Kein Ticket-Verbund: Westbahn kritisiert ÖBB

Ab 11. Dezember bekommen die ÖBB zwischen Wien und Salzburg massive Konkurrenz durch die Firma Westbahn, die äußerst günstig anbieten will. Sie kritisiert die ÖBB, weil diese sich weigern, Tickets gegenseitig anzuerkennen.

Die Westbahn-Gesellschaft des Kärntner Bauunternehmers Hanspeter Haselsteiner wird die Städteverbindung mit eigenen Triebwagen bedienen. Man werde versuchen, durch eine Kombination von guten Services und ansprechenden Fahrplänen zu punkten, sagt Haselsteiner. Dem Vernehmen nach sei im Lauf des Jahres 2012 auch an die Einführung von Nachtzügen in beiden Richtungen gedacht - bisher eine Marktlücke.

ÖBB-Halbpreis als Normaltarif bei Westbahn

Haselsteiners Geschäftsführer Stefan Wehinger verweist auf eine grundlegende Strategie des Newcomers: „Wir orientieren uns prinzipiell am halben Preis der ÖBB. Was diese am Automaten als Halbpreis-Karte verkaufen, das ist unser Hauspreis für Erwachsene. Kinder bis 16 Jahre fahren bei uns prinzipiell frei - in Begleitung eines Erwachsenen.“

Wenn Kinder allein auf die Reise gehen müssen, was auch vorkomme, dann werde man aus statistischen Gründen einen symbolischen Euro als Fahrpreis zwischen Wien und Salzburg und umgekehrt verlangen, sagt Wehinger.

Computer-Grafik über neue Garnitur von WESTbahn

westbahn.at

Computergrafik über neue Garnituren, die zwischen Wien und Salzburg verkehren werden.

Kritik an ÖBB: „Leider kein Karten-Verbund“

Die ÖBB weisen die Kritik der Westbahn vehement zurück.

Im Vorfeld der Inbetriebnahme der neuen Verbindungen gibt es Kritik am Konkurrenten ÖBB, auf dessen Strecken gegen Entgelt auch die Privaten fahren. Die ÖBB seien bisher nicht bereit, eine gegenseitige Anerkennung der Fahrkarten zu akzeptieren, heißt es bei Westbahn. Bei der Deutschen Bahn sei das beispielsweise mit privaten Betreibern seit langem eine gute Praxis.

Die ÖBB weisen die Kritik am Mittwoch vehement zurück. „Es gibt ohnehin eine Plattform wo die Anerkennung der Tickets im jeweiligen Bundesland geregelt ist - konkret durch eine Mitgliedschaft im jeweiligen Verkehrsverbund. Hier kann ein Verkehrsunternehmen zu den gleichen Bedingungen, wie jeder andere Partner des Verbundes teilnehmen - natürlich mit allen Rechten und Pflichten. Alles darüber hinaus ist ein fairer Wettbewerb, wo allein der Kunde entscheidet, ob er mit den ÖBB oder einem anderen Unternehmen fährt“, sagt ÖBB-Sprecher René Zumtobel.