Unmut im Alpenverein über Führungsstil

ORF
Monik Groß warf nach fünf Monaten am Stahl-Haus alles hin
Bei der Wiedereröffnung des Zubaues zum Carl-von-Stahl-Haus auf dem Torrener Joch zwischen Golling (Tennengau) und Schönau am Königssee heuer im Frühjahr schien bei der Alpenvereins-Sektion Salzburg noch alles in Ordnung: Monika Groß, langjährige Pächterin des beliebten Zeppezauer-Hauses auf dem Untersberg, übernahm auch diese wichtige Unterkunft mit Elan und großen Hoffnungen.
Vorsitzender „mischt sich in alles ein“
Fünf Monate später warf Groß auf beiden Hütten das Handtuch - wegen unüberbrückbarer Differenzen mit der Vereinsführung: „Ich habe das Gefühl, dass es mit dem Stahl-Haus tatsächlich im Moment - zumindest nach dem Vorsitzenden - hauptsächlich darum geht, dass Geld hereinkommt.“
Zudem stört Groß, „dass er (der Vorsitzende - Anm.) sich eigentlich in alles einmischt: Das geht über die Buchung - das habe ich mir mittlerweile hart zurückerkämpft. Er hat die Buchungsabwicklung selber gemacht, das war ein Chaos vor dem Herren. Die Leute haben sich beschwert, es hat hinten und vorne nicht hingehaut. Die Linie, die der da fährt und hineinbringt, ist nicht die Art, wie ich arbeiten möchte, wie ich mich als Hüttenwirtin sehe.“
„Gesundheitliche Gründe“ nur der Anlass für Bruch
„Differenzen bezüglich der Betriebsführung wird’s immer wieder geben - aber man kann sich alles ausreden“, wehrt sich Ulrich Mühlthaler, Vorsitzender der Alpenvereins-Sektion Salzburg. „Das war aber nicht der Grund. Die Hüttenwirtin hatte einen schweren Verkehrsunfall und hat daher aus gesundheitlichen Gründen gekündigt.“
Diese Version Mühlthalters kommentiert Monika Groß so: „Die gesundheitlichen Gründe waren dann der Auslöser, dass ich gesagt habe: Ich höre so schnell auf. Über kurz oder lang hätte ich sowieso aufgehört.“
„Wenn’s so weitergeht, wird’s abwärts gehen“
Noch vor dem Abgang der einstigen Vorzeige-Hüttenwirtin hatten der langjährige Geschäftsführer der Sektion Salzburg und die Naturschutzfererentin gekündigt. Langjährige Mitglieder und Mitarbeiter sehen da Zusammenhänge - so wie Heli Pfitzer, 35 Jahre lang Wirt des Stahl-Hauses: „Wenn’s so weitergeht, wird’s abwärts gehen. Ich bin relativ gut bekannt und treffe soviele Bekannte und ehemalige Gäste von mir - und jeder fragt. Ich kann nur mehr jammern, mehr kann ich nicht mehr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das nicht irgendwann an der Sektion Salzburg auswirkt.“
Vorsitzender: „Team steht hinter mir“
Sektions-Vorsitzender Ulrich Mühlthaler sieht sich dagegen selbst als teamfähig: „Ja selbstverständlich. Mein ganzes Team steht hinter mir - und Sie sehen es auch in unserem Alpenvereins-Heft, wie weit unsere Aktivitäten führen. Auch mit meinem Finanzreferenten gibt es ein wunderbares Einverständnis. Wir besprechen alles gemeinsam.“

ORF
Ulrich Mühlthaler sieht keinen Grund für die Kritik
Ein Nachfolger für Monika Groß wurde für das Stahl-Haus bereits gefunden. Für die übrigen Probleme der Sektion Salzburg mit ihren 17.000 Mitgliedern gibt es noch keine Lösung.
Link:
Publiziert am 24.10.2012

