Feuerwehrleute spritzen mit Löschschaum bei Übung
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Chronik

Löschschaum-Altbestände nur noch für Spezialfälle

Fluorierter, biologisch nicht abbaubarer Löschschaum ist bei Salzburgs Feuerwehren nur mehr „in Kleinstmengen“ auf Lager – für ganz spezielle Einsätze. Das sagt der Landesfeuerwehrverband. Beim Flughafen verunreinigte dieser Schaum jahrelang das Grundwasser.

Umweltexperten fanden bei Messungen im Grundwasserabstrom in der Stadt Salzburg fluorierte Alkylverbindungen. Die Chemikalien aus dem Löschschaum der Flughafenfeuerwehr sickerten über Jahrzehnte ins Grundwasser und müssen jetzt aufwendig entsorgt werden – mehr dazu in Löschschaum hat Grundwasser kontaminiert (salzburg.ORF.at; 22.3.2022).

Berufsfeuerwehr: Schaummittel seit 2017 getauscht

Wo gefährliche Flüssigkeiten wie Kerosin, Öle oder Chemikalien brennen und andere Substanzen schmelzen können, ist Schaum für Feuerwehren unverzichtbar. Er schwimmt obenauf, erstickt die Flammen und verhindert zuverlässig Rückzündungen.

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Brennender Tankanhänger wird mit Löschschaum bei Übung gelöscht
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Im Übungsbetrieb werde in Salzburg ausschließlich fluorfreier, biologisch abbaubarer Schaum eingesetzt, betonten die Feuerwehren
Feuerwehrleute mit Löschschaum bei Übung
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Nur für wenige Spezialeinsätze seien noch „Kleinstmengen“ an anderem Löschschaum gelagert, sagte der Landesfeuerwehrverband
Kanister mit Schaummittel (Löschschaum) auf Pflasterung
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Schaummittel ist sehr teuer – 120 Euro für einen Kanister
Gulli (Ausguss) mit Resten von Löschschaum
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In der Landesfeuerwehrschule wird der Schaum von den Übungen an einer Stelle gesammelt und dann entsorgt

Gefährliche Produkte kommen dabei bei der Berufsfeuerwehr der Stadt Salzburg nicht mehr zum Einsatz, sagte Branddirektor Reinhold Ortler: „Wir haben 2017 reagiert: Da hat die EU eine Verordnung erlassen, wo es um diese gefährlichen, fluorierten Substanzen geht. Wir haben daraufhin begonnen, unsere Schaummittel zu tauschen. Unsere Fahrzeuge sind mit fluorfreien Substanzen ausgestattet. Wir fahren nur mit Schäumen, die den heutigen Standards entsprechen.“

Landesfeuerwehr: „Kleinstmengen“ für Spezialeinsätze

Auch die Freiwilligen Feuerwehren im Bundesland verzichten in der Ausbildung und bei Übungen inzwischen gänzlich auf fluorierte Schäume, sagte Mike Leprich vom Landesfeuerwehrkommando.

Letzte Restbestände fluorierten Löschschaums werden nur noch bei besonders gefährlichen Flüssigkeitsbränden verbraucht, so Leprich: „Es gibt noch gewisse Restmengen – und ich betone: wirklich Restmengen, Kleinstmengen –, die wir beispielsweise im Landesfeuerwehrkommando lagern. Es gibt nämlich noch Einsatzaufgaben oder -anforderungen, wo man dieses spezielle Löschmittel noch braucht. Das wird aber keinesfalls bei den Übungen verwendet, sondern nur – wenn überhaupt – bei den Einsätzen selbst. Ansonsten hält sich die Feuerwehr natürlich an die Vorschriften. Deshalb ist hier beim Löschschaum ein wesentlich höherer Sicherheitsstandard eingezogen.“

Löschschaumeinsatz bei Feuerwehren

Löschschaum ist sehr teuer

Auch mit fluorfreiem Schaum wird in der Ausbildung an der Feuerwehrschule sehr gegeizt – nicht zuletzt aus Kostengründen. Denn ein Kanister Schaummittel kostet rund 120 Euro: „Löschschaum wird in einem bestimmten Mischungsverhältnis eingesetzt“, sagte Leprich. „Da sprechen wir von einem bis maximal drei Prozent der gesamten Löschmittel, die wir einsetzen. Bei 100 Litern Wasser entspricht das einem bis drei Litern Löschschaum oder Löschmittel, das zum Einsatz kommt.“

Alle Schaumreste der Ausbildung an der Landesfeuerwehrschule werden an einer Stelle gesammelt und dann kontrolliert entsorgt. Dass es sich bei Löschschaum – gleichgültig, ob natürlich abbaubar oder nicht – immer um Chemikalien handelt, ist den Einsatzkräften bewusst: „Es ist eine Risikoabschätzung“, sagte Branddirektor Ortler. „Wir gehen mit diesen Sonderlöschmitteln sehr, sehr sparsam um, da sie nicht nur sehr teuer sind, sondern auch, um den Umweltaspekten gerecht zu werden.“ Heimische Feuerwehrausrüster arbeiten bereits an der Entwicklung weiterer fluorfreier Schaummittel zur Bekämpfung von Flüssigbränden.