Burg Mauterndorf bald 800 Jahre alt

Unsere Suche nach den 119 schönsten Plätzen Salzburgs führt uns diese Woche in den Lungau zur Burg Mauterndorf. Sie „bewacht“ seit Jahrhunderten den Weg zum und vom Tauernpass und die Route nach Kärnten, Italien und Slowenien.

Mauterndorf ist die älteste Marktgemeinde im Bundesland Salzburg. Die Mauteinnahmen seit ziemlich genau tausend Jahren haben beim Aufstieg eine wichtige Rolle gespielt. Die ersten urkundliche Erwähnung der Burg geschah vor 760 Jahren. Erst etwa 200 Jahre später wurde der ursprünglich kleinere Bau zur massiven Festung ausgebaut.

Burg Mauterndorf Lungau

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Christophorus-Fresko im Innenhof. Übermannshohe Darstellungen dieser Art sollten auch den Pilgern spirituellen Schutz bieten, die im transalpinen Fernverkehr in Richtung Friaul, Venedig und Rom unterwegs waren - meistens zu Fuß oder auf Rössern. Solche Fresken gibt es auch in Tirol und Südtirol

Die Rübe des Erzbischofs

Den Ausbau der Burg verdanken die Mauterndorfer einem gebürtigen Kärntner - dem Salzburger Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach. Dessen Wappenzeichen war die Rübe. Sie ist in der ganzen Burg bis heute an vielen Stellen zu sehen, sagt Burgverwalterin Ingeborg Stolz: „Er hat die Burg liebgewonnen und für sich eigene Räume einrichten lassen. Die bestehen bis heute noch und können besichtigt werden.“

Leonhard von Keutschach - Gemälde auf Burg Mauterndorf

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Leonhard von Keutschach (1442 - 1519) befahl den massiven Ausbau. Historisches Raster: In seine Lebenszeit fiel auch die „Entdeckung“ Amerikas durch spanische Schiffsbesatzungen (ab 1492). 1495 wurde der Kärntner zum Salzburger Erzbischof auserwählt

Keutschach war Mitbegründer und Förderer des Goldbergbaues in Gastein (Pongau) und Rauris (Pinzgau), bedeutender Geschäftsmann mit europäischen Kontakten, kirchlicher Fürst und radikaler Antisemit, der die Synagogen der Landeshauptstadt und von Hallein (Tennengau) zerstören und Salzburgs Juden vertreiben ließ.

Ab 1816 dem Verfall preisgegeben

Im Lauf der Jahrhunderte hat die Burg Mauterndorf ihre strategische und zolltechnische Bedeutung im Südosten des Landes Salzburg an der Grenze zu Kärnten bzw. Österreich verloren.

Hermann Göring Kriegsverbrecher Gewaltherrscher Nationalsozialist

Salzburger Stadtarchiv / Franz Krieger

In Mauterndorf und weit darüber hinaus gibt es noch immer eine Debatte über den Schlossherrn, Hitlers Stellvertreter, Oberbefehlshaber der „Deutschen Luftwaffe“ und „Reichsjägermeister“ Hermann Göring und seine Rolle als „Ehrenbürger“ der Gemeinde. Die Salzburger Historikerin Susanne Rolinek schrieb dazu ein Kapitel im zeithistorischen Reiseführer „Im Schatten der Mozartkugel“ - erschienen im Czernin-Verlag.

Spätestens mit dem Anschluss Salzburgs an Österreich nach den Napoleonischen Kriegen begann ab 1816 der Niedergang, so Burgverwalterin Stolz: „Die Burg fiel dann an den Staat und wurde dem Verfall preisgegeben. Sie war dann eine Ruine und wurde erst 1894 von einem wirklich betuchten Mäzen gekauft und zu dem ausgebaut, was sie heute ist.“

Dieser Mäzen hat sie schließlich an den nationalsozialistischen Gewaltherrscher und 1946 als Kriegsverbrecher verurteilten Hermann Göring vererbt.

Görings Schatten

Der preußische Feldmarschall raubte sich im „Dritten Reich“ - in Deutschland ab 1933 und im „angeschlossenen“ Österreich ab 1938 - viele Schlösser und Kunstwerke zusammen. Er soll aber seinen Lungauer Besitz bzw. dieses Erbe nicht ins Grundbuch eintragen haben lassen. Offizieller Eigentümer sei er deshalb nie gewesen, sagen Mauterndorfer.

Ende der 1960er-Jahre übernahm schließlich das Land Salzburg die Burg. Heute ist sie nicht nur Wahrzeichen und Museum. Sie ist auch Schauplatz eines jährlichen Mittelalterfestes, erzählt Gerhard Mauser vom Burgmuseum: „Es ist die Freude, wieder in die eigene Kindheit einzutauchen. Wir dürfen da wieder ein bisschen Kind sein und dieses Mittelalter durchspielen.“

Für die Mauterndorfer ist ihre Burg bis heute ihr größter Schatz. Das könnte auch noch ein paar hundert Jahre lang so bleiben, sollten auf dem Gemeindegebiet nicht noch viel Gold, Silber, Diamanten oder Erdöl gefunden werden.

Atem der Regionalgeschichte

ORF-Redakteur Andreas Landrock hat die Burg Mauterndorf für diese TV-Reportage erkundet.

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