Blick zurück auf spektakuläre Kriminalfälle
Manfred Dürager war bis zum Jahr 2000 Chef der Kriminalabteilung der Salzburger Gendarmerie. 2006 übergab er seine Unterlagen seinem oberösterreichischen Kollegen Manfred Schmidbauer, 2007 starb Dürager mit 67 Jahren an einem Gehirnschlag.

Landespolizeikommando OÖ
Manfred Dürager war jahrelang Leiter der Kriminalabteilung Salzburg
„Fälle, die unter die Haut gehen“
Schmidbauer machte aus den Unterlagen Düragers ein Buch: Darin schildert er 19 Kriminalfälle aus Salzburg - von Mord, Raubüberfall, Attentat, Geiselnahme, Diebstahl bis hin zu Familientragödien und Wilderei. Das Spektrum der Fälle ist groß: „Es sind eine ganze Reihe von Fällen, die unter die Haut gehen“, sagt Manfred Schmidbauer.
Dürager war auch nicht verlegen um unkonventionelle Methoden, schildert der Buchautor: „Es war oft so im Suchtgiftgeschäft, dass Suchtgifthändler ein Vorzeigegeld sehen wollten. Dann waren sie eigentlich sicher: Das kann kein Polizist als Scheinkäufer sein, weil die haben nicht soviel Geld.“ Manfred Dürager lieh sich das Geld für den Suchtgift-Einsatz deshalb vorübergehend privat von seiner Bank: „Er hat dort eine Million Schilling als Vorzeigegeld dort abgeholt - nur um des kriminalistischen Erfolges willen. Die türkische Bande ist dann verhaftet und vier Kilo Heroin sind sichergestellt worden.“
Buchhinweis
Manfred Schmidbauer: Verbrecherjagd. Kriminalisten im Einsatz. Ranshofen: Edition Innsalz, 256 Seiten, 18 Euro
Erste Lucona-Anzeige bearbeitet
Manfred Dürager gilt auch als Enthüller des Kriminalfalles um das Schiff Lucona - versenkt im Auftrag des Geschäftsmannes Udo Proksch. Der 200-Millionen-Schilling-Versicherungsbetrug und sechsfache Mord wurde zum Politikum: „Wenige wissen, dass eigentlich im Jahr 1983 die erste Anzeige bei der Kriminalabteilung in Salzburg gemacht worden ist. Trotz aller Interventionen haben sie diese Anzeige fertiggestellt. Diese Anzeige ist eigentlich jene, die den Stein ins Rollen gebracht hat - er war auf der richtigen Spur, aber einer der wenigen.“
Jede Zeile sei wahr, versichert der Autor: „Es sind Tatsachenberichte, so ist es wirklich geschehen, wie es da drinnensteht und die Aufklärung dauert auch etwas länger.“
Nichts über Fehler bei Peter Heidegger
Kritische Salzburger Kriminalfälle wie der Mord an der Taxifahrerin Claudia Deubler, für den Peter Heidegger acht Jahre unschuldig im Gefängnis saß, sind allerdings ausgespart: „Über diese Heidegger-Geschichte steht auch nichts drinnen in den Aufzeichnungen von Manfred Dürager.“ Er hat über diesen großen Fehler offenbar keine Unterlagen gesammelt. Eines ist sich Schmidbauer aber trotzdem sicher: „Manfred war ein Kriminalist der Sonderklasse. Er hat sicherlich verdient, dass man ihn posthum vor den Vorhang holt.“
Polizist ohne laute Töne
Einer der Nachfolger Düragers, Josef Holzberger, stellvertretender Leiter des Salzburger Landeskriminalamtes ging diese Woche in Pension. Er scheute stets die lauten Töne und galt als besonders geschickter Verhandler in heiklen Fällen. 41 Jahre arbeitete der Ermittler bei der Salzburger Polizei - zuletzt als stellvertretender Leiter des Landeskriminalamtes.

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Jetzt ist Holzbergers Büro ziemlich leer. „Es ist schon eine große Freude da. Allerdings habe ich in der Früh schon gemerkt - bei der Verabschiedung ist schon der Knödel im Hals gewesen. Nach 41 Jahren im Polizeidienst, davon 36 Jahre als ‚Kieberer‘ - das ist eine lange Zeit. Man hängt schon an seinem Beruf.“

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Josef Holzberger 1978 auf Streife
Der gebürtige Niederösterreicher Holzberger begann seine Polizeikarriere als einfacher Polizist in der Salzburger Rathauswachstube. Später wurde Holzberger stellvertretender Leiter im Landeskriminalamt. Außerdem war er Chefverhandler in Krisenfällen.
Keiner ist „nur böse oder nur gut“
Gelernt hat er: Absolut böse ist niemand. „Es gibt keinen Menschen, der nur böse oder nur gut ist. Auch bei diesen Leuten gibt es Seiten, wo sie empfänglich sind, wo sie gut sind. Sie haben es oft aus irgendwelchen Gründen nicht geschafft - aber es gibt immer wieder einen guten Kern.“
Holzberger leitete viele große Ermittlungen - etwa die erfolgreiche Jagd nach einem Serienbrandstifter der 1990er-Jahre. Oder die Baby-Entführung im Europark in Salzburg-Taxham vor zwei Jahren. „Insbesondere, wenn es um Kinder geht, besonders schlimme Leichen oder besonders gewalttätige Kriminalfälle - die beschäftigen einen dann doch noch eine Weile nachher“, sagt der Polizist, „Wenn man dann zu Bett geht, Zeit hat, nicht mehr mittendrin in dem Fall steckt und ein bisschen nachdenkt drüber, dann beschäftigt das einen schon. Da braucht es manchmal, dass man den nötigen Abstand gewinnt.“
Sendungshinweise
„Salzburg heute“, 28.6.2012
„Guten Morgen Salzburg“, 28.6.2012
Zur Pensionierung wurde Josef Holzberger noch offiziell verabschiedet. Jetzt will er mehr Zeit mit Sport verbringen, viel fotografieren und sich ganz der Familie widmen.
Publiziert am 29.06.2012

