Mann wird mit Spritze in den Oberarm geimpft
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Gesundheit

Kritik am „Impfen im Schneckentempo“

Scharfe Kritik an der Salzburger Coronavirus-Impfstrategie gibt es von der politischen Opposition, aber auch von Wirtschaftsvertretern. Der Start verlaufe im Bundesland viel zu zögerlich. „Wir impfen im Schneckentempo“, kritisieren manche aus der Wirtschaft.

Sowohl bei den Tests als auch bei den Impfungen gebe es in Salzburg zu große Verzögerungen. Die am Dienstag präsentierte Test- und Impfstrategie des Landes komme deutlich zu spät, kritisierte SPÖ-Landesparteichef David Egger: „Wir sehen als bestes Beispiel Vorarlberg und Wien: Hier steht die Strategie, hier wird geimpft, was das Zeug hält. Hier sind wir in Salzburg immer einen Schritt hinten nach. Wir haben hier den Start scheinbar wieder verschlafen. Und darauf haben wir immer und immer wieder hingewiesen.“

Nach dem am Dienstag vorgestellten Plan sollen in Salzburg zuerst exponierte Gesundheitsberufe und Menschen in Seniorenheimen geimpft werden. Ab 1. Februar sollen dann über 80-Jährige, die zu Hause leben, eine Impfung bekommen. Ab 1. März sollen sich dann über 65-Jährige für das Impfen vormerken lassen können. Die breite Bevölkerung soll danach – voraussichtlich ab Ende Juni – eine Impfung bekommen können.

Die Sozialdemokraten kritisieren, dass sich viele Bürgermeister und Hausärzte schlecht informiert sehen. Sie hätten teilweise erst durch die Medien über die weitere Vorgangsweise erfahren.

FPÖ hätte sich „ein bisschen mehr Vorbereitung“ erwartet

Die Salzburger Freiheitlichen nehmen hingegen vor allem die Bundesregierung in die Pflicht: „Was mich schon stutzig macht ist, dass die Durchimpfungsrate östlichen Ländern, in Rumänien, in Kroatien schon weit höher ist als in Österreich“, sagte FPÖ-Landesparteivorsitzende Marlene Svazek. „Das spricht nicht unbedingt für die Impfstrategie, die sich die Bundesregierung da vorgenommen hat. Man hört, dass es Beschaffungsschwierigkeiten gibt, was insofern unverständlich ist, weil wir die Impfung seit Wochen als den Game-Changer präsentiert bekommen. Da hätte ich mir doch ein bisschen mehr Vorbereitung erwartet. Das dürfte momentan ein Problem sein, aber das ist ein Problem der Bundesregierung.“

NEOS, das in Salzburg in der Landesregierung sitzt und im Bund in der Opposition ist, kommentierte den Impfplan am Mittwoch so: „Es hat zuerst ein Chaos von Seiten der Bundesregierung gegeben, die es nicht geschafft hat, das auf die Reihe zu bringen. Dewegen bin ich sehr froh, dass das jetzt an das Land delegiert wurde“, sagte NEOS-Gesundheitssprecher Sebastian Huber.

Kritik an zu zögerlichem Beginn der Impfungen

„De facto keine Strategie“

Bei den Betrieben ist derzeit die Unsicherheit äußerst groß. Gerade im Tourismus fühlen sich viele im Stich gelassen: „Die Impfstrategie ist für mich de facto keine Strategie. Wir impfen im Schneckentempo“, sagt Hotelierin Petra Nocker-Schwarzenbacher, ehemals Tourissmussprecherin in der Bundeswirtschaftskammer. „Das ist die Hoffnung, die wir gehabt haben, dass das jetzt alles rasch und unbürokratisch geht. Es ist zu wenig Impfstoff da und eine Strategie sieht anders aus.“

Die momentane Lage sei jedenfalls für die verschiedenen Betriebe äußerst trist. Dass die Beschaffung des Impfstoffes verhältnismäßig lange dauert, lässt bei vielen die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung schwinden.