Frauen bedroht und verletzt: Polizist in Haft
„Das macht mich natürlich tief betroffen, aber derartige Fälle kann man bei 32.000 Mitarbeitern nie ausschalten. Wir sind aber sehr streng und lassen keinerlei Toleranz walten und deshalb gab es in diesem Fall auch eine Suspendierung“, sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Mittwoch.
Im September 2008 soll der Polizist sein erstes Opfer genötigt haben, im Oktober 2010 und im März 2011 kam es zu den weiteren Fällen, bestätigt die Polizei einen entsprechenden Bericht der „Salzburger Nachrichten“. Der 47-Jährige soll seiner Ex-Frau, einer Ex-Lebensgefährtin und einer Bekannten in einem Fall sogar die Dienstwaffe an den Kopf gesetzt haben. Zudem soll der den Frauen im Streit Büschel Haare ausgerissen und Hämatome zugefügt haben.
Im November 2011 löste der Kriminalbeamte dann einen Cobra-Einsatz aus, weil er stark alkoholisiert in seiner Wohnung in St. Johann (Pongau) mit seiner Waffe geschossen hatte. Er wurde daraufhin auf Entziehungskur geschickt und sollte im Frühjahr in den Dienst zurückkehren.
Opfer vertraute sich Ende Juni der Polizei an
Doch diese angedachte „zweite Chance“ für den Kriminalbeamten gab es nie: Ende Juni vertraute sich sein letztes Opfer - eine Saalfeldenerin - einem Polizeibeamten an. In weiterer Folge der Anzeige stellte sich heraus, dass noch die zwei anderen Opfer dieselben Vorwürfe erhoben. Den Frauen hatte der 47-Jährige gesagt, dass seine Kollegen im Zweifelsfall ihm glauben würden.
Doch das dementiert die Polizei: Es sei falsch, dass in den eigenen Reihen nur ungern ermittelt werde. Doch so lange niemand eine Anzeige mache, könne auch nichts ermittelt werden. Der Kriminalbeamte soll Ende Juni auch einen Kollegen bedroht und ihm eine Ohrfeige gegeben haben - bei dieser Auseinandersetzung ging es um Frauen.
Prozess für Mitte September geplant
Mitte Juli stellte das Gericht schließlich auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl aus - für die Staatsanwältin bestand „Tatbegehungs- und Ausführungsgefahr“. Der 47-Jährige wurde in die Justizanstalt Wels gebracht.
Sein Prozess wegen gefährlicher Drohung, Körperverletzung und Nötigung ist für Mitte September geplant. Dass der Kriminalbeamte wieder in den Dienst zurückkehren wird, gilt als unwahrscheinlich. Die Entscheidung darüber liegt aber beim Richter und der Disziplinarkommission.
Publiziert am 08.08.2012

