Große Karriere als Arzt in Amerika

Der 46-jährige Arzt und Wissenschafter Peter Nagele, der in Salzburg aufgewachsen ist, in Innsbruck studiert hat und seit Jahren in St. Louis (US-Staat Missouri) arbeitet, wird neuer Chef der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Chicago (Illinois).

Wie die in Rankings stets unter den international führenden Hochschulen rangierende Uni von Chicago nun offiziell mitteilte, wird der Spezialist für Trauma-Anästhesiologie- Not- und Unfallmedizin seinen neuen Job am 1. März antreten. Peter Nagele war bisher in Forschung und Lehre an der George Washington University School of Medicine in St. Louis tätig.

Peter Nagele

publichealth.wustl.edu

Nagele engagierte sich schon früh als Ehrenamtler im Unfalldienst

„Start beim Salzburger Roten Kreuz“

„Ich fühle mich nach vielen Jahren im Ausland noch immer auch als Salzburger. Ein großer Teil meiner Familie lebt in Wals und in der Stadt“, sagte Nagele am Donnerstag dem ORF, der ihn in St. Louis erreichte. Der Wissenschafter fügte schmunzelnd an: „Meine medizinische `Karriere` hat als 16-jähriger Schüler beim Salzburger Roten Kreuz im Jahr 1987 begonnen. Ich war dort als freiwilliger Sanitäter zehn Jahre lang aktiv im Einsatz und bin dem Roten Kreuz noch immer eng verbunden.“

Geboren im Innviertel

Die University of Chicago, die laut Nobelpreisstiftung 18 Nobelpreisträger hervorgebracht hat, bezeichnet Nagele als „Autorität auf dem Gebiet der perioperativen Pharmakogenomik“, in dem der Einfluss der Erbanlagen auf die Wirkung von Arzneimitteln und Therapien untersucht wird. Nagele, geboren am 29. April 1971 in Ried im Innkreis (OÖ), wuchs als Sohn eines Offiziers des Bundesheeres in Salzburg auf, absolvierte hier seine Schulzeit, studierte Medizin in Innsbruck und vollendete seine Facharztausbildung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Wiener AKH.

Viele wissenschaftliche Publikationen

Mit einem Erwin Schrödinger-Stipendium ging der ehrenamtlich auch dem Bundesheer dienende Milizoffizier im Jahr 2000 für zwei Jahre an die George Washington University in St. Louis, wohin er nach Abschluss seiner Ausbildung wieder zurückkehrte. An einer eigenen Abteilung ist er dort derzeit Chef der Trauma-Anästhesie und Associate Professor für Anästhesie und Genetik.

„Lachgas wirkt gegen schwere Depressionen“

Nagele hat in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten publiziert und hoch dotierte Förderungen der NIH (National Institutes of Health) erhalten. So hat er u.a. herausgefunden, dass mit Hilfe spezieller Biomarker - bei Patienten, die Operationen durchgemacht haben - drohende Herzinfarkte vorhergesagt werden können. Und dass die Inhalation von Lachgas gegen schwere Depressionen hilft.

Peter Nagele Missouri bzw. Chicago, Illinois

privat

Nagele mit Familie im Zion Nationalpark an der Grenze von Utah zu Arizona

Neuer Chef von 50 Fach- und Oberärzten

In Chicago wird er für das gesamte Spektrum der Klinik zuständig sein, das Patientenversorgung, Lehre, Wissenschaft und Forschung umfasst. Er verantwortet dabei ein Klinikbudget in zweistelliger Millionenhöhe und ist für rund 50 Fach- und Oberärzte sowie ebenso viele Assistenzärzte zuständig. „Ich bin sehr glücklich über diese tolle Herausforderung, “, sagte Nagele im Gespräch mit der APA. Er wolle die Klinik zu einer der international führenden Abteilungen machen und speziell die Forschung langsam auf Weltklasseniveau bringen. Wichtig sei ihm dabei „auch ein Zentrum für Innovation aufzubauen, das Forschern ermöglicht, ihre Ideen in neue Medizinprodukte und Medikamente umzusetzen und im Rahmen von Start-Ups auf den Markt zu bringen“.

Auch für Österreichs Bundesheer tätig

Der Mediziner, der als Milizoffizier und Stabsarzt auch in der Abteilung für Militärmedizin im Wiener Verteidigungsministerium beordert ist, wird für die Entwicklung des neuen Trauma-Zentrums der University of Chicago mitverantwortlich sein. Dieses soll Mitte des Jahres 2018 den Betrieb aufnehmen.

Spezialprogramm für Schussverletzte

Der Uni-Campus mit der Uni-Klinik liegt ganz in der Nähe der von hohen Kriminalitätsraten und großen sozialen Problemen geprägten South Side von Chicago. „Angesichts der hohen Zahl an Schussverletzungen in diesem Stadtteil hat diese Einrichtung das Potenzial, zu einem der größten Trauma-Zentren in den USA zu werden“, sagt Nagele. Er kann sich eine künftige Kooperation mit der österreichischen Trauma- und Militärmedizin gut vorstellen.

Auszeichnungen

Nagele, ehemaliger Präsident des österreichischen Forschernetzwerks ASCINA, wurde u.a. mit dem Otto-Kraupp-Preis für die beste medizinische Habilitation in Österreich (2006), dem Billroth-Preis der Wiener Ärztekammer (2011), dem Presidential Scholar Award der American Society of Anesthesiology (2012) und dem „Ziskind-Somerfeld Research Award“ der US-Society of Biological Psychiatry (2016) ausgezeichnet.

Militärmedizin und zivile Notfallmedizin nach schweren Unfällen aller Arten haben mehr gemeinsam, als viele sich das vorstellen. Die Forschung beider Fachbereiche ergänzt sich besonders auf internationalen Ebenen, wie dieser Artikel aus dem Magazin der Christophorus-Flugrettung schildert: „Schutzengel unter Feuer“ (Download):

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APA/salzburg.ORF.at/Gerald Lehner

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