Was tun gegen nicht heilende Wunden?

In ganz Österreich gibt es 250.000 Menschen, deren Wunden schlecht oder gar nicht heilen. Bei einigen brechen auch Narben immer wieder auf. Bei einer Fachtagung in Salzburg haben Experten beraten, wie man die Volkskrankheit besser bekämpfen könnte.

Das Thema werde auch in der Medizin häufig unterschätzt, heißt es bei „Salzburger Wundtagen“, die im Wirtschaftsförderungsinstitut veranstaltet wurden. Dabei wurde auch ein besonders Fallbeispiel vorgestellt, ein Patient aus der Steiermark, der seit 20 Jahren an einem „offenen Bein“ leidet, einem Hautgeschwür am Unterschenkel, das laut Experten nicht mehr heilbar ist.

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Venenschäden und Durchblutungsmangel sind die Ursachen. Solche Wunden gelten als chronisch und nicht mehr heilbar, schildert der Gefäßchirurg Christoph Zölß: „Es wurden bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die die moderne Wundtherapie bietet. Der Patient hat viele Resistenzen gegen Medikamente. Das Wesentliche ist die mechanische Reinigung, um die Wunde sauber zu bekommen. So kann man den Heilungsprozess anregen.“

Kein Einzelfall

Der Grazer Chirurg sieht jeden Tag bis zu 15 Patienten mit ähnlich schweren Wunden. Eine häufige Ursache sind Systemerkrankungen wie Diabetes, sagt der Lymphologe Renato Kasseroller aus Bad Vigaun (Tennengau): „Bei Diabetes ist die ganze Gefäßsituation verändert. Dadurch wird auch die Haut schlecht ernährt und versorgt. Dadurch gehören Hautzellen kaputt, und es entstehen offene Stellen.“

Selbst kleine Verletzungen gehören entsprechend behandelt, um nicht zu chronischen Wunden zu führen. Wenn eine offene Stelle länger als acht Wochen nicht heilt, spricht man von einer chronischen Wunde, die medizinisch gut versorgt werden sollte.

Aus kleinen Wunden können Katastrophen werden

Viele Patienten würden nicht rechtzeitig zum Arzt gehen, sagt die „Wundmanagerin“ Sonja Koller aus Melk: „Sie schämen sich für solche Wunden und isolieren sich. Manche Wunden riechen auch. Deshalb sind die Wege so lang, bis Patienten zum Arzt gehen.“

Und Gefäßchirurg Zölß ergänzt, je früher man dran sei, umso größer seien die Chancen: „Es gibt auch Systemerkrankungen, die so weit fortgeschritten sind, dass sie niemals mehr abheilen. Wir können nur den Patienten dann die Lebensqualität verbessern.“

Mit dem Kongress der „Wundtage“ will man mehr Aufmerksamkeit für das in der Medizin vernachlässigte Thema wecken, um den Menschen viel Leid zu ersparen, wenn sie gewarnt sind und frühzeitig handeln können.

ORF-Redakteurin Ulli Wolf hat die Salzburger „Wundtage“ besucht, um diesen TV-Bericht zu gestalten