Villa des SS-Mörders Loritz erforscht

Das ist ein fast unbekanntes Kapitel in der Geschichte des Salzkammergutes. Der Massenmörder Hans Loritz, KZ-Kommandant der Lager Dachau und Sachsenhausen, ließ sich in St. Gilgen (Flachgau) von KZ-Häftlingen eine Villa bauen. Sie ist bis heute bewohnt.

Hans Loritz SS Kommandant KZ

Ausweisfoto - Fotograf unbekannt

Loritz bereicherte sich - wie viele SS-Führer - auch persönlich an Opfern

Die meisten Sklavenarbeiter beim Bau dieser Villa waren Zeugen Jehovas. KZ-Kommandant Loritz nahm sich 1946 in einem britischen Internierungslager das Leben, weil er wegen seiner Massenmorde, vielfältigen Straftaten und Kriegsverbrechen ein Todesurteil bzw. die Auslieferung an die Sowjetunion befürchten musste. Seine Villa in St. Gilgen wurde verkauft. Der SS-Sturmbannführer stammte aus Augsburg und hatte das Grundstück 1938 gekauft, kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland.

Häftlinge ohne Erlaubnis privat eingesetzt

Augustin Kloiber durchbricht nun als Archivar von St. Gilgen das Schweigen, das in der Region Salzkammergut viele Jahrzehnte dauerte. Er hat lange im In- und Ausland nach Dokumenten gesucht. Sie belegen, unter welchen Bedingungen die Villa gebaut wurde: „Er hat Häftlinge aus dem KZ Dachau nach St. Gilgen bringen lassen. Sie wurden zum Schlafen immer im Bezirksgericht St. Gilgen eingesperrt und in der Früh von SS-Wachen wieder abgeholt für seinen Bau.“

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Viele Täter des Regimes im Salzkammergut

Loritz hatte - wie einige seiner Kollegen in den Führungsebenen des NS-Staates – großen Gefallen an der schönen Gegend im Salzkammergut gefunden. Er setzte KZ-Häftlinge für den Bau seines privaten Hauses ein. Das war selbst im Nationalsozialismus, der sich die Unterdrückung und Ermordung seiner Gegner zum Ziel gesetzt hatte, „illegal“ und galt als Korruption: „Loritz war nach 1939 auch für das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin zuständig. Von dort ließ er Leute nach Dachau bringen, und von dort nach St. Gilgen. Er deklarierte das Ganze als Außenlager von Dachau“, schildert Heimatforscher Kloiber.

Eigene KZ-Baracke als „Außenlager“

Zeitzeugen haben weitere Infomationen zum Baugeschehen geliefert. Sie wurden im Ortsarchiv von St. Gilgen systematisch ausgewertet, sagt Kloiber: „Mit neun Gefangenen aus Dachau hat er den Bau begonnen, später waren es bis zu 25 Männer. Weil dann das Gemeindegefängnis im Bezirksgericht zu klein war, wurde neben dem Haus von Loritz eine Holzbaracke für die Zeugen Jehovas gebaut."

Wegen Korruptionsvorwürfen wurde 1942 gegen ihn ermittelt. Loritz verlor seine Privilegien als KZ-Kommandant. Der Bau für seine fast fertige Villa in St. Gilgen wurde eingestellt. Heinrich Himmlers SS-Kommando versetzte ihn gegen seinen Willen nach Graz. Wenig später durfte er wieder in den KZ-Dienst zurückkehren - dieses Mal als Chef des Lagers Sachsenhausen bei Berlin. Loritz galt innerhalb der NS-Hierarchie wegen seines schon sehr frühen Eintretens für Hitler als „alter Kämpfer“ der „Bewegung“ mit entsprechenden Weihen der Staatspartei.

Strafversetzung nach Norwegen

Im KZ Sachsenhausen weitete er seine Selbstbereicherung wieder aus. In eigenen Werkstätten, die im Lager als „Loritz-Werke“ bezeichnet wurden, setzte er noch mehr Häftlinge für rein private Zwecke ein.

Daraufhin folgte eine Strafversetzung nach Norwegen, wo er als Inspekteur dem „Höheren SS- und Polizeiführer Nord“ zugeordnet wurde. Als erfahrener Organisator innerhalb der KZ-Maschinerie
war er nun für alle norwegischen Lager zuständig, die von der SS betrieben wurden. Auf sein Konto gingen dort laut Historikern zahlreiche Folterungen und Morde an Wehrlosen und politischen Gegnern der Nazis.

Genickschüsse für 10.000 Kriegsgefangene

Kurz vor Kriegsende floh Loritz mit falschen Papieren nach Schweden. Er wurde geschnappt und nach Deutschland überstellt, wo er von den britischen Befreiern zweifelsfrei identifiziert wurde. Wegen der früheren Ermordung von ca. 10.000 sowjetischen Kriegsgefangenen mit einer speziellen Anlage für Genickschüsse stand für Loritz die Auslieferung an die Sowjetunion bevor. Im britischen Internierungslager Neumünster-Gadeland nahm er sich 1946 das Leben.

Die Befreier Westösterreichs aus den Reihen der amerikanischen Armee beschlagnahmten 1945 seine Villa im Land Salzburg. Sie wurde später von der Republik an eine Privatperson verkauft.

Renate Lachinger, Gerald Lehner - salzburg.ORF.at

Dem St. Gilgener Archivar Augustin Kloiber ist es zu verdanken, dass noch viel Wissen über die Villa von Hans Loritz für die Zukunft gesichert werden konnte.

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