Schneekanone erzeugt Kunstschnee neben Skipiste bei Sonnenschein
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Politik

Diskussion über ökologischen Wintertourismus

Kaum mehr Naturschnee unter 1.500 Metern Seehöhe, dazu ein ständig wachsender Energieaufwand, um Skipisten anbieten zu können – das sind Auswirkungen des Klimawandels. Im Salzburger Landtag wurden am Mittwoch mögliche Zukunftsperspektiven diskutiert.

Im Vorjahr war es fast schon zu viel an Schnee, der heurige Winter ist genau das Gegenteil: Skifahren ist möglich, aber vor allem in den tieferen Lagen nur auf Grund der technischen Beschneiung. Denn in Salzburg ging die Naturschneemenge in Lagen unter 1.500 Metern im vergangenen halben Jahrhundert um 30 Prozent zurück.

Eine Studie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigt, dass ein Skibetrieb bis 2050 machbar ist – unterhalb von 1.300 Metern aber nur mit hohem technischen Aufwand. Noch tiefer wird es in Zukunft fast unmöglich, sagt Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP): „Da wird auch die technische Beschneiung nicht gehen, weil die Temperaturen zu hoch sein werden. Wir haben die meisten Skigebiete, die weit über diese Marke hinausreichen. Es wird einzelne, kleinere Lifte dann sicher nicht mehr geben können.“

Ruf nach nachhaltigeren Lösungen

Ökologischer und nachhaltiger müsse er werden, der Wintertourismus – darin sind sich im Landtag praktisch alle Parteien einig. Dazu müsse man Skifahrer auch mit Öffis an die Piste zu bringen, findet Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn (Grüne): „Es gibt ja schon Kombiangebote von Zug und Bus bzw. bieten Skigebiete auch an, dass man hier im Ballungsraum mit einem Skibus abgeholt wird.“

Grüne Gedanken im Tourismus, das ist für die FPÖ ja schön und gut, aber „die Verteufelung des Tourismus schwingt da immer ein bisschen mit“, findet die FPÖ-Landtagsabgeordnete Karin Berger. „Aber wir müssen uns schon bewusst sein, wie wichtig der Tourismus als Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber für unser Land ist.“ Von einem Schlechtreden des Tourismus warnt auch NEOS. Der Fremdenverkehr gehöre zu Salzburg wie die Butter auf’s Brot, sagt Landtagsabgeordnete Elisabeth Weitgasser: „Es leben sehr viele vom Tourismus, die Wirtschaft ist abhängig. Jeder fünfte Job ist direkt oder indirekt mit dem Tourismus verbunden – die Infrastrukturen, die in den Orten gebaut werden.“

Diskussion: Klima und Tourismus

Über die Zukunft des Wintertourismus angesichts des Klimawandels diskutierte am Mittwoch der Salzburger Landtag.

SPÖ: Auch bessere Arbeitsbedingungen wichtig

Nachhaltigkeit im Wintertourismus, das bedeutet für die SPÖ mehr als Pistenraupen mit Elektroantrieb oder Anreisen mit dem Zug. Da gehe es auch um Arbeitsbedingungen, sagt der SPÖ-Landtagsabgeordnete und Gewerkschafter Gerald Forcher: „In der Beschäftigung habe wir ein lachendes und ein weinendes Auge. Wir haben durchschnittlich 26.000 Menschen in unserem Bundesland im Tourismus beschäftigt – müssen aber dazusagen, dass von diesen 26.000 Beschäftigten der Ausländeranteil bereits bei 55 Prozent liegt und die Verweildauer im Tourismus alles andere als ein positives Beispiel ist. In der Hotellerie der Gastronomie beträgt die Drop-Out-Quote nach sieben Jahren im Schnitt 60 Prozent.“

420 Speicherteiche für die Produktion von technischem Schnee gibt es derzeit in Salzburg – nicht unbedingt das Signal für einen nachhaltigen Wintertourismus, wie ihn sich manche im Salzburger Landtag wünschen.