Protest gegen Autonomiepaket für Schulen

Gegen das vom Bund geplant Autonomiepaket für Schulen sind am Mittwoch rund 350 Schüler, Lehrer und Eltern in Salzburg auf die Straße gegangen. Denn mit dem Paket würden zum Beispiel Schulschwerpunkte abgeschafft, sagen sie.

Unter dem Motto „Update Schule“ wurde das Autonomiepaket für Schulen Mitte Oktober von Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) und Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) präsentiert. Es soll Schulen unter anderem mehr Handlungsfreiheit bei Personalentscheidungen bringen und Schulcampusse - auch „Cluster“ genannt - mit bis zu acht Schulstandorten ermöglichen.

„Mogelpackung erster Güte“

Doch am Mittwoch wurde vor dem Schulzentrum an der Josef-Preis-Allee in Salzburg-Nonntal gegen die Reform protestiert. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“ - skandierten nach dem Unterricht Schüler, Lehrer und Eltern. Das Autonomiepaket, das auf den ersten Blick nach mehr Freiheit aussah, gefällt ihnen nach genauerem Hinsehen nicht mehr: „Das Autonomiepaket ist eine Mogelpackung der ersten Güte“, sagte Landeselternvertreterin Heidrun Eibl-Göschl. „Es ist wieder ein Einsparungspotenzial, das wir ertragen müssen.“

Sprecherin am Megafon bei Schülerprotest

ORF

Am Mittwoch nach dem Unterricht wurde gegen das Autonomiepaket demonstriert

„Die Eltern haben kein Mitspracherecht, die Schwerpunktschulen werden aufgelassen“, ergänzte HTL-Klassenelternvertreter Hannes Rosner. „Das sind Dinge, die Österreich ausgezeichnet haben und die jetzt auf einmal nicht mehr sein sollen. Und dagegen müssen wir uns wehren - im Sinne unserer Kinder.“

Schulversuche, Schwerpunkt im Visier?

Bei Eltern, Lehrern und Schülern gleichermaßen geht die Angst um, dass Vieles, was bisher möglich war - wie zum Beispiel Schulversuche -, in Zukunft gestrichen wird: „Das sind genau diese Sachen, die die Bildung in Österreich ausmachen“, sagte Mario Steinwender, Schulsprecher des BORG Salzburg-Nonntal. „Das ist auch der Grund, warum die österreichische Bildung so interessant ist. Ich kann mir die österreichische Schule ohne Schwerpunkte nicht vorstellen.“

Und schon die Gymnasium-Erstklasser - so wie Georg Neuberger - wussten, warum sie bei dem Protest waren: „Weil es blöd ist, dass war dann zum Beispiel zu sechzigst in einer Klasse sitzen würden. Ich finde, dass man vielleicht bei etwas anderem einsparen sollte als bei der Bildung. Das ist halt auch was Wichtiges.“

Elternvertreter kündigen längere Proteste an

Für die Eltern war die Kundgebung am Mittwoch erst der Anfang einer längeren Protestwelle: „Wir haben hier gesehen, wie Politik funktioniert - einfach über die Köpfe hinweg, über die Akteure hinweg, keine Beteiligung, obwohl wir sie immer angesprochen haben“, sagte Landeselternvertreterin Eibl-Göschl. „Diese Protestwelle muss quer durch Österreich gehen“, ergänzte Rosner.

Demo gegen Autonomiepaket

Schüler, Eltern und Lehrer gingen am Mittwoch in der Stadt Salzburg gegen das geplante Schulautonomiepaket auf die Straße.

Geschätzte 350 Eltern, Lehrer und Schüler waren es am Mittwoch vor den Schulen in der Josef-Preis-Allee. Demnächst sollen es mehr sein.

Ministerium weist Kritik zurück

Das Bildungsministerium wies am Mittwoch die Kritik der protestierenden Eltern, Schüler und Lehrer zurück: Von derzeit 15 Mitbestimmungsmöglichkeiten der Eltern würden nur zwei wegfallen. Diese beträfen pädagogische Entscheidungen, für die künftig der Schuldirektor verantwortlich sei - mehr dazu in Bildungsreform: Ministerium weist Elternkritik zurück (news.ORF.at; 1.2.2017).

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