Laborantin nimmt Abwasserprobe
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Wissenschaft

Analysen in Kläranlagen für CoV-Früherkennung

Abwasser von rund 300.000 Salzburgern, das die Kläranlage Siggerwiesen bei Bergheim (Flachgau) reinigt, wird nun in einer bundesweiten Studie auf Rückstände von Coronaviren untersucht. Weil Virenreste im Schmutzwasser sehr früh entdeckt werden können, wollen Forscher daraus ein Frühwarnsystem entwickeln.

Siggerwiesen und 20 andere Kläranlagen sind bundesweit an diesem Forschungsprojekt beteiligt. Die Viren selbst seien längst tot, wenn menschliches Abwasser die Kläranlagen erreiche, sagen die Experten. Ihre Forschung basiert auf ähnlichen Methoden, wie sie bei PCR-Virentests zur Anwendung kommen. Dazu kommen Analysen von DNA-Partikeln, die in Nährlösungen kultiviert und ausgewertet werden.

Suche nach verlässlichem Raster für Prognosen

Der Mikrobiologe Heribert Insam von der Universität Innsbruck sagt, man versuche jetzt mit vielen Daten eine gute Datenbank zu erstellen: „Dann soll man mit einem künftigen Modell hochrechnen können.“ Norbert Kreuzinger ist Experte für Wassergüte von Technischen Universität Wien: „Wir müssen sicher sein, wenn sich Trends entwickeln im Abwasser. Und dafür brauchen wir eine abgesicherte Basis mit der Wissenschaft.“

Abwasser von rund 300.000 Salzburgern, das die Kläranlage Siggerwiesen bei Bergheim (Flachgau) verarbeitet und reinigt, wird nun auf Rückstände von Co-Viren untersucht – als  Teil einer bundesweiten Studie. Forscher wollen ein Frühwarnsystem entwickeln.  Im Schmutzwasser könnten Virenreste sehr früh entdeckt werden.
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Probenwasser aus der Kläranlage wird abgefüllt

Politiker hoffen auf Entscheidungsgrundlagen

In kleinerem Rahmen arbeiten die Wissenschafter schon seit März an dem Projekt. Jetzt sollen die Daten aus größeren Kläranlagen mehr Sicherheit bringen. Die Forschung wird mit einer halben Million Euro vom Bund gefördert. Politiker hätten große Erwartungen, sagt Bundesministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP): „Es ist wichtig, dass wir sehr schnell Ausbrüche erkennen. Bevor Menschen Symptome haben, kann im Abwasser das Virus nachgewiesen werden. Wenn man das flächendeckend macht, erhoffen wir uns, schnell größere Ausbrüche zu erkennen.“

Mehr als die Hälfte des Salzburger Abwassers

In Tirol werden derzeit 43 Kläranlagen auf Coronaviren und ihre Rückstände untersucht und auch in Salzburg soll nicht nur in Siggerwiesen genauer hingeschaut werden, sagt der zuständige Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP): „Wir arbeiten dazu im Pongau, Pinzgau und hier im Flachgau. Mehr als die Hälfte aller Abwässer in Salzburg wird derzeit untersucht. Es ist wichtig, dass wir verlässliche Daten bekommen.“

Bis man aus Rückständen im Abwasser ein alltagstaugliches Frühwarnsystem für Infektionscluster entwickelt kann, soll es laut Experten aber noch einige Zeit dauern.