Sportgastein: Alte Berghäuser verfallen

Zwei historische Häuser aus der Pionierzeit des Goldbergbaus in Sportgastein bzw. im Nassfeld bei Bad Gastein (Pongau) verfallen und hätten längst saniert werden müssen. Sie wurden einst in der für die Hohen Tauern typischen Steinarchitektur gebaut.

Schwer beschädigte Berghäuser in Sportgastein bzw. Nassfelder Tal bei Böckstein / Bad Gastein

Gerald Lehner

Unteres der beiden Pionierzeit-Häuser im Gasteiner Nassfeld (Sportgastein)

Der Winter 2013/2014 hat einem der beiden Berghäuser oberhalb des Sportgastein-Parkplatzes in der Nähe des beliebten Gasthofes Valeriehaus extrem zugesetzt. Das Dach ist nun durch Schneelast und Sturm komplett zerstört. Das andere Haus ist auch nicht mehr gut beisammen, aber in etwas besserem Zustand - unter anderem, weil vor einiger Zeit schon ein behelfsmäßiges Dach gebaut wurde. Allerdings müssen auch hier die Zimmer- und Geschoßdecken bereits abgestützt werden. Dieses obere historische Berghaus gehört der Erzbergbau Radhausberg Gesellschaft im Bad Gasteiner Ortsteil Böckstein.

Roland Krenn ist deren Manager: „Das untere Haus ist komplett im Besitz der Gemeinde Bad Gastein. Und ein Fachmann hat uns vor einiger Zeit gesagt, eine Sanierung werde dort wohl nicht mehr möglich sein.“

In unteren Haus gab es bis in die 1970er-Jahre einen beliebten Berggasthof samt Unterkünften für Wanderer, Sommerfrischler und Bergsteiger. Pächter waren damals die Naturfreunde.

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Auf die Frage, ob es denn nicht eine Sünde sei, solche Häuser aus der Pionierzeit des Goldbergbaues so verfallen zu lassen, antwortet Manager Roland Krenn: „Natürlich ist es eine Sünde, aber wir werden nun schauen, dass wir wenigstens auf das zweite Haus auch ein behelfsmäßiges Dach draufbekommen. Wenn das Dach dicht ist, dann ist schon viel gewonnen.“

Rote Zone

Roland Krenn sieht Probleme für eine künftige Nutzung, weil ganz Sportgastein wegen der latenten bis manchmal akuten Lawinengefahr als rote Zone eingetragen sei. Nun soll in Gastein beraten werden, wie man weiter vorgeht. Die Gemeinde Bad Gastein ist an der Radhausberg Erzbergbau Gesellschaft mit 51 Prozent beteiligt.

Private haben kleinen Trakt gerettet

Die rote Zone gegen Lawingefahr ist die eine Seite bei dem Thema. Eine andere ist, dass ein bergseitig gelegener Trakt beim oberen Berghaus – das der Erzbergbau Radhausberg Geswerkschaft gehört – von Privatleuten seit Jahrzehnten in Eigeninitiative gut in Schuss gehalten wird. Es gibt neue Fenster und ein massives Schindeldach, das der Gasteiner Privatmann Karl Krenn und seine Frau Margit sowie eine Familie aus der Stadt Salzburg haben bauen lassen.

Schwer beschädigte Berghäuser in Sportgastein bzw. Nassfelder Tal bei Böckstein / Bad Gastein Familie Karl Krenn

Gerald Lehner

Pensionist und Hausbewohner Karl Krenn, nicht mit Roland Krenn von der Radhausberg Gesellschaft verwandt, und seine Frau Margit

„Es wurde Jahrzehnte geschlafen“

Der frühere ÖBB-Fahrdienstleiter Krenn ist nicht mit dem Manager Roland Krenn von der Radhausberg Erzbergbau Gesellschaft verwandt. Die Hausretter Krenn, die in Bad Gastein ihren Hauptwohnsitz haben, haben viel Geld in das alte Berghaus gesteckt. Sie haben keinen Nutzungsvertrag, dürfen aber das Gebäude nach Jahrzehnten über „ersessenes Recht“ bewohnen. Im Winter bei großer Lawinengefahr ist die Übernachtung allerdings verboten.

Bei einem ORF-Lokalaugenschein am Samstag vor Pfingsten hat Karl Krenn den Reporter herumgeführt. „Die Gemeinde Bad Gastein hat als Besitzerin des unteren Hauses und als Teilhaberin der Erzbergbau Radhausberg Gesellschaft seit Jahrzehnten geschlafen. Es ist sehr schade um die Häuser. Man könnte sie doch herrichten und nutzen, auch wenn sie nicht ganzjährig bewohnbar sind. Zum Beispiel für ein Nationalpark-, Alpinismus- oder Bergrettungsmuseum“, so Krenn: „Allerdings ist der untere Bau schon so kaputt, dass ein Baumeister gesagt hat, da ist nichts mehr zu machen. Ich finde aber, wenn man wirklich will, ließe sich das auch noch retten, weil das Mauerwerk ist noch intakt.“

Familie Rollwagen aus Wien

Gerald Lehner

Familie Rollwagen aus Wien

Urlaubsgäste „fassungslos“

Wenig später lernen wir zufällig auf dem Talboden in Sportgastein die Familie Rollwagen aus Wien kennen, treue Gastein-Fans, die immer wieder - nun auch mit zwei kleinen Söhnen - hier Urlaub machen.

Sein Vater sei Architekt, sagt der Jurist August Rollwagen, der auch als Bergläufer und Alpinist immer wieder gern nach Gastein kommt. In der ganzen Familie sei schon mehrfach über die beiden Berghäuser gesprochen worden: „Wir sind fassungslos, wenn wir das sehen. Im ganzen Tal findet man keine Architektur dieser Art mehr. Wir können es nicht glauben, dass man dem Verfall so lange zusieht. Das sind Relikte der alpinen Industriegeschichte.“

„Schaukraftwerk als positives Beispiel“

August Rollwagen ist ein Fan des alten Schaukraftwerkes der Erzbergbau Radhausberg Gesellschaft ganz in der Nähe, das als technisches Museum gut instandgehalten wird: „Hier gibt es ja auch eine gute Lösung, trotz der roten Lawinenzone in ganz Sportgastein.“

Und seine Frau Isabella-Donate Rollwagen - eine Stewardess, derzeit in Karenz - verweist auf die Probleme mit dem früheren Kongresshaus und den alten Hotels im Ortszentrum von Bad Gastein: „Hier wurde der Wiener Investor Duval wohl auch mit Recht von den Gasteinern heftig kritisiert. Aber gleichzeitig lässt es die Gemeinde zu, dass ihre eigenen Gebäude in Sportgastein so aussehen. Man könnte Schmuckstücke daraus machen. Sie sind einzigartig.“

Für die Rettung des ganzen Ensembles müsste wohl die öffentliche Hand tief in die Tasche greifen, sagen Fans der Bauten.

Bürgermeister für Abriss eines Hauses

Nun soll zumindest eines der historischen Berghäuser gerettet werden. Das wurde kurz vor Fronleichnam 2014 bekannt. Die Radhausberg Gesellschaft investiert Geld. Das zweite Haus,das der Gemeinde Bad Gastein gehört, soll laut Bürgermeister Gerhard Steinbauer (ÖVP) abgerissen werden. Mehr dazu in salzburg.ORF.at

Gerald Lehner, ORF Radio Salzburg

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