Behörden sollen kundenorientierter werden

Die Industriellenvereinigung und die Pinzgauer Bezirksverwaltung haben ein gemeinsames Ziel: kundenorientiere Behörden. Umgesetzt wird das durch einen großangelegten Mitarbeitertausch. So hat etwa LEUBE-Chef Rudolf Zrost mehrere Tage bei der Zeller BH gearbeitet.

Beamte sollen denken wie Unternehmer - was wie utopische Science Fiction klingt, will ein österreichweit einzigartiges Projekt jetzt verwirklichen. Die Industriellenvereinigung und die Pinzgauer Bezirksverwaltung haben sich nämlich genau das vorgenommen: die Behörden sollen kundenorientierter werden. Nicht nur Zrost hat deshalb auch den Arbeitsplatz für einige Tage gewechselt. Auch Bezirkshauptfrau Rosmarie Drexler hat ein Praktikum bei LEUBE absolviert.

Ziel der Aktion sind einfachere und schnellere Behördenverfahren bei der Genehmigung von Industrie- und Gewerbeanlagen. Verständnis für die gegenseitige Arbeit würde bis jetzt fehlen - und könnte auch nur durch eigene Erlebnisse geschaffen werden.

„Privatwirtschaft ein Vorbild moderner Verwaltung“

Bezirkshauptfrau Drexler stellt sich eine völlig andere Verwaltung vor: „Ich glaube, dass wir die Herausforderungen der heutigen Zeit nur mehr dann schaffen, wenn wir unsere eigenen Strukturen und Grenzen hinterfrage. Für moderne Verwaltung ist die Privatwirtschaft, die Industrie immer das Vorbild und es ist das Ziel natürlich die Einstellung der Mitarbeiter in der Verwaltung zu verändern.“

Beispiel Verfahrensdauer: diese hängt meist nicht nur vom guten Willen der Beamten ab, öffentliche Auseinandersetzungen verzögern die Verfahren oft um Jahre.

Mehr Mediatoren statt Juristen

„Die Verwaltung muss künftig anders agieren. Die Konflikte sind oft keine rechtlichen, sondern sind Interessenskonflikte, die man meist nicht rechtlich lösen kann, sondern über Mediationen. Wir haben viel zu viele Juristen in der Verwaltung. Es wäre wesentlich, dass wir auch andere Kompetenzen in die Verwaltng hereinbekommen, um so große Verfahren auch zu lösen“, sagt Drexler.

LEUBE-Chef Rudolf Zrost wünscht sich außerdem einfachere Genehmigungsregeln: „Wir sind so überreguliert in vielen Bereichen und die Regelungswut hört ja nicht auf. Wir bekommen jede Woche hunderte Seiten an neuen Regelungen, die wir einhalten müssen. Und diese Regelungwut, würde ich mir wünschen, müssen wir reduzieren.“

Das jetzt gestartete Partnerprojekt Industrie-Verwaltung könne nur ein erster Schritt sein, sind Drexler und Zrost überzeugt. Die beiden wollen ihre Initiative jetzt auch auf das restliche Bundesland ausdehnen.