Alleinerziehende Mütter: Kaum sichtbare Armut

Alleinerziehende Mütter sind besonders gefährdet, in die Armut zu rutschen. Das bleibt oft unbemerkt, dabei steigt die Zahl der Betroffenen, sagt die Caritas. Etwa jede zehnte Alleinerziehende ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Österreichweit gibt es rund 300.000 Alleinerziehende - zum überwiegenden Großteil Frauen. Davon leben 15.000 in Salzburg. Jede Zehnte von ihnen ist von stiller Armut betroffen.

Sandra R. ist Alleinerzieherin der Zwillinge Philippa und Carlotta, die erst ein halbes Jahr alt sind, und des siebenjährigen Xaver. Auch wenn für Außenstehende die Mietwohnung schön wirken mag, die studierte Immobilienexpertin ist in die Armutsspirale gerutscht. Die Familie lebt von Karenz- und Kindergeld sowie von der Unterstützung von Freunden und Nachbarn. Für die Zwillinge sind die Alimente noch ausständig, weil der Vaterschaftstest noch fehlt. Zudem wird die Rheuma-Erkrankung der 39-Jährigen immer schlimmer. Ohne die Caritas-Familienhelferin könnte sie den Haushalt nicht mehr bewältigen.

Mutter Sandra Rigger mit Zwillingen

ORF

Eine Rheuma-Erkrankung, eine Scheidung und Zwillinge machten die 39-jährige Sandra R. zu einem Fall für die Caritas-Familienhilfe

Hilfe im Haushalt und Gespräche ganz wichtig

Caritas-Familienhelferin Elisabeth Edfeldner beschreibt ihre Aufgaben so: „Grundsätzlich einmal die Kinderbetreuung und die Haushaltsführung - aber auch die psychosoziale Begleitung. Gespräche sind oft ganz wichtig - gerade bei alleinerziehenden Müttern. Oft ist man ganz alleine und freut sich, dass man mit einer erwachsenen Person reden kann.“

„Wenn sie (Familienhelferin Elisabeth Edfeldner, Anm.) da ist, finde ich’s auf jeden Fall sehr nett, weil wenn sie nicht gerade der Mama helfen muss, dann kann sie mit mir draußen Fußball spielen oder Brettspiele machen“, sagt Sohn Xaver.

„Konnte mir nie vorstellen, bei Caritas anzuklopfen“

„Ich habe mir nie vorstellen können, irgendwann bei der Caritas anzuklopfen und um Hilfe zu bitten. Es ist auch schwer, für sich selbst einzugestehen: Ich brauche Hilfe“, schildert Sandra R. „Es geht aber schneller, als man denkt: Man schwimmt ganz lange oben auf der Welle, es geht einem ausgezeichnet, man hat genug von allem. Mir ging’s gut, dann kam die Krankheit, dann kommt die Scheidung, dann kommt die Geburt von Kindern. Dann ist auf einmal alles zu viel und man braucht einfach Hilfe.“

Die 39-Jährige ist aber auch zuversichtlich: „Viele Leute, die mir im Bekanntenkreis und der Nachbarschaft helfen, freuen sich, mit meinen Kindern sein zu dürfen. Ich glaube, das ist der wahre Reichtum am Geben und Nehmen.“

„Man muss immer jeden Cent umdrehen“

Ein anderer Fall: Die Alleinerzieherin Mihela M. sucht die Sozialberatung der Caritas auf. Sie wird mit Bekleidungsgutscheinen und auch finanziell unterstützt: „Ich habe eine sehr schwierige Trennung von meinem Ex-Mann gehabt. Die hat auch sehr lange gedauert. Ich habe Kinder von drei bis 19 Jahren - sechs Kinder insgesamt, vier leben noch zu Hause. Man muss wirklich immer jeden Cent umdrehen.“

Eine dritte Betroffene ist Silvana S., alleinerziehende Mutter einer elf Jahre alten Tochter. „Die Wohnung ist über dem Keller - das heißt, es ist relativ kalt von unten. Es gibt eine Stromheizung, die sehr teuer ist, und sie hat einen Holzofen, der nur einen sehr kleinen Raum heizen kann - aber nicht ausreichend durchgehend“, schildert Richard Gölzner von der Caritas-Sozialberatung. „Das heißt: Sie kommt auf Kosten von über 300 Euro pro Monat und hat ein Einkommen von etwa 600 Euro aus der Mindestsicherung. Damit kann sie eigentlich ihr Leben nicht bewältigen.“ Die 39-jährige S. muss mehr als 1.000 Euro für Strom nachzahlen. Die Caritas übernimmt einen Teil davon.

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