Die Kandidaten Peter Pilz (Liste Jetzt), Pamela Rendi-Wagner (SPÖ), Sebastian Kurz (ÖVP), Beate Meinl-Reisinger (NEOS), Werner Kogler (Die Grünen) und Norbert Hofer (FPÖ) ORF-Studio bei der „Elefantenrunde“.
APA/GEORG HOCHMUTH
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Politik

Wahl: Die meisten haben sich schon länger festgelegt

395.640 Salzburgerinnen und Salzburger sind aufgerufen, bei der Nationalratswahl über die Zusammensetzung des Parlaments zu mitzuentscheiden. Die meisten von ihnen haben sich schon länger festgelegt, sagen Wissenschafter.

Soziologen, Kommunikationswissenschafter und Psychologen sind sich einig: Die Wahlentscheidung ist in den allermeisten Fällen eine emotionale. Kaum jemand bringt die Kraft auf, rational abzuwägen und dann die Vernunftentscheidung zu vollziehen. Es seien die Emotionen, die zur Entscheidung führen, sagt die Salzburger Psychologin Christina Beran: „Entscheidungen fallen mit einem hohen Anteil von Intuition. Um eine logische, vernünftige, bewusste Entscheidung zu treffen, braucht es Zeit und Energie.“ Die nötige Ruhe dazu hätten die meisten angesichts der Informationsflut im Wahlkampf aber nicht – „Dann beginnen wir uns zurückzuziehen“, so Beran.

Denn die dutzenden Wahldiskussionen auf allen Sendern kosten den Wähler Kraft. Diese Kraft hätten viele irgendwann nicht mehr, sagt Eva Jonas, Professorin für Psychologie an der Universität Salzburg.

„An irgendeinem Punkt mache ich zu“

Gleichzeitig hätten die Menschen aber ein hohes Bedürfnis nach Festlegung. Und das geschehe oft schon Wochen vor der Wahl, so Jonas: „An irgendeinem Punkt hat man das Gefühl: Jetzt möchte ich wissen, wie es ist – und dann mache ich zu. Dann lege ich mich fest und es kommt zu einem ‚Einfrieren‘. Dann bin ich gar nicht mehr daran interessiert, weitere Informationen aufzunehmen oder mich damit auseinanderzusetzen. Ich finde diese Informationen dann nicht mehr relevant. Wenn ich mich einmal festgelegt habe, dann habe ich das Gefühl: Das ist unwichtig, das ist uninteressant. Ich brauche einfach kognitive Ressourcen, um mich einfach wieder auf andere Dinge meines Lebens zu konzentrieren.“

Zudem hätten das Ibiza-Video und andere Skandale der vergangenen Wochen und Monate der gesamten Politik geschadet, ist Psychologin Beran überzeugt: „Dann gehen einem plötzlich alle Politiker auf die Nerven und man wirft sie alle in einen Topf. Und dieser Ekel-Faktor bewirkt auch, dass wir uns zurückziehen.“

Anteil der Politikfernen steigt seit Jahren

Zum anderen ist zu erwarten, dass von knapp 400.000 Wahlberechtigten in Salzburg rund 80.000 gar nicht ihre Stimme abgeben. Denn sechs von zehn Menschen in Österreich gelten als politikfern. Ihr Interesse an Politik ist enden wollend. Ihr Anteil steige seit Jahren stetig, sagt der Soziologie und Kommunikationswissenschafter Dimitri Prandner von der Universität Salzburg: „Wir sehen in den letzten 30 Jahren einen leichten Aufwärtstrend. In den 1980er-Jahren war das ungefähr die Hälfte der österreichischen Wahlbevölkerung. Jetzt sind wir bei 60 Prozent. Wenn sich die Struktur nicht radikal ändert, dann wird dieser Trend anhalten, weil es hier um formale Politik geht.“

Aber: „Wir sehen, dass in manchen Bereichen, wo es nicht um formale Politik geht – Stichwort: Klimadebatte – tatsächlich eine Repolitisierung stattfindet, die aber nur sehr schwer in den politischen Raum Einzug findet.“ Die Fridays-for-Future-Bewegung sei damit ein inhaltliches Glück für den Wahlkampf, so Prandner: „Das kann man pointiert so sagen: Uff, endlich ein neuer Inhalt. Es ist so, dass sich die österreichischen Parteien in den letzten Jahren auf wenige Kernthemen fokussiert haben und diese auch sehr stringent kommuniziert haben. Und endlich ein neues Thema hat die Debatte ein bisschen geöffnet.“