Erkundungsflüge: Viele Lawinen in Rinnen

Insgesamt zwölf Hubschrauber waren am Freitag für Lawinen-Erkundungsflüge und um Bäume von der Schneelast zu befreien im Dauereinsatz. Die Flüge waren aufschlussreich. Lawinenexperten konnten sich einen guten Überblick im Gelände verschaffen.

Nach beinahe 14 Tagen Schneefall war es am Freitag möglich, aus der Luft die Neuschneemengen in den Bergen und damit die Lawinengefahr umfassend einzuschätzen. Die Behörde setzte dafür alle landesweit verfügbaren Hubschrauber ein, das waren zwölf Maschinen, vier davon kamen vom Bundesheer. Sehr oft waren Mitglieder von Lawinenwarnkommissionen und der Lawinenwarnzentrale an Board, unter anderem in Werfen und rund um den Pass Lueg.

Erkundungsflüge und Baum-Waschen
Die landesweiten Lawinen-Erkundungsflüge im Gelände am Freitag zeigten, in Rinnen und Gräben gingen bereits zahlreiche Lawinen ab. Insgesamt zwölf Hubschrauber waren dafür im Einsatz.

Die Piloten flogen mit den Lawinenexperten die gefährdeten Hänge im Gelände ab, Fachleute beurteilten die Lage und teilweise wurden auch aus dem Hubschrauber Lawinensprengungen vorgenommen: „Der Sprengbefugte sitzt bei geöffneter Tür - natürlich entsprechend gesichert - und senkt die vorbereiteten Sprengladungen ab“, sagt der Leiter des Salzburger Lawinenwarndienstes Norbert Altenhofer. „Das erfordert sehr viel Erfahrung und eine spezielle Ausbildung.“

Erkundungsflug

ORF

Zwölf Hubschrauber waren am Freitag landesweit im Erkundungs-Einsatz

Bilanz: Zahlreiche Lawinen in Rinnen und Gräben

Die Flüge zeigten, in den Rinnen und Gräben gingen in den vergangenen Tagen bereits mehrere Lawinen ab. Die Erkundungsflüge gaben wichtige Erkenntnisse, waren die Gräben gefüllt, gab es bereits Lawinen und anderes mehr und es lassen sich dadurch auch Vergleiche zwischen den Salzburger Regionen ziehen. „Oberhalb von 1.500 Metern sind die Hänge extrem voll, auch die Rinnen sind voll und es gibt viele glatte Flächen. Beim Fliegen haben wir ständig einzelne kleine Staublawinen bemerkt. In den Rinnen sieht man, dass in den vergangenen Tagen einige Abgänge waren, davon waren einige groß bis sogar sehr groß, aber sie sind noch nicht bis an die Verkehrswege herangekommen“, sagte der Leiter der Lawinenwarnzentrale, Bernhard Niedermoser.

Downwash-Aktionen bei Bäumen

Da das Wetter nur am Freitag schön war, wurde jede Minute für Hubschrauber-Einsätze genutzt. Rund um Skigebiete wurden Bäume mit sogenannten Downwash-Aktionen von der enormen Schneelast befreit, damit ein Umstürzen der Bäume vermieden werden kann. Die Rotorenblätter der Hubschrauber fegten dabei den Schnee von den Bäumen.

Helikopter befreien Bäume vom Schnee

Die Rotorenblätter fegten die Schneelast von den Bäumen, zum Beispiel in Lofer (Pinzgau).

Video: Almenwelt Lofer

Stadt sperrt alle Parks und Friedhöfe

Die gewaltigen Schneemengen in Stadt und Land Salzburg führten Freitagvormittag zur Sperre aller Parks, Wälder und Friedhöfe in der Stadt Salzburg. Laut Magistrat war die Schneelast auf den Bäumen zu groß. Freitagvormittag stürzte im Kurgarten beim Schloss Mirabell eine große Linde wegen der Schneelast um. Daraufhin verfügte der Bezirkseinsatzstab der Stadt Salzburg, dass alle städtischen Wälder, die Stadtberge, die Hellbrunner Allee, alle Spielplätze und die städtischen Friedhöfe aus Sicherheitsgründen bis auf Widerruf gesperrt werden: „Es besteht die Gefahr von herabfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen. Auf einigen Friedhöfen haben bereits Äste dem Druck nachgegeben und sind herabgefallen.“ Öffentliche Grünanlagen sollten nicht betreten und schneebedeckte Bäume gemieden werden.

