Passant geht über Schotterbelag des Residenzplatzes
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Politik

Residenzplatz: Streit um Verantwortung

Nach 20 Jahren Diskussionen, Planung und Bau gibt es jetzt massive Kritik am neuen Schotterbelag des Residenzplatzes in der Stadt Salzburg. In der Stadtregierung ist indes Streit um die Verantwortung für Staub und schlechten Geruch neben dem Dom entbrannt.

Die Schotterfläche staube und stinke, zudem verschwinden bereits Steine kritisieren Anrainer und Kaufleuten rund um den Residenzplatz. Während die Außenfläche mit Granitsteinen jetzt einheitlich gepflastert ist, wurden auf der Innenfläche rund um den Residenzbrunnen 1.600 Tonnen Granitschotter verteilt. Ist der Residenzplatz besonders stark besucht, wie bei Großveranstaltungen, verteile sich der Schotter und müsse auch in Zukunft immer wieder neu verteilt und aufgefüllt werden. Das bedeute zwar regelmäßigen Mehraufwand, der sei aber eingeplant worden, sagt die amtierende Baustadträtin Martina Berthold (Bürgerliste). „Das ist auch im Beschluss von 2017 drinnen. Da sind 58.000 Euro geschätzt worden, aber nicht nur für den Schotter, sondern auch für die Reinigung der neuen Granitflächen und der Fugen, die da sind“, sagt Berthold.

Drei Baustadträte waren am Projekt beteiligt

Insgesamt drei Baustadträtinnen und -räte waren in den vergangenen zwei Jahren mit der Neugestaltung befasst. 2017 wurde der „Residenzplatz neu“ unter Baustadträtin Barbara Unterkofler (ÖVP) beschlossen. „Es waren klare Vorgaben vom Bundesdenkmalamt, dass wir nur den Rahmen mit Granitplatten machen und den Innenbereich in Wahrheit so wie er war, klein abgewandelt von den Flächenverhältnissen, wieder in Schotter machen müssen“, sagt die derzeitige Vizebürgermeisterin. Unterkofler war von 2014 bis 2018 als Baustadträtin für den Residenzplatz zuständig.

Diskussion über Schotter am Residenzplatz
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Politiker, Kaufleute und Anrainer diskutieren über Staub und Gestank am Residenzplatz

Kritik an „Krautgestank“ des Bindemittels

Anrainer und Kaufleute haben keine Freude mit dem neuen Belag des historischen Platzes. In den Schotter wurden Spitzwegerrichsamen als natürliches Bindemittel eingearbeitet. Dessen Geruch empfinden etliche Anrainer und Kaufleute als Gestank. „Grundsätzlich wollte man wohl – das höre ich von den Experten – ein chemisches Mittel verhindern und hat zu einem natürlichen Mittel gegriffen. Und es gab ein Best-Practise-Modell in Linz. Allerdings die Gespräche dazu sind dann nach meiner Amtszeit gelaufen. Da kann ich jetzt nichts näher dazu sagen“, sagt Unterkofler.

Rößlhuber verweist auf Unterkofler

Unterkoflers Nachfolger als Baustadtrat (von September 2018 bis Mai 2019) war Lukas Rößlhuber (NEOS) und widerspricht seiner Vorgängerin. Sechs Monate vor Baubeginn des Residenzplatzes sei er Baustadtrat geworden, so knapp vor Baubeginn wäre nichts mehr zu beschließen gewesen. „Es ist mir jetzt zu billig, sich an mir abzuputzen. Ich habe mir die Mühe gemacht, diesen Amtsbericht auszuheben, da steht auf der Rückseite ganz klar die Unterschrift von der Frau Dr. Unterkofler drauf. Ich erwarte mir von ihr, dass sie sich dieses Problems annimmt. Es ist ihr Projekt, es ist ihr Fehler und ich erwarte mir, dass sie sich auch jetzt als Vizebürgermeisterin darum kümmert, dass dieses Problem gelöst wird“, sagt Gemeinderat Rößlhuber.

Residenzplatz neu: Kritik an Schotterfläche

20 Jahre ist über den Residenzplatz diskutiert worden. Jetzt ist er fertig und es wird weiter diskutiert. Die Schotterfläche sorgt für Kritik bei Anrainern und Kaufleuten. Sie staube und stinke und Steine verschwinden.

Denkmalschützer hätten komplette Pflasterung erlaubt

Kritik der Stadtpolitik, der Denkmalschutz hätte eine vollständige Pflasterung des Residenzplatzes verhindert, weist die Chefin des Bundesdenkmalamtes in Salzburg, Eva Hody, zurück. Ihre Behörde hätte sogar die Zustimmung für eine Pflasterung erteilt, deren Unterbau bis zu 70 Zentimeter tief in den Untergrund des Platzes reicht. Sie könne mit dem neuen Schotter auf dem Platz aber auch gut leben, sagt Hody. Schließlich sei damit genau jener Zustand hergestellt, den der Platz seit gut hundert Jahren habe und den er auch zum Zeitpunkt seiner Unter-Schutz-Stellung aufgewiesen habe.

Landeskonservatorin Eva Hody zum Residenzplatz

Zu der Diskussion rund um den Belag für den Residenzplatz ist Landeskonservatorin Eva Hody vom Bundesdenkmalamt in Salzburg im Studio.