Hexenprozessen auf der Spur

Unser Radio Salzburg Ausflugstipp führt diesmal in den Lungau: Ein neu errichteter Themenweg im Lungau präsentiert am Passeggen bei St.Andrä die schaurige Geschichte der Hexenprozesse früherer Jahrhunderte.

Das Pfleggericht Moosham im Lungau war zu Beginn der Neuzeit eines von mehreren Gerichten in Salzburg, in denen unschuldige Menschen gefangen gehalten, verhört, gefoltert und zu Tode verurteilt wurden. Rund 40 Personen mussten dort ihr Leben lassen, weil sie für Hexen oder Zauberer gehalten wurden. Dutzende andere Delinquenten wie Diebe und Räuber mussten ebenfalls Ihr Leben lassen.

Schaurige Orte

Die zum Pfleggericht Moosham gehörende Richtstätte befand sich am so genannten Passeggen zwischen St. Andrä und Tamsweg. Wo heute dichter Wald ist, befanden sich einst so schaurige Plätze wie der Galgen oder die Brandstätte. Diese historischen Plätze blieben über Jahrhunderte relativ unverändert, was einzigartig ist in Europa. Dort hat man nun einen Themenweg errichtet, der die düstere Geschichte des Hexenwahns aufarbeitet. Es ist auch ein Weg des Gedenkens an die Opfer jener Gerichtsbarkeit.

Der Galgenplatz am Richtstättenweg Passeggen

ORF/W.Bauer

An diesem Platz stand einst der Galgen, mit dem die Delinquenten hingerichtet wurden.

Zauberer Jackl

Viele dieser Opfer standen im Verdacht zum Gefolge des Zauberers Jackl zu gehören. Jakob Tischler (anderen Quellen zufolge hieß er Koller), ein gebürtiger Lungauer, lebte im 17. Jahrhundert und bestritt seinen Lebensunterhalt vor allem durch Bettelei und Opferstockdiebstähle. Er selbst konnte sich der Verhaftung immer entziehen, jedoch wurden zahlreiche vermeintliche Komplizen, darunter viele Kinder, durch Folter gezwungen verschiedene Freveltaten zu gestehen. Insgesamt mussten 133 Personen ihr Leben lassen, wodurch der Zauberer-Jackl-Prozess zum größten Hexenprozess der Salzburger Landesgeschichte wurde.

Sendungshinweis: „Radio Salzburg Cafe“, Sendung vom 8. Juli 2012

Der Hexenwahn der frühen Neuzeit

Bis ins Mittelalter waren Hexen und Zauberer eher ein Randphänomen. Doch ab dem 15. Jahrhundert wurden Naturkatastrophen, Seuchen, heftige Unwetter oder Missernten immer häufiger dem Schadenszauber bestimmter Personen zugeschrieben. Diese wurden ausgeforscht, verhaftet und verhört, wobei sie unter Folter die abenteuerlichsten Unterstellungen zugegeben haben, etwa dass sie durch die Luft fliegen oder sich in Werwölfe verwandeln können. Das daraus resultierende Urteil, die Todesstrafe, wurde im Lungau am Passeggen vollstreckt.

Der Mittelalter-Experte Peter Klammer am Richtstättenweg Passeggen

ORF/W.Bauer

Der Hauptschul-Lehrer und Mittelalter-Experte Peter Klammer hat den Richtstättenweg maßgeblich mitgestaltet.

Themenweg mit informativen Schautafeln

Der Richtstättenweg Passeggen zeigt auch, dass das Funktionieren dieser Gerichtsbarkeit auch bestimmter Personen und Berufsgruppen wie Schergen und Scharfrichter bedurfte. Für den gut angelegten Weg mit informativen Schautafeln sollte man etwa zwei Stunden veranschlagen.

Schautafel am Richtstättenweg Passeggen

ORF/W.Bauer

Schautafeln informieren die Besucher unter anderem über viele Einzelschicksale von Verfolgung betroffener Menschen.