Fluglotsin schreibt auch Jugendbücher

Die Fluglotsin Judith Spörl auf dem Kontrollturm des Salzburg Airport ist auch Autorin und Ex-Privatpilotin. Sie schreibt Jugendbücher über das Segelfliegen. Als eine der wenigen Frauen macht sie Jugend- und Mädchenarbeit für Technik und Fliegerei.

Judith Spörl Fluglotsin
privat
Bei der Arbeit auf dem Kontrollturm in Salzburg

Noch immer sind 90 Prozent der Fluglotsen in Österreich Männer. Judith Spörl arbeitet seit acht Jahren in Salzburg, stammt eigentlich aus Hessen und hat lange in Ostfriesland gelebt. Auch auf großen Flughäfen in Deutschland war sie beruflich schon im Einsatz. Ihre Stimme auf dem Funk des Salzburger Kontrollturms kennen mittlerweile auch hier sehr viele Piloten - private und hauptberufliche der vielen Fluglinien. In Salzburg gibt es drei Lotsinnen neben 18 Männern. Gearbeitet wird unter dem Cheflotsen Walter Hager in kleinen Teams mit Schichtdiensten. Weil der Job große Aufmerksamkeit und auch gesetzlich vorgeschriebene Pausen erfordert, um größtmögliche Flugsicherheit zu gewährleisten.

Über den Wolken sei die Freiheit wohl grenzenlos, vermutet Reinhard Mey in seinem Song. Dass es da oben nicht ganz so idyllisch und grenzenlos zugeht, dafür sorgen viele Sicherheitsmaßnahmen. In Österreich heißt die Flugsicherungsbehörde Austro Control. Und deren Fluglotsen sorgen bundesweit – wie ihre Kollegen im nahen und fernen Ausland - dafür, dass keine Flieger zusammenstoßen oder abstürzen.

Schuhkarton und Lego als Gedankenmodelle

Wie können sich Laien die über Radarsysteme kontrollierte Flugsicherung und die staatlichen Lufträume vorstellen? Judith Spörl hat sich für solche Fragen ein anschauliches Modell zurechtgelegt, das auch Kinder verstehen:

„Eine Kontrollzone bei einem großen Flughafen ist wie ein Schuhkarton. Und der Tower-Lotse, der da sitzt, ist für alle Flugbewegungen in diesem Schuhkarton zuständig. Da landen und starten ja auch die großen Jets. In niedrigen Höhen um diese Kontrollzone herum, da können die Sport- und Hobbyflieger mit ihren viel kleineren Maschinen machen, was sie wollen. Da müssen sie nicht mit dem Lotsen funken. Aber alles, was innerhalb dieser Kontrollzone ist, muss mit dem Lotsen sprechen. Und der gibt sich Mühe, die Flugzeuge so zu ordnen, dass sie nicht zusammenstoßen.“

Bildergalerie:

Wenn die großen Jets dann weit über Land oder über Ozeane fliegen wollen, dann müssen sie natürlich sehr hoch hinaus, sagt Spörl: „Das ist dann wie ein Baukastensystem von Lego. Da ist ein Schuhkarton über dem nächsten, und die Bereiche werden immer größer und höher. Das macht nicht mehr der Lotse auf einem Kontrollturm. Die größeren und internationalen Lufträume machen die Lotsen, die mit Langstrecken- und Höhen-Radar arbeiten.“

Sendung nachhören:

Fluglotsin und Autorin Judith Spörl in Radio Salzburg im Gespräch mit ORF-Redakteur Gerald Lehner:

Viele Männer gehorchen ihren Anweisungen

Genießt sie es, wenn sie so viele Männer am anderen Ende ihres Funks hat, die als Piloten (es gibt auch in Cockpits noch immer nur sehr wenige Frauen) alle genau das tun und tun müssen, was Spörl sagt? Ja sicher! Das sei „total super“, schmunzelt die Fluglotsin: „Wenn aber zum Beispiel ein Flugschüler seine Probleme hat und nicht tut, was wir sagen, dann muss man sehr aufpassen. Dann rudert man drei Schritte zurück, schaufelt dem den Weg auf den Boden frei. Dann wird auch statt Englisch in Deutsch gefunkt, um Druck rauszunehmen. Da kommt dann Klartext: Mach jetzt das, da passiert dir nix. Ob ein Schüler sicher oder unsicher ist, entsprechend passt man auch die Stimme an. Man redet langsamer, sagt Sachen deutlicher. Man versucht den Schülern im Rahmen des Möglichen schon Freiräume zu geben, dass sie sicher und ruhig runterkommen.“

