Seilbahngondel „Areitexpress“ der Schmittenhöhebahnen Zell am See in Bergstation
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Wirtschaft

Seilbahnen: „Totalausfall“ verschiebt Investitionen

Zwischen 90 und 95 Prozent Umsatzverlust gegenüber dem Vorjahr – das ist die Winterbilanz vieler Seilbahnen in Salzburg. Wegen fehlender Mittel werden jetzt Investitionen verschoben. Die leeren Pisten freuen aber auch jemanden: die einheimischen Skifahrer.

Viele Gondeln in den Salzburger Skigebieten fahren leer, der Skiwinter neigt sich unübersehbar dem Ende zu. Dass es den Betrieb überhaupt gab, war und ist keine Selbstverständlichkeit. Denn rein betriebswirtschaftlich hätte man nicht aufsperren dürfen, sagen viele Seilbahner – zum Beispiel Bernhard Gruber von der Wildkogelarena in Neukirchen am Großvenediger (Pinzgau): „Es spielen aber natürlich so viele andere Aspekte mit. Wir sind ja auch der Region, dem Ort, der Gesellschaft verpflichtet. Wir haben ein super Mitarbeiter-Team. Auch denen sind wir verpflichtet. Dann haben wir natürlich auch Kunden vor Ort und in der Region, denen wir dieses Skierlebnis natürlich auch bieten wollten und geboten haben – in einem sehr großen Umfang.“

In Neukirchen waren 70 Prozent der Anlagen im Winter in Betrieb, doch nicht einmal zehn Prozent des Umsatzes der vergangenen Wintersaison wurden erlöst, mit nicht einmal 20 Prozent der Gäste des Vorwinters. Im Skigebiet im Oberpinzgau rettete man sich auch mit Rodlern über die Saison – die längste beleuchtete Rodelbahn ist zumindest die nächsten beiden Wochenende immer noch in Betrieb. Landesweit bedeuten die 90 bis 95 Prozent Umsatzverlust mehrere hundert Millionen Euro. Nur ein geringer Teil davon kann durch Zuschüsse aus Steuergeld aufgefangen werden.

Skifahrer und Seilbahngondeln „Areitexpress“ der Schmittenhöhebahnen Zell am See in Bergstation
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Im Schnitt nicht einmal ein Zehntel der Gäste der Vorsaison – das ist die Bilanz der Schmittenhöhebahnen

Projekte werden verschoben, bis wieder Geld da ist

Die Folge: Neue Projekte müssen nach diesem Winter nicht nur in Neukirchen auf die lange Bank geschoben werden: „Vorläufig müssen wir abwarten, was wir an Ersätzen bekommen. Wir haben Verlustersatz beantragt“, sagt Gruber. „Je nachdem, wie es da ausschaut, wie es uns mit der Liquidität geht, werden wir die Projekte dann wieder weiterverfolgen. Die Schubladen mit Projekten, mit Ideen sind voll. Nur die Kassenschublade ist leider relativ leer.“

Zahlreiche Bankengespräche werden notwendig sein, damit die heimischen Seilbahngesellschaften diesen Winter wirtschaftlich überleben: „Ich gehe schon davon aus, dass es mit den Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung möglich ist, dass alle Seilbahngesellschaften des Landes Salzburg diesen Winter überstehen werden“, sagt Erich Egger, Chef der Schmittenhöhebahnen in Zell am See (Pinzgau) und Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft. Für ihn ist klar: Investitionen müssen verschoben oder vorerst überhaupt abgesagt werden. Auch wenn die Branche auf den kommenden Sommer und den nächsten Winter hofft – eine Normalisierung der Situation sei nicht so bald in Sicht. Das weiß auch Egger: „Wir rechnen jetzt mit zwei, drei Jahren, dass man in etwa wieder auf ein Niveau kommt, wo man durchatmen kann und sagen: Ok, wir haben das Schlimmste überstanden.“

90 bis 95 Prozent Umsatzausfall bei Seilbahnen

„Totalausfall“ im Winter etwas für die „Annalen“

Der Schmittenhöhebahnen-Chef bilanziert die heurige Wintersaison ebenfalls ganz nüchtern: „Dieser Corona-Winter 2020/21 wird in die Annalen der Seilbahngeschichte eingehen als der Winter, der zu einem Totalausfall geführt hat. Selbst wenn sich einige Liftanlagen gedreht habe – Tatsache ist, dass 95 Prozent der Umsätze ausgefallen sind. Wir haben im Schnitt keine zehn Prozent der Gäste vom letzten Jahr begrüßen können.“

Die Seilbahner hoffen auf den Sommer und den nächsten Winter – und auf Erleichterungen europaweit. Denn die Gäste aus dem Ausland sind überlebenswichtig: „Eine der großen Freiheiten Europas – nämlich die Reisefreiheit – wird ja immer wieder mit Füßen getreten“, sagt Seilbahnen-Sprecher Egger. „Es ist auch nicht mehr nachvollziehbar, wie sehr man die Grenzen abeschottet und den Tourismus in den verschiendenen Ländern kaputtmacht.“

Einheimische Skifahrer genossen leere Pisten

Die einheimischen Kunden auf den Skipisten haben den Skiwinter dagegen genossen – so wie Franz Senk aus Niedernsill (Pinzgau): „Er könnte nicht schöner gewesen sein, weil so wenig Leute waren. Die Pisten waren dadurch so schön. Und unsere Bergbahnen – seien es das Kitz oder die Schmitten – haben eigentlich immer offen gehabt. Ich habe eigentlich noch nie so einen intensiven Skiwinter gehabt. Ich war um die 40 Mal Skifahren seit dem 29. Dezember.“

Magdalena Brandstätter aus Lend sieht das ähnlich: „Vom Fahren war’s gewaltig. So wenig Leute wie heuer werden wir nie mehr haben. Aber das ganze Drumherum ist natürlich nicht optimal.“ Die meisten Seilbahngesellschaften in Salzburg fahren – wenn es witterungsmäßig geht – noch an diesem und dem nächsten Wochenende. Die höhergelegenen Skigebiete planen noch bis nach Ostern.