Flutkatastrophe: Mühsames Aufräumen

Seit Montagnachmittag unterstützt das Bundesheer mit 35 Soldaten die Aufräumarbeiten nach den Unwetterschäden in Großarl (Pongau). Zwischen Untertauern und Obertauern ist die Straße weiter gesperrt, eine riesige Mure blockiert die Route.

Hochwasser Flut Muren Großarl

Christine Hackenbuchner

Leitschienen komplett ruiniert

Dutzende Feuerwehrleute und andere Freiwillige haben in Großarl und Dorfgastein im Schichtbetrieb die ganze Nacht auf Montag und Montagvormittag durchgearbeitet. Mittlerweile kann die Straße von Großarl nach St. Johann und umgekehrt wieder befahren werden, allerdings nur eingeschränkt und einspurig mit Ampelbetrieb.

Route via Obertauern weiter zu

Die schweren Schäden vom Wochenende müssen nun aufgeräumt werden - auch in Dorfgastein, ein Tal weiter westlich. Nach den Unwettern und einer Vollsperre ist auch die Katschberg Bundesstraße zwischen Tweng (Lungau) und Obertauern wieder einspurig befahrbar. Auf Pongauer Seite bleibt die Route weiter gesperrt. Die Straße war mit 1.500 Kubikmetern Geröll und Schlamm bis zu drei Meter hoch verschüttet blockiert. Große Fahrbahnbereiche wurden unterspült. Eine Fahrspur konnte Montagvormittag behelfsmäßig geräumt und geöffnet werden - mit Ampelbetrieb.

Bundesheer-Assistenzeinsatz mit 35 Soldaten

35 Soldaten aus der Krobatin-Kaserne in St. Johann (Pongau) werden ab 15.00 Uhr die Helfer in Großarl nach dem gewaltigen Murenabgang mit Schaufeln, Scheibtruhen und Muskelkraft bei den Aufräumarbeiten unterstützen. Sie sollen vor allem Keller ausräumen und die Erdmassen wegräumen. Der Einsatz dürfte eine ganze Woche dauern. Bei den Unwettern am Wochenende wurden vor allem Großarl und Dorfgastein in Mitleidenschaft gezogen.

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Mure Felssturz Hochwasser Flut Großarl

APA / Markus Winkler

Dass angesichts solcher Vorgänge niemand getötet wurde, grenzt für viele an ein Wunder

Große Mure in Viehhofen

Bei einem weiteren Murenabgang in Viehhofen (Pinzgau) wurde Sonntagabend ein Einfamilienhaus an der Hangseite beschädigt. Erd-und Geröllmassen drangen durch zwei Dachfenster in das Haus.

Laut Polizei wurde niemand verletzt. Die örtliche Feuerwehr stand mit Kettenbaggern im Einsatz. Auch im Pongau kam es Sonntag wieder zu einem Murenabgang, und zwar im Gemeindegebiet von Kleinarl südlich des Jägersees. Die Straße bis zum Tappenkarsee ist nun gesperrt. Seit Sonntagfrüh waren vor allem in Pongau, Pinzgau und Lungau fast 900 Feuerwehrleute im Unwettereinsatz. Der am Sonntagabend ausgegebene Hochwasseralarm im Pinzgau am Oberlauf der Salzach konnte wieder aufgehoben werden, weil der Regen aufhörte.

Schäden in vielen Gemeinden

Auch in Kaprun (Pinzgau) ging in der Nacht auf Sonntag eine riesige Mure nieder und verschüttete den Parkplatz des Gasthofes Kesselfall. Alle Menschen im Haus, darunter auch mehrere Kinder, wurden in Sicherheit gebracht. In Großarl wurde ein Mann beim Brustkorb schwer verletzt. Ein Notarzt versorgte ihn, ehe er mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde - ebenso eine schwangere Frau.

In einer Lawinengalerie der Katschberg Bundesstraße zwischen Untertauern (Pongau) und Tweng (Lungau) gerieten am Sonntagmorgen 50 Personen in Not. Sie waren wegen einer Mure in ihren Fahrzeugen eingeschlossen. Feuerwehrleute aus Obertauern kämpften sich vor und befreiten die Reisenden. Es gibt keine Verletzten.

Gasteiner Bundesstraße vermurt

Große Verwüstungen durch Schlamm und Geröll gibt es auch in Dorfgastein (Pongau), schilderte Einsatzleiter Albert Kritzer von der Feuerwehr: „Unsere Bundesstraße durch das Gasteiner Tal hat es beim Ortszentrum komplett vermurt. 15 bis 20 cm Schlamm bedeckten die Fahrbahn. Bei einem Wildbach hat es einen Baukran umgeworfen. Die Einläufe von Kraftwerken sind verklaust. Es ging momentan gar nichts mehr.“

Gewalt von Schlammmassen

Amateurvideo von sehr gefährlicher Mure bei Großarl am Samstagabend. Der Schlamm kam im Talbereich zum Stehen - keine Verletzten.

Großeinsatz in Dorfgastein

In Dorfgastein wurde auch ein Baukran von den Schlamm- und Geröllmassen umgeworfen und zerstört. Häuser sind schwer beschädigt. Hauptbetroffen ist der Bereich um den Mühlbach. „Bei der Mündung kam es auch zu einer Verklausung der Gasteiner Ache“, sagt Wolfgang Winter von der Feuerwehr Bad Gastein, die auch in Dorfgastein im Einsatz war. Es gebe Schäden am Kanalsystem und beim Heizkraftwerk. Gesamtzahl von Feuerwehrleuten aus dem ganzen Gasteiner Tal und Lend in der Nacht auf Sonntag für Dorfgastein: 152.

Amateurvideo aus Dorfgastein, als die Mure des Mühlbaches das Ortszentrum erreichte. Einige im Gasthaus fanden den dünnflüssigen Schlamm offenbar lustig.

Bergretter suchten Hütten ab

Schwere Unwetter mit Sachschäden gab es auch in Mittersill (Pinzgau), St. Veit (Pongau), Tamsweg, Mariapfarr, Göriach, Lessach und Zederhaus (beide Lungau).

Schwere Flutschäden auf Almen Hochwasser Muren Wildbach

Familie Rettensteiner

Marbachtal bei Flachauwinkl

Insgesamt waren am Wochenende landesweit mehr als 30 Feuerwehren im Einsatz. Auch Bergretter brachen in mehreren Gemeinden ins Gebirge auf, um sicherzugehen, dass Betreiber und Gäste von Almhütten nicht in Gefahr sind. Es gab in vielen Fällen keinen Telefonkontakt mehr.

Almwirtschaft schwer getroffen

Auch auf Salzburgs Almen haben Unwetter und Muren am Wochenende große Schäden angerichtet - mehr dazu in salzburg.ORF.at

Gerald Lehner, salzburg.ORF.at

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