Taxis: Aufregung über Bordellwerbung

Taxis finanzieren sich nicht nur durch Fahrgäste, sondern auch durch Werbung am oder im Fahrzeug. Auch für Bordelle wird geworben, was mehr Frauen unter den Fahrgästen stört als Männer. Die Taxivereinigung weist deren Kritik vehement zurück. Alles laufe seriös ab.

Die Bordellwerbung in vielen Taxis stört bundesweit immer wieder - vorwiegend weibliche - Fahrgäste. Das sei unsittliche Belästigung, kritisieren Feministinnen und Feministen. Und nicht nur die.

Leuchtende Herzen vor einem Bordell

APA/dpa/Werner Baum

Nicht allen gefällt, dass Betriebe auch gerne in Taxis werben

Einem ORF-Reporter klagte jüngst ein Salzburger Taxifahrer, dass immer mehr Fahrgäste sich über die Bordellwerbung auf seinem digitalen Display - vorne unter der Windschutzscheibe - beschweren würden. Auch ihn selbst störe diese Werbung massiv: „Ich ärgere mich beim Fahren sehr oft über diese Einblendungen. Und was sage ich Kindern, wenn mich die fragen, was das ist? Das kommt auch vor.“

Weitere Recherchen zeigten, dass das Thema tatsächlich viele beschäftigt - nicht nur in der Taxlerszene.

Peter Tutschku, Geschäftsführer der Salzburger Taxivereinigung 8111, kennt solche Beschwerden auch: „Wir erhalten dazu immer wieder auch Schreiben.“ Er weist Vorwürfe aber vehement zurück. In der auf den Displays der Fahrer angezeigten Werbung oder bei den Aufklebern von Taxis werde kein einziges sittenwidriges Wort verwendet.

Taxler-Chef verweist auf viel härtere Medien

Warum muss denn Sexwerbung in Taxis überhaupt sein, wenn sich manche daran so stören, fragt der ORF-Reporter? Wäre es da nicht leichter und angenehmer für Taxler, sie einfach wegzulassen, um sich keinen Moraldebatten auszusetzen?

Tutschku sagt, Werbung sei wirtschaftlich auch für Taxler - ob Eigentümer von Autos oder Fahrer als Angestellte - ein Teil des Einkommens. Und beim Thema Moral verweist er auf die Medienszenen insgesamt. Seine Taxlilenker seien nämlich die falsche Adresse für Kritikerinnen, so der Taxi-Manager: „Bei uns sind nur der Name, die Öffnungszeiten und möglicherweise der Ort, wo sich das Etablissement befindet, zu lesen. In einschlägigen Heften und Tageszeitungen sind wesentlich mehr und viel deutlichere Anzeigen des horizontalen Gewerbes zu finden. Oder schalten Sie das Internet oder das Fernsehen ein - mit der einschlägigen Werbung für Pornografie und Telefonsex, die auch auf Kinder und Jugendliche wirkt. Da sind doch unsere Werbezeilen völlig harmlos und nur für Insider aussagekräftig.“

Taxischrift beleuchtet

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Vier von zehn Fahrten von oder zu Bordellen

Taxler-Sprecher Tutschku ergänzt, alle Werbetexte und Einschaltungen der 8111er-Taxis würden über seinen Schreibtisch gehen, würden von ihm geprüft und abgesegnet: „Man soll doch nicht so tun, als ob dort keiner hingeht. Bordelle zahlen für die Werbung. Also, warum soll man das nicht machen?“

Fast die Hälfte der Taxifahrten, die von Unternehmen bestellt werden, stünden in Zusammenhang mit Bordellen, listet Peter Tutschku auf: „Wenn ich eine Top-Ten-Liste unserer Anrufe in der Zentrale mache, dann sind vier von zehn Anrufen Fahrten von oder zu Bordellen.“

„Zunehmende Verlogenheit stört mich“

Tutschku ergänzt, er habe auch schon Briefe aus politiknahen Bereichen oder aus politischen Parteien erhalten, diese Werbung müsse sofort aus Taxis verschwinden: „Diese zunehmende Verlogenheit in der Gesellschaft stört mich. Wahlen wird damit mit Sicherheit niemand gewinnen; wenn man sich ansieht, wie beliebt das alles ist. Und Bordelle sind nichts Kriminelles. Wir halten uns bei dieser Werbung zudem strikt an die Regeln des Anstands: Und ich habe manchen bereits durch Rechtsanwälte antworten lassen, dass wir ausschließlich im Rahmen der Gesetze handeln und nichts Sittenwidriges tun.“

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