Die Bürgerinitiative „Aktion lebenswerter Flachgau“ fordert eine Nachdenkpause beim geplanten ÖBB-Tunnelbau in Köstendorf (Flachgau). Experten hätten nachgewiesen, dass dort ein streng geschützter Käfer lebe. Die ÖBB wollen das Projekt weiter betreiben. Es sei sehr umweltfreundlich.
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Politik

ÖBB-Tunnelgegner setzen auf neu entdeckten Käfer

Die Bürgerinitiative „Aktion lebenswerter Flachgau“ fordert eine Nachdenkpause beim geplanten ÖBB-Tunnelbau in Köstendorf (Flachgau). Experten hätten nachgewiesen, dass dort ein streng geschützter Käfer lebe. Die ÖBB wollen das Projekt weiter betreiben. Es sei sehr umweltfreundlich.

Es geht in der Debatte nun auch um den streng geschützten Grubenlaufkäfer. Der soll laut Wissenschaftern in einem Waldstück in Erka-Haunharting bei Köstendorf leben – genau dort, wo die Tunneleinfahrt für die ÖBB-Neubaustrecke entstehen soll.

Jonas Eberle von der Universität Salzburg betont, der Käfer sehr spezielle Ansprüche habe: „Nasse, sumpfige Waldböden, die durch Quellen gespeist werden. Er ist in der EU streng geschützt.“

Auch heftiger Streit ums Trinkwasser

Die Bürgerinitiative der Tunnelgegner will nun nach dem Käferfund eine Nachdenkpause für das Tunnelprojekt erreichen. Es bestehe laut Geologen auch Gefahr für zwei Trinkwasserquellen in der Region, sagt Sprecherin Johanna Sams: „Wir sind dafür, dass das Projekt von unabhängigen Stellen genau geprüft wird, damit das Trinkwasser nicht gefährdet wird und unsere Kinder noch gut leben können.“

Die „Aktion lebenswerter Flachgau“ fordert außerdem weitere Untersuchungen über die gesundheitlichen Auswirkungen der jahrelangen Lärm- und Staubbelastung durch den Tunnelbau.

ÖBB weisen Kritik zurück

„Aus unserer Sicht haben wir ein umweltverträgliches Projekt eingereicht. Vorbereitend für die Umweltverträglichkeitsprüfung wurden im Auftrag der ÖBB umfangreiche Kartierungen der Tier- und Pflanzenwelt erstellt“, teilte die ÖBB-Infrastruktur AG in einer Stellungnahme mit.

Dabei habe es zum Zeitpunkt der Erhebungen weder im Bereich des Ostportals, noch im Bereich der Baustelleneinrichtungsfläche oder der geplanten Deponie Hinweise auf den Grubenlaufkäfer gegeben. „Auch im Fachbereich Hydrologie liegen zu den im Projektumfeld befindlichen Trinkwasserquellen umfangreiche Erkundungsergebnisse vor“, reagierte das Unternehmen auf Befürchtungen von Anrainern, dass durch den Bau die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung betroffen sein könnte.

Viergleisiger Ausbau bei Ballungszentren

„Das Projekt wird derzeit im Rahmen eines UVP-Verfahrens durch Sachverständige im Auftrag der zuständigen Behörde geprüft. Mögliche neue Erkenntnisse können im Rahmen der UVP bei der Behörde eingebracht werden. Die Sachverständigen haben diese dann zu beurteilen“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Die Forderung nach einem „sinnvolleren Gesamtkonzept“ der Projektgegner, wies die ÖBB-Infrastruktur AG am Donnerstag zurück. Man orientierte sich in der strategischen Ausrichtung am „Zielnetz 2025+“, der Ausbaustrategie für die Entwicklung der Bahninfrastruktur. Vorrangige Anforderung sei dabei der viergleisige Ausbau der Weststrecke rund um die Ballungszentren.

Die ÖBB verweisen zudem darauf, dass das Projekt derzeit im Rahmen eines UVP-Verfahren von der Behörde geprüft werde. Mögliche neue Erkenntnisse hätten die Sachverständigen zu beurteilen.