psychopharmaka – das waren seit 2015 die Hauptkritikpunkte der Volksanwaltschaft am alten Konradinum. Nach jahrelanger Diskussion wurde die Einrichtung schließlich um achteinhalb Millionen Euro neu gebaut, Ende Dezember 2021 übersiedelten die Bewohner in das neue Gebäude, das nur einen Steinwurf vom alten Konradinum entfernt ist.

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Neubau des Konradinums in Eugendorf von außen
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Der Neubau des Konradinums ist seit Ende Dezember bezogen
Klangschalentherapie mit Menschen mit Behinderung im Konradinum in Eugendorf
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Für die Bewohner bietet das neue Gebäude deutlich mehr Platz
Menschen mit Behinderung in Rollstühlen auf Terrasse des Konradinums in Eugendorf
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Ein großer Garten soll ebenfalls Entspannung schaffen
Das alte Konradinum in Eugendorf (Archivbild)
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Am alten Konradinum hatte es dagegen seit 2015 heftige Kritik der Volksanwaltschaft gegeben

Eigenes Zimmer mit Bad für jeden

36 Bewohnerinnen und Bewohner mit schwerer Beeinträchtigung leben im Konradinum, jetzt alle mit einem eigenen Zimmer und mit Bad. Pflegebäder, Kreativräume, ein Entspannungraum mit Musik sowie ein großer Garten mit Spielplatz sollen eine stressfreie Atmosphäre in diesem neuen Zuhause schaffen. Sieben bis zehn externe Tagesbewohner sind unter der Woche ebenfalls hier – so zum Beispiel die 35-jährige Isabell. Ihre Mutter Eleonore Lehner sagt zu den neuen Bedingungen: „Sie ist einfach ganz toll untergebracht. Während der Zeit, wo ich mir schwergetan habe, meine Tochter überhaupt loszulassen, in dieser Zeit, wo ich nicht bei ihr bin, ist sie wirklich gut aufgehoben.“

Auch die Mutter Evelyn Frauenlob ist voll des Lobs über das neue Konradinum: „Es ist so schön hell, es ist so offen. Der Philipp fühlt sich total wohl da. Wir haben ein gutes Gefühl. Ich bringe ihn gerne her und hole ihn auch wieder. Man merkt einfach, es geht im gut. Es ist die ganze Atmosphäre herinnen total schön.“ Johann Adlmannseder, Vater einer Tochter mit Behinderung, sieht die Bedingungen in dem neuen Haus ebenfalls als große Verbesserung: „Sie ist nicht isoliert in einem Einzelzimmer, sondern sie ist Teil der Gemeinschaft.“

Neues Konradinum deutlich verbessert

Leiterin sieht ebenfalls große Verbesserungen

Fünf Wohngruppen ermöglichen nun das Zusammensein der hier lebenden Kinder, Jugendlichen sowie Erwachsenen gemeinsam mit dem Betreuungsteam mit insgesamt fast 60 Beschäftigten: „Man kann das alte Gebäude gar nicht mehr mit dem neuen Gebäude vergleichen“, sagt Konradinum-Leiterin Andrea Huber. „Die große Kritik war ja unter anderem, dass man die Intimsphäre nicht wahren konnte, dass keine eigenen Bäder zur Verfügung standen oder wir pro Wohngruppe nur ein Pflegebad zur Verfügung hatten. Das hat sich total geändert. Das Gebäude war alt, das war einfach nicht mehr optimal, klar. Die Kritik ist natürlich auf das Gebäude abgezielt gewesen, hat aber unterschwellig alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr getroffen.“

„Für unsere Bewohner war die Umsiedelung teilweise natürlich sehr schwierig, weil sie fast ihr ganzes Leben im ‚Konradinum alt‘ verbracht haben“, sagt Pflegeleiterin Gabriele Teufl. „Aber sie haben sich super eingewöhnt und ich habe das Gefühl, sie sind jetzt wirklich angekommen und sind zu Hause.“ Zur Entlastung von Eltern, bei denen die beeinträchtigten Kinder zu Hause leben, gibt es nun auch zwei Zimmer für eine Kurzzeitbetreuung.