Betrug: 30 Prozent mehr Fälle für Detektive

Betrug in Firmen wird immer öfter ein Fall für den Detektiv: In den letzten Jahren sei die Zahl der Aufträge österreichweit um 20 bis 30 Prozent gestiegen, sagt der Fachverband der Detektive. Bei der Polizei angezeigt wird aber nur die Minderheit der Fälle.

Die wirtschaftlich schwere Zeiten lassen die Kassen bei den Detektiven klingeln. Rund 60 Prozent der Aufträge kommen bereits aus dem Handel, nur noch 40 Prozent werden von Privatleuten vergeben.

Unternehmen gehen mehr Fällen nach

Der Grund: Unternehmen gehen immer öfter gegen Zulieferer, Kunden oder Mitarbeiter vor, die betrügen oder stehlen, bestätigt der Bundesgeschäftsführer des Fachverbands der österreichischen Berufsdetektive, der Salzburger Johann Fesl. Immer öfter suchen Unternehmen die Übeltäter in den eigenen Reihen: „Die letzten drei, vier Jahre ist schon festzustellen, dass sowohl die Anzahl der Delikte steigt als auch die Schadenshöhe pro Deliktsfall. Wir sehen - unter Absprache mit Kollegen - zwischen 20 und 30 Prozent Plus.“ Bei Polizei und Staatsanwaltschaft angezeigt werden dennoch nur rund zehn Prozent der Delikte.

Der Grund für die steigenden Aufträge sieh Fesl eher in einer geänderten Einstellung der Unternehmen: „Möglicherweise liegt es daran, dass eher die Margen auf Grund der Wirtschaftssituation etwas enger werden. Dadurch ist die Kriegskassa nicht mehr ganz so voll und der Unternehmer sagt: OK, ich kann es mir nicht mehr leisten, über gewisse Malversationen von Kunden, Zulieferern oder Mitarbeitern hinwegzusehen. Ich muss mich jetzt um jeden Fall kümmern. Das wäre ein Grund, warum mehr Anfragen bei uns zu verzeichnen sind.“

Schaden zwischen 6.000 und 900.000 Euro

Besonders oft von Betrügerein betroffen sind vor allem die Bereiche Bau- und Baunebengewerbe sowie auch der Transport und der Handel, sagt Fesl. In diesem Sparten arbeiten oft viele verschiedene Firmen in verschiedenen Ländern an einem Projekt. Abläufe werden so oft undurchsichtig.

Die Schadenshöhe richtet sich nach der Position des Mitarbeiters im Betrieb, sagt Fesl: „Das fängt beim normalen Registrierkassenbetrug an der Tankstelle bis hin zum Bilanzbetrug, der international begangen hat. Wir bewegen uns hier beim durchschnittlichen Schadensfall von 6.000 Euro, den der einzelne Mitarbeiter begeht, bis zu etwa 40.000 bis 60.000 Euro eines leitenden Angestellten und bis zu 900.000 Euro pro Schadensfall durch Eigentümer oder Aktionäre einer großen Firma.“

Frust im mittleren Management ein Hauptgrund

Besonders eine Tätergruppe fällt den Berufsdetektiven immer wieder auf: „Die Tätergruppe, die am meisten straffällig wird, ist im Unternehmen im mittleren bis oberen Management tätig und plus/minus 40 Jahre alt. Diese Täter sagen uns immer wieder: Wir haben den Zenit in der Firma erreicht, wir kommen nicht mehr weiter, unsere Vorschläge werden nicht angenommen, wir haben eigentlich keine Karrierechancen. Das heißt: Einer der Gründe für den Betrug innerhalb ist nicht nur die Gewinnsucht, sondern auch, der Firma zu schaden. Das heißt: Die Motivation ist leider immer wieder Frust.“

Die Betrugsmethoden werden immer gefinkelter, beobachten die Detektive: „Die Vorgangsweise muss immer komplexer werden, um diese ganzen Kontrollhürden zu überwinden. Wenn allerdings ein System einmal funktioniert, dann dauert es leider sehr, sehr lange, bis entsprechende Kontrollmechanismen greifen. Und der Schaden ist dann bereit sehr, sehr hoch.“

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