Immer mehr Thermen in Schwierigkeiten

Der Kampf um Gäste im Großraum Salzburg wird bei den Thermen immer härter. In den letzten Jahren wurden im Bundesland und im angrenzenden Bayern viele Thermen gebaut. Sie ringen nun um Auslastung - besonders auch die Watzmanntherme in Berchtesgaden.

Viele Geschäftsführer von Thermen schwitzen wohl nicht nur in der Sauna sondern auch, wenn sie über ihren Bilanzen brüten. Denn kaum eine Therme in der Region Land Salzburg/östliches Oberbayern liegt in der Gewinnzone. Die einen sind hinausgerutscht, die anderen dort noch nicht angekommen.

Thermen Therme Schwimmbad Bad Gastein Felsentherme Hallenbad

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Felsentherme in Bad Gastein

Keine guten Nachrichten

Ein besonderes Sorgenkind ist im Gasteiner Tal. Bei der Felsentherme von Bad Gastein (Pongau) wurde eine Insolvenz der Betreibergesellschaft vor wenigen Wochen gerade noch abgewendet. Aber jetzt muss der Besucherrückgang auf zuletzt nur noch 170.000 Gäste pro Jahr gestoppt werden.

Es ist vor allem die neue Konkurrenz, die den Wettbewerb verschärft. Der jüngste Anbieter ist die Tauernspa Kaprun. Der Betrieb liegt mit 280.000 Tagesgästen pro Jahr noch 40.000 vom betriebswirtschaftlichen Ziel entfernt. Das möchte man in Kaprun im kommenden Jahr erreichen.

Auch die neue Therme Amadè in Altenmarkt (Pongau) liegt noch unter ihrem Soll. Das Ziel von 300.000 Gästen pro Jahr will man dort in zwei Jahren erreichen.

Gollinger bilanzieren ausgeglichen

Geschafft hat es Aqua Salza in Golling (Tennengau). Hier hat man nun das dritte Jahr hintereinander keinen Verlust, sagt Manager Erik Kerwer: „Es kämpfen alle Betreiber damit, ihre Betriebskosten zu erwirtschaften. Deshalb sehen wir unsere positive Bilanz als großen Erfolg. Wenn man die Betriebskosten hereinspielen kann, dann hat man schon einen sehr großen Meilenstein geschafft und ist zufrieden.“

Die Branche hat einen Fixkosten-Anteil von 80 Prozent, so Kerwer: „Die Energiekosten sind in den letzten Jahren unglaublich gestiegen. Das ist in einer Therme ein sehr wichtiger Faktor. Wasser- und Personalkosten steigen auch. Und dann sind wir wieder beim Thema: Der Kuchen beim Thema Wellness wird insgesamt nicht größer. Je mehr Anbieter, umso schwieriger wird es.“

Rupertustherme: Baukosten nicht zu erwirtschaften

Wachsen will auch noch die Rupertustherme in Bad Reichenhall - auch wenn jetzt 480.000 Gäste gezählt werden. Mindestens eine halbe Million jährlich ist hier das Ziel.

Sogar dann wäre die Rupertustherme nicht in der Gewinnzone, betont Dirk Sasse von der Geschäftsführung: „Man muss natürlich die Gesamtzahlen anschauen. Wenn man die Abschreibungen ansieht, beispielsweise bei uns mit 2,5 Millionen, dann wird man das niemals erwirtschaften. Wir werden 2017 unseren Kapitaldienst abgetragen haben und den Zuschuss, den wir jetzt von unseren Gesellschaftern bekommen, komplett auf Null runterfahren können. Das heißt, wir werden keinen Zuschuss mehr benötigen. Aber, wir werden die Abschreibung nicht erwirtschaften.“

Zuletzt wurde kräftig in den Familien- und Sportbereich investiert. Das brachte zusätzliche Gäste - vielleicht auch jene, die die Watzmanntherme in Berchtesgaden mittlerweile schmerzlich vermisst.

Grießer von der Watzmanntherme Therme Hallenbad

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Michael Grießer von der Watzmanntherme

Großer Rückgang in Berchtesgaden

250.000 statt 300.000 Besucher, das geht in der Watzmanntherme von Berchtesgaden mittlerweile hart an die Substanz und lässt kein genüssliches Zurücklehnen mehr zu, bestätigt Manager Michael Grießer: „Unser Trägerverband der Gemeinden im Landkreis hat ein klares Bekenntnis zur Watzmanntherme abgegeben. Wir haben aber auf dem Markt einen Sättiungsgrad erreicht insgesamt mit den vielen Thermen, wo man schon von einer unbefriedigenden Situation ausgehen muss. Speziell die Eröffnung eines Mitbewerbers vor eineinhalb Jahren mit genau dem gleichen Angebot hat uns natürlich sehr viele Gäste gekostet.“

Grießer ergänzt, die Watzmanntherme habe in die bestehende Struktur des Bades sehr viel investiert: „Es wird sicher in der Branche noch schwieriger, wenn dieses Kirchturmdenken weitergeht, dass fast jede Gemeinde sich eine Therme bauen oder leisten will. Dann wird es sicher so sein eines Tages, dass es Zuschussbetriebe werden müssen, die sich nicht mehr selbst tragen können. Aber unser Grundkonzept ist immer noch ein sehr gutes.“

Thermen-Boom: Zu viele Nachahmer?

Wenn man Thermen im Salzburger Land und die im bayerischen Rupertiwinkel betrachtet, dann sind in den vergangenen sechs Jahren drei neue hinzugekommen. Schießen sich die Betriebe damit gegenseitig aus dem Rennen um Gäste?

Klar ist, dass alle Thermen im gleichen Gewässer fischen. Gästezahlen sind auch in dieser Branche nicht beliebig zu vergrößern. Eine Zeitlang sah es so aus, als wollten noch mehr Gemeinden nur noch in Thermen investieren, weil einige offenbar Erfolg damit hatten.

Wettbewerb noch härter

Die Situation dürfte sich auch kaum entspannen. Der Wettbewerb werde noch härter, heißt es. Immerhin wollen viele Betriebe weiter investieren, trotz Geldnot. Und dann soll in Zukunft auch noch der Neubau des Paracelsusbades samt neuer Sauna in der Stadt Salzburg dazukommen, wo sich die Bevölkerung schon seit Jahrzehnten - bisher vergeblich - nach einer solchen Anlage im Nahbereich sehnt.

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