Erste Oberstufe für Schüler mit und ohne Behinderung
Vier Jugendliche mit intellektueller Behinderung werden ab 10. September gemeinsam mit 20 Schülern ohne Behinderung das Montessori-Oberstufenrealgymnasium (MORG) der Diakonie direkt bei der Volksschule und der Hauptschule Grödig besuchen. Einer von ihnen ist Philipp, ein autistischer Schüler, der bereits zuvor die integrative Volks- und Hauptschule der Diakonie besucht hat. Geht es nach den Lehrern und dem Landesschulinspektor, hat er damit sogar die Chance, in einigen Fächern die Matura abzulegen.
Voraussetzung dafür sei allerdings, dass ein entsprechender Schulversuch genehmigt wird, betonte Eva Kothbauer, Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg. Wünschen würde sie es sich auf alle Fälle.
„Es geht um das Recht auf Bildung“
Dabei ist es nicht das vordergründige Ziel, dass die vier Schüler die Matura machen. „Es geht vielmehr um das Recht auf Bildung“, sagt Diakonie-Direktor Michael Chalupka. „Und es geht um den Erwerb von Kompetenzen, die ihnen später den Einstieg in das Berufsleben ermöglichen.“ Das MORG will den Jugendlichen eigenständiges und selbstverantwortliches Lernen beibringen, durch den musisch-kreativen Schwerpunkt sollen sie zudem zu „kreativen und kulturell bewussten Menschen“ herangebildet werden.
In der Praxis soll der Unterricht so funktionieren, dass zwei Sonderpädagogen gemeinsam mit AHS-Lehrern individuell angepasste Lehrpläne für die vier Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf entwickeln und diese während des Unterrichts unterstützen, der in allen Fächern gemeinsam mit den nicht-behinderten Schülern stattfindet. Erleichtert wird das laut Kothbauer dadurch, dass in der Montessori-Pädagogik ohnehin viel auf Selbststudium und Gruppenarbeiten gesetzt wird.
„Schule passt sich den Schülern an“
„Nicht die Schüler werden in das System integriert, sondern die Schule passt sich den Schülern an“, beschreibt Kothbauer das Konzept der Inklusion. Diese, sagt Chalupka, komme allen Schülern zu Gute. „Eine Schule für Kinder mit und ohne Behinderung hilft allen, Inklusion geht nicht auf Kosten begabter Schüler.“
Chalupka kritisiert, dass das generelle Recht auf inklusive Schule noch nicht umgesetzt wurde, obwohl sich Österreich 2008 mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen dazu verpflichtet habe: „Jene, die die intensivste Betreuung brauchen, haben am kürzesten Zeit. Ihnen fehlen wichtige Jahre an Lebenserfahrung.“
Gegenseitiges Helfen wichtig für alle Schüler
Dabei würden auch Schüler ohne Behinderung vom gemeinsamen Unterricht mit behinderten Jugendlichen profitieren, hob Kothbauer hervor: Indem sie ihr Lernen selbst organisieren und sich gegenseitig unterstützen, würden sie sich signifikant wohler fühlen, mit mehr Freude in die Schule gehen und höheren Selbstwert entwickeln. Zusätzlich bräuchten sie durch diese Art des Unterrichts weniger individuelle Hilfe - und damit auch weniger teuren Nachhilfeunterricht.
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Publiziert am 31.08.2012

