Fußballtransfers: Moderner Sklavenmarkt?

ORF Burgenland
Die insgesamt außerordentlich gute Bezahlung dürfte Profi-Spielern so manchen Hinauswurf erträglicher machen
Bei vier Spielern scheint die Einigung schon unter Dach und Fach zu sein. Und auch beim fünften Mann, Rasmus Lindgren, glaubt die Vereinsführung nun, eine Lösung ohne gerichtliche Klage des Abgeschobenen zustande zu bringen.
Wie lang bleiben Verbannte noch?
Red Bull täte sicher gut daran, eine Lösung zu finden, sagt Gernot Zirngast, Vorsitzender der Spielergewerkschaft:
„Der Zeitpunkt dieser Angelegenheit ist sowohl für den Verein als auch für die Spieler sehr schlecht. Es gibt nämlich keine Möglichkeit vor Transfer-Zeit im Winter, den Verein zu wechseln.“
Der Kicker Lindgren hatte via Spielergewerkschaft eine Klage angedroht, sollte er nicht wieder mit der Profimannschaft trainieren dürfen. Der Verein lehnt das ab, will aber eine Klage unter allen Umständen vermeiden. Red Bull hat einen ähnlichen Prozess schon gegen Markus Schopp verloren.
Leibeigenschaft seit 1850 abgeschafft
Grundsätzlich gilt: Auch Sportler sind Angestellte. Angestellte ihres Vereins. Nur weil ein Mitarbeiter im Dienst kurze Hosen trägt, alle zehn Meter auf den Rasen spuckt und dabei viel schwitzt, heißt das noch lange nicht, dass für ihn keine arbeitsrechtlichen Grundsätze gelten.
Die Leibeigenschaft wurde in Österreich 1850 - zumindest staats- bzw. formalrechtlich - abgeschafft. Und heute haben neben anderen Arbeitnehmern auch Profifußballer ihre Rechte. Einfach schnell anheuern, dann rausschmeißen oder zwangsversetzen, das geht deshalb nicht. Kann oder darf sich aber ein Spieler wie Rasmus Lindgren ins Training der ersten Mannschaft zurückklagen?
Der neue Bullen-Trainer Roger Schmidt aus Deutschland bedauert die Kalamitäten rund um die ausgemusterten Kicker. Schmidt zeigt sich überzeugt, dass es eine vernünftige Lösung für alle gebe.
Regeln gegen „orientalischen Basar“
Fußballer können nur zu festgesetzten Zeiten - so genannten „Transferfenstern“ - ihre Vereine wechseln. Diese Zeiten wurden gemeinsam festgelegt, damit nicht das ganze Jahr über ein Kommen und Gehen bei den Spielern herrscht, und es ständig zugeht wie auf einem orientalischen Basar. Alles ist da festgelegt, selbst wann welcher Berater wen kontaktieren darf, und wen er davon informieren muss.
„Adios muchachos“
Die fünf Verbannten bleiben auf jeden Fall bis Winter in Salzburg. Und dann heißt es wohl „Adios muchachos“. Denn einen Fußballvertrag einzuklagen, das ist ungefähr so sinnvoll wie ein Eheversprechen vor Gericht durchzusetzen. Und da wie dort lässt sich bekanntlich so manches mit Geld regeln.
Franz Griessner, ORF Radio Salzburg, Sportredaktion
Link:
- Ausgemusterte Bullen wehren sich (sport.ORF.at)
Publiziert am 21.09.2012

