Dem „Wolfspirit“ auf der Spur

ORF
Gudrun Pflüger lebte in der kanadischen Wildnis
Sie ist Wildbiologin, lebte viele Jahre lang in der kanadischen Wildnis, folgte dort den Spuren der Küstenwölfe und sorgte weltweit für eine Sensation, als sie einen ganzen Nachmittag mit einem Wolfsrudel verbrachte. Nun hat Gudrun Pflüger ihre Geschichte über die Wölfe und die Wunder, die sie erlebte, in einem Buch niedergeschrieben. Das Buch heißt „Wolfspirit“ - es geht um Wildniserfahrungen und Abenteuer, aber vor allem um das Überleben ihr eigenes Überleben.
Gehirntumor 2005 „ein ‚Bang‘ in meinem Leben“
Vor sieben Jahren wurde bei Gudrun Pflüger ein aggressiver Gehirntumor festgestellt. Man gab ihr nur noch eineinhalb Jahre Lebenszeit. Zum Zeitpunkt vor der Diagnose war ihr Leben nahezu perfekt. Sie hatte großen Erfolg mit ihrer Forschungsarbeit über das Wesen der Wölfe und fühlte sich in Kanada zu Hause.
Die Krebs-Diagnose kam überraschend: „Das war ein ‚Bang‘ in meinem Leben. Ich war total unvorbereitet, habe nur zwei Wochen vorher Kopfweh gehabt - und Kopfweh kann ja viele Ursachen haben. Innerhalb von kürzester Zeit ist mein Leben zusammengefallen“, erinnert sich Gudrun Pflüger.
Aus Verhalten der Wölfe Kraft geschöpft
Pflüger nahm mit allen Mitteln der modernen Medizin den Kampf gegen den Tumor auf. Schlussendlich war es für die ehemalige Weltmeisterin im Berglauf aber das Verhalten der Wölfe, aus dem sie ihre Kraft schöpfte. Das gab ihr den Lebensmut und das Urvertrauen wieder zurück.
Sendungshinweis
„Radio Salzburg Cafe“, 9.9.2012
„Ich habe so oft erkannt, wie sie ihr Leben und ihr Überleben gestalten. Da waren so viele Parallelen zu meinem Leben. Ich bin eine Person mit Ausdauercharakter. Ich bin auch vom Spitzensport gewohnt, dass der Erfolg nicht um die Ecke liegt, dass man nie aufgeben soll und darf. Und Wölfe zeigen sich dir nur, wenn sie dir etwas mitteilen wollen. Es war so ein Schlüsselsatz für mich: Da ist noch was dahinter - das kann’s jetzt nicht gewesen sein. Und ich habe eine so unbändige Liebe zu meinem Leben und auch meiner Arbeit.“
Wolfsrudel heulte zu 9/11
Gudrun Pflüger beschreibt in ihrem Buch viele Zufälle, die sie von einem Lebensabschnitt zum nächsten geführt haben. Und Begebenheiten, die ihr bewusst machten, dass viele Dinge im Leben einen Zusammenhang haben, den man im Moment vielleicht noch gar nicht erkennt.
So übernachtete sie zum Beispiel einmal auf einem Baum, um Wölfe zu beobachten. Es kam dann nicht nur einer, sondern viele. Alle begannen ganz laut und unheimlich zu heulen: „Ich bin in einer riesigen alten Zeder gesessen - in der Hoffnung, dass ich die Wölfe beim Fischen beobachten kann. Ich habe sie nicht gesehen, aber ich habe noch nie so ein Heulen gehört über das ganze Tal. Das hat mir einen Schauder über den Rücken gejagt. Erst später, als ich mit dem Boot auf die Nachbarinsel nach Hause gefahren bin, habe ich erfahren, dass genau in dieser Zeit eigentlich eine Weltanschauung zusammengebrochen ist.“ Denn genau in diesen Minuten am 11. September 2001 krachte das erste Flugzeug ins World Trade Center.
Buchhinweis
Gudrun Pflüger: Wolfspirit - Meine Geschichte von Wölfen und Wundern. Patmos Verlag, 248 Seiten, 19,99 Euro.
Wölfe sind „sehr feinfühlige Tiere“
Die kanadischen Indianer hatten dafür eine einfache Erklärung: „Für sie ist der Wolf das Tier, das zwischen den Welten wandern kann - auch zwischen den Zeiten. Man wird sehr sehr offen für diese Sachen, wenn man lange in der Wildnis ist. Da ist mehr daran als dass das nur Märchen sind. Das sind sehr feinfühlige Tiere - und wer weiß, warum das genau in diesem Moment passiert ist.“
Ab Montag ist Gudrun Pflügers Buch im Handel erhältlich. Am Freitag, dem 14. September, gibt es im Zoo Salzburg vor dem Wolfsgehege eine kleine Lesung mit der Autorin - der Eintritt dazu ist frei.
Link:
- Universum: Allein unter Wölfen (programm.ORF.at, 25.3.2010)
Publiziert am 08.09.2012