Bücher über die jugendliche Fliegerin Lena

„Zwei Jahre ist es jetzt her, da hat die 16-jährige Lena ihre Ausbildung zur Segelflug-Pilotin begonnen. Sie fühlt sich auf dem Flugplatz mittlerweile wie zu Hause. Da ist immer etwas los, und alle sind füreinander da ...“

So beginnt Judith Spörls bei „tredition“ in Hamburg neu erschienener Jugendroman mit dem Titel "Lena startet durch“. Es ist schon ihr zweites Buch für junge Leute. Das erste von 2016 heißt „Lena fliegt sich frei“ und schildert den Weg der 14-Jährigen zu ihrem ersten Alleinflug mit einem Segelflugzeug. Erste Alleinflüge sind für „Rookies“ (Anfänger) ein sachlich ernstes, psychisch einschneidendes und dann auch sehr befreiendes Tun. Die damit verbundene Gefühlswelt bleibt vielen Piloten bis ins hohe Alter in Erinnerung. Man wird dafür erst zugelassen, wenn Fluglehrer erkennen, dass die Zeit reif ist.

Segelfliegen als kostengünstiges Abenteuer

Autorin Spörl ist überzeugt, dass sich das - im Vergleich zum Motorflug sehr kostengünstige - Segelfliegen bei einem ehrenamtlich organisierten Flugsportverein für junge Leute besonders gut eignet. Es kann auch als Sprungbrett aus schwieriger Pubertät ins echte Leben der Erwachsenenwelt dienen. Mit viel positivem Lernen und Vorbildwirkung für die Entwicklung starker Persönlichkeiten, betont die Expertin:

„Mir ist schon wichtig, dass wir Mädchen künftig stärker zur Technik und zur Physik hinführen. Die Buben sind ja eh schon immer sehr dafür zu begeistern. Die Mädchen kommen oft gar nicht auf die Idee. Oder wie bei meiner Tochter, die hat lange gesagt, das Fliegen ist doof. Die Mädchen muss man schon deutlicher drauf hinstupsen, dass das nicht so dramatisch ist mit der Technik. Es macht eine Mordsgaudi, auch zu fliegen. Und auch die Mädchen fangen Feuer, wenn man sie gut motiviert und ihnen Selbstvertrauen gibt.“

„Lovestory und Teenager-Romanze“

Tochter Merle von Judith Spörl
privat
Spörls elfjährige Tochter Merle nach einem der ersten Schnupperflüge mit der Mama

In ihren Büchern verbindet Judith Spörl die rein technischen, physikalischen und fliegerischen Grundlagen in verständlicher Sprache mit dem, was Pubertierende bzw. Jugendliche auch sehr interessiert: „Da ist auch ein bisschen Lovestory und Teenager-Romanze. Das haben wir natürlich selbst auch alle erlebt in jungen Jahren. Mein Vater ist auch Pilot, und er hat mich damals zu einem Segelflugverein in Franken gebracht. Meine Tochter ist von meinen Büchern sehr begeistert. Und ich war wiederum begeistert, als ich sie dann zum ersten Mal auf einen Segelflugplatz mitgenommen habe.“

Eigene Tochter schnuppert schon rein

Das Kind habe dann von sich aus die verschiedenen Flugzeugtypen identifizieren können: „Für die Ausbildung ist sie noch ein bisschen zu jung. Sie ist elf. Und da sind keine Kinder in ihrem Alter. In Deutschland kannst du mit 14 mit der Ausbildung anfangen. Dann gibt es dort ja auch andere in dem Alter, und es geht auch los mit den Cliquen. Schauen wir mal, ob sie dann noch zieht.“

Judith Spörl Lena fliegt sich frei Lena startet durch
Gerald Lehner
Die beiden bisher erschienen Jugendbücher von Judith Spörl über Segelflug

Von einer 24-Stunden-Totalüberwachung der Kinder über Smartphone-Apps hält die Fluglotsin nichts. Sie plädiert für mehr Freiheiten. Fürchtet sie sich nicht, wenn ihre Tochter dann eines Tages zum ersten Alleinflug in den Segelflieger steigt?

„Natürlich ist man ein bisschen nervös als Mutter. Das ist klar. Man fragt sich ja auch, wenn das Kind in die Schule kommt, na, wird sie den Schulweg auch gut überstehen? Aber man muss Kinder auch irgendwann loslassen. Wir erwachsenen Helikopter-Eltern müssen auch wieder lernen, loszulassen und den Kindern etwas zuzutrauen. Man hat uns ja früher auch etwas zugetraut.“

Gerald Lehner, ORF Radio Salzburg

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