Pinzgau: Protest gegen drohende Abschiebungen

In Leogang und Saalfelden (Pinzgau) herrscht Bestürzung über negative Asylbescheide für vier Flüchtlinge aus dem Iran und dem Irak. Die jungen Männer leben seit mehr als zwei Jahren bestens integriert im Pinzgau.

Der 19-jährige Yahya Al Fregi aus dem Irak ist einer der vier. Er wohnt im Badhaus in Leogang und macht eine Kochlehre in einem Hotel. Seine Kollegen nennen ihn „Johannes“, das ist die deutsche Form von Yahya. Er hat sich gut eingelebt und erlernt seinen Traumberuf: „Als ich klein war, habe ich zu Hause immer meiner Mama geholfen. Und ich liebe Kochen und so etwas.“

Fünf Verwandte von Yahya und seinem Bruder Aymen im Irak wurden getötet. Die jungen Männer wollen in Sicherheit leben: „Ich will nicht schießen“, sagt Aymen.

Vier Flüchtlinge aus dem Irak und dem Iran (v.l.n.r.): Yayah Al Fregi, Bahador Niroomand, Aymen Al Fregi und Esmail Niroomand

ORF

Die Asylbescheide von Yahya Al Fregi, Bahador Niroomand, Aymen Al Fregi und Esmail Niroomand (v.l.n.r.) wurden abgelehnt - sehr zum Unverständnis von Unterstützern im Pinzgau

Quartierbetreiberin versteht Ablehnung nicht

Badhaus-Betreiberin Anja Jung hat Yahya, seinen Bruder Aymen und seine beiden Cousins aufgenommen. Doch die Asylanträge von Aymen und Yahya wurden abgelehnt, was Jung stört: „Normale Österreicher können sich gar nicht vorstellen, wie dieses Leben dort ausgesehen hat. Und ich bin sicher: Wenn sich Menschen nur ein Stück weit einlassen auf das, was die vier erlebt haben, kann man nicht mehr dagegen sein, dass sie hier bleiben. Denn das ist im Grunde nicht zu verkraften und zu schaffen.“

Aymen und Yahya werden in Berufung gehen, genau wie ein befreundetes Brüderpaar aus dem Iran. Esmail und Bahador Niroomand leben seit mehr als zwei Jahren in Saalfelden. Sie sind Christen und in ihrer Heimat dafür mit der Todesstrafe bedroht: „Bei uns ist es ganz, ganz gefährlich. Das war bei uns eine Hauskirche - und das war eine geheime Kirche“, schildert Bahador Niroomand.

„Wichtige Vorbilder“ für Neuankömmlinge

In Saalfelden können Esmail und Bahador ihre Religion nun offen leben. Aber der negative Asylbescheid hat die Brüder zurückgeworfen, auch bei ihrer Arbeit im Bildungszentrum. Gemeinsam mit Hazem, der vor 15 Jahren aus Ägypten nach Österreich kam, arbeiten sie als Übersetzter in Kursen für junge Flüchtlinge, die noch neu in Österreich sind.

„Sie sind auch ganz wichtige Vorbilder, weil die Jugendlichen sehen: Man kann in Österreich auch etwas machen - auch wenn man von woanders herkommt“, sagt Sabine Aschauer-Smolik vom Bildungszentrum Saalfelden. „Sie erleben die beiden als Lehrer, als Übersetzer. Sie lernen, ihre Chancen zu sehen - dass es die durchaus auch gibt.“

Protest gegen drohende Abschiebungen

In Leogang und Saalfelden gibt es Protest gegen die drohende Abschiebung zwei iranischen und zwei irakischen Flüchtlingen.

Unterstützung vom Saalfeldener Pfarrer

Wie die Chancen für Esmaeil und Bahador stehen, ist noch ungewiss. Bekannte und Freunde in der Gemeinde können den negativen Asylbescheid nicht verstehen. Und auch der Saalfeldner Pfarrer Alois Moser kritisiert die Entscheidung des Asylamtes: „Weil man sich denkt: Wenn sich jemand gut integriert und versucht, mit dabei zu sein in einer Gemeinde - und das haben wir ja bei den beiden immer auch schon spüren dürfen -, dann tut’s umso mehr weh, wenn dann der ablehnende Bescheid kommt.“ Für Esmaeil und Bahador heißt es nun warten und hoffen.