Anarchie im preisgekrönten Kinderbuch
Gute Kinderbücher haben einen fixen Platz im Programm des Literaturfestivals - und so kommt der Wiener Michael Stavaric am 31. Mai um 10.00 Uhr ins Salzburger Toi-Haus Tehater, um dort mit Volksschülern eine Stunde lang zu rätseln, zu spielen und zu lesen.
Sendungshinweis
„Unterwegs in Salzburg“, 21.5.2012
Mit dabei hat Stavaric sein aktuelles Buch „Hier gibt es Löwen“, das heuer mit dem Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jungendliteratur ausgezeichnet wurde.
Ein Körper wird bemalt
Der Titel ist eigentlich irreführend, denn es geht in diesem Buch gar nicht um Löwen oder um Tiere, sondern es um den menschlichen Körper. Ein gewisser Leopold beschließt, sich seinen ganzen Körper bemalen zu lassen - von einem italienischen Verzierer namens Antonio. Für jeden Körperteil hat er eine ganz bestimmte Vorstellung: „Unter den Achseln will der Mann zwei Weltraumkapseln: Ein Astronaut rechts und ein Kosmonaut links. Antonio beginnt’s.“

Residenz Verlag
Wenn sich der Herr Leopold ein Körperteil nach dem anderen anmalen lässt, wird einem beim Lesen fast ein bisschen unbehaglich zumute. Insgeheim hofft man, dass es nur Bilder und keine Tätowierungen sind: Immerhin wünscht sich der Mann für seinen Po einen ganzen Zoo und am Oberschenkel hat er bald Totenköpfe mit Zöpfen.
Ansammlung von Reimen und Wortspielen
Kinder machen sich diese Sorgen beim Lesen vermutlich nicht. Für sie ist die Geschichte vor allem eine Erforschung des menschlichen Körpers - und eine Ansammlung von Reimen und Wortspielen: „Am Hinterkopf einen Wiedehopf, auf die Ohren zwei Traktoren, an die Stirn eine Birn, auf die Nase eine Vase - ohne Blumen drin.“
Buchhinweis
Michael Stavaric: Hier gibt es Löwen. Residenz Verlag, 32 Seiten, 14,90 Euro.
„Hier gibt es Löwen“ ist ein ziemlich verrücktes Kinderbuch für Kinder im Volksschulalter. Ein chaotisches und anarchisches Buch - und ein einprägsames Buch. In dem Buch gibt es viel zu sehen, es beinhaltet auch eine kleine Liebesgeschichte.
Der Autor Michael Stavaric ist 40 Jahre alt und hat in den vergangenen fünf Jahren nicht weniger als sechs renommierte Preise für seine Kinderbücher bekommen. Sein Name ist mittlerweile zum Markenzeichen geworden für nonkonformistische Kinderliteratur aus Österreich.
Publiziert am 21.05.2012

