Fast vergessenes Kurbad in Fusch
Drei noble Hotels, die sich um elf Heilquellen gruppierten, dazu ein Badeteich, ein Tennisplatz, eine Kegelbahn, Wege zum Flanieren und sogar ein Postamt – und das alles in der Abgeschiedenheit auf einer Seehöhe von 1.200 Metern.

Wolfgang Bauer / ORF
Ehemalige Kuranstalt in Bad Fusch
Um das Jahr 1900 erlebte Bad Fusch, etwa 350 Höhenmeter oberhalb von Fusch an der Glocknerstraße gelegen, seine Blütezeit. Heute befindet sich dort eine moderne Kneippanlage, doch auch die verfallenen Anlagen sind ein beliebtes Ausflugsziel.
Start bei Embach-Kapelle
Ausgangspunkt unserer Wanderung ist die Embach-Kapelle zwischen Fusch an der Glocknerstraße und Ferleiten. Von dort führt ein gut markierter Weg in etwas mehr als einer Stunde in den einst noblen Kurort Bad Fusch, wobei etwa 350 Höhenmeter zu überwinden sind.
Dieser Weg war auch seinerzeit der Zubringer für die Kurgäste, manche von ihnen ließen sich mit Hilfe eines Tragesessels nach oben befördern. Die heute bestehende schmale Fahrstraße wurde 1893 errichtet, sie dient als bequemer Rückweg.
Einst drei noble Hotels
Oben, auf einer Seehöhe von fast 1.200 Metern, fällt einem zunächst ein riesiges Gebäude neben einer dem heiligen Wolfgang geweihten Kirche auf – es ist eines von drei Hotels, die in der Blütezeit um 1900 etwa 1.500 Kurgäste jährlich beherbergen konnten. Darunter bekannte Künstler wie Hugo von Hofmannsthal, Josef Strauß, Friedrich Loos. Viele kamen nach einer Kur in Badgastein zu einer Art Nachkur nach Bad Fusch, das eine perfekte Infrastruktur aufzuweisen hatte: Elf Trinkquellen, einen Badeteich mit vorgewärmtem Wasser, einen Tennisplatz, eine Kegelbahn und dgl. mehr.

Wolfgang Bauer / ORF
Ehemaliges „Bauernbadl“
Das Bad in der Fusch war jedoch bereits seit dem 15. Jahrhundert bekannt, es diente als Bauernbadl, wurde also von Bauern aus dem Oberpinzgau aufgesucht. Sie benötigten eine Stärkung, da sie in der damals noch versumpften Region des Oberpinzgaues häufig an Wechselfieber litten. Die Kur für die landwirtschaftliche Bevölkerung verlief recht einfach und bescheiden, neben regelmäßigen Bädern in dem geheizten Wasser bestand sie aus dem Trinken des Gebirgswassers. Die Nahrung für eine Kur im Bauernbadl wurde selbst mitgebracht und zubereitet.
Fürsterzbischof Friedrich Schwarzenberg ließ sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beim ehemaligen Bauernbadl ein Wohnhaus errichten, unternahm von dort aus zahlreiche Bergtouren und empfing Persönlichkeiten aus Kirche und Politik, wodurch der Ort immer bekannter wurde. Auch Maler der Romantik entdeckten den aufstrebenden Kurort, der um 1900 seine Blütezeit erlebte.
Nach dem Ersten Weltkrieg setzte jedoch der Niedergang ein. Andere Kurorte, die leichter und bequemer erreichbar waren, wurden immer populärer, die Besitzer der Hotels wechselten. Es gab Brände.
Moderne Kneippanlage
Seit 2010 knüpft man allerdings wieder an die wasserreiche Vergangenheit an – eine moderne Kneippanlage mit mehreren Anwendungsbereichen und einer Aussichtsplattform belebt den einstigen Kurort wieder.
Publiziert am 29.09.2012