Umgestürzter Baum im Kurgarten der Stadt Salzburg

Stadt Salzburg/J. Knoll

Im Salzburger Kurgarten stürzte eine Linde um, daraufhin sperrte die Stadt alle öffentlichen Parks und die Stadtberge

Zudem appellierte die Stadt Salzburg, möglichst alle Kanalabläufe frei zu machen. Denn ab Samstag ist im Stadtgebiet Tauwetter samt zum Teil starkem Regen angesagt.

Aber auch am Boden sind Feuerwehren, Bundesheer, Gemeindebedienstete und zahlreiche andere Helfer nach wie vor im Einsatz. Denn zahlreiche Dächer müssen vom zum Teil meterhohen Schnee befreit werden. Am Donnerstag arbeiteten rund 800 Feuerwehrleute im ganzen Land bei knapp 170 Einsätzen.

Stromversorgung entspannt sich

Die Lage in Sachen Stromversorgung entspannte sich am Freitag in Salzburg langsam. Zu Mittag waren noch rund 200 Haushalte ohne Strom - in den Gemeinden St. Koloman, Adnet, Bad Vigaun, Krispl/Gaißau (Tennengau), Fuschl (Flachgau) und Hüttau (Pongau). Die Monteure der Salzburg AG arbeiten weiter mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Leitungen.

Warnung vor Skiausflügen abseits der Piste

Trotz des vorübergehend niederschlagsfreien Wetters und in den Kalkalpen leicht zurückgegangener Lawinengefahr warnen die Meteorologen eindringlich vor Skitouren oder Abfahrten abseits der Pisten: „Die Lage ist nach wie vor sehr angespannt, es herrscht verbreitet Lawinenwarnstufe vier“, sagte Michael Butschek vom Salzburger Lawinenwarndienst. „Der Schneedeckenaufbau ist extrem labil, und Lawinen können ganz leicht ausgelöst werden.“

Auch die Skitourengeherstrecke auf den Zinkenkogel in Hallein/Bad Dürrnberg (Tennengau) ist offiziell gesperrt, betont die Stadtgemeinde Hallein. Dort gingen knapp unterhalb der Sessellift-Bergstation zwei Lawinen ab, von einer dritten sei bereits der Anriss zu sehen. Zudem stürzten Bäume um, der Liftbetrieb auf dem Zinkenkogel ruht.

Schneefall am Wochenende, Orkan Sonntagabend

Bei der Lawinenwarnkommission fürchtet man vor allem die Nacht von Sonntag auf Montag. Da wird erneut starker Schneefall und Wind in Orkanstärke erwartet - und damit auch wieder umgestürzte Bäume, Lawinen und Straßensperren. Die Experten raten Bewohnern in betroffenen Gebieten, Freitag und Samstag zur Bevorratung mit Lebensmitteln zu nutzen.

Landesweit sind am Freitag insgesamt 35 Schulen wegen des Schnees entweder geschlossen oder im Notbetrieb. Auch am Montag findet aus heutiger Sicht in 18 Schulen kein Unterreicht statt: Zum Beispiel im Werkschulheim Felbertal oder in den Neuen Mittelschulen Abtenau, Eugendorf und Henndorf. Aber auch in den Volkschulen Voglau, Rußbach, Plainfeld, Abtenau, Thalgau ist schneefrei - Liste alles Schulsperren in Salzburg.

350 Gäste verlassen Rudolfshütte

Insgesamt 350 Urlauber konnten am Freitag das in 2.315 Metern gelegene Alpinhotel Rudolfshütte bei Uttendorf (Pinzgau) verlassen. Die Weißsee-Seilbahn wurde für den Abtransport der Gäste wieder in Betrieb genommen. Auf dem Parkplatz der Seilbahn-Talstation warteten die Autos der Urlauber zusammen. Sie fuhren einzeln durch lawinengefährdetes Gebiet, sagte der Leiter der Lawinenwarnkommission Uttendorf, Hans Peter Untermoser: "Die Autos werden einzeln herausgeschickt, unterwegs sind immer wieder Posten. Wenn ein Abschnitt passiert ist, kann das nächste Fahrzeuge zum nächsten Abschnitt durchfahren. Von jedem Posten sehen wir auf den Berg hinauf - und wenn sich da irgendwas tun sollte, wird sofort gestoppt.

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