Vierter Publikumserfolg „Peer Gynt“
Brook hat von Ibsens Stück eine eigene englischsprachige Fassung erstellt, mit Pop- und Rockmusik und zusätzlichen Gedichten und sie hat die Geschichte des Sinnsuchers ziemlich nahe an die Gegenwart herangebracht. Peer Gynt ist darin ein alternder Rockmusiker aus den 80er Jahren. Für den richtigen Sound sorgt Godfather of Punk Iggy Pop, der zwei Songs komponiert hat.
Schauspieler musizieren auf der Bühne
Gespielt und gesungen wird live auf der Bühne, denn einige Mitglieder der Compagnie sind auch Musiker. Es reicht eine leere Bühne, Requisiten werden rasch hereingeschoben, die meisten Mitglieder der Truppe spielen mehrere Rollen. Bis auf Ingvar Sigurdsson, der isländische Schauspieler verkörpert die Titelfigur.
Die Suche nach der eigenen Identität führt Peer Gynt auf die Höhen der Popularität und in die Tiefen des Versagens und der Einsamkeit. Doch es reicht letzlich nicht einmal dazu, ein richtig größer Sünder gewesen zu sein. Nur die Liebe seiner Solveig rettet ihn davor, vom Knopfgießer eingeschmolzen zu werden.

APA/Barbara Gindl
Ingvar E. Sigurdsson als Peer Gynt und Froydis Arntzen Dale als Braut
Kritik von ORF Redakteurin Eva Halus
„Hochenergetische Wehleidigkeit“
Seit zwei Jahrzehnten ist die Pernerinsel in Hallein Schauplatz für außergewöhnliche Produktionen der Festspiele. Das Publikum hat die Version von Peer Gynt als alterndem Rockmusiker am Montag begeistert aufgenommen.
Natürlich ist dieser „Peer Gynt“ ein guter Abend, außergewöhnliche Stunden der Theatermagie, haben sich zumindest für mich nicht ergeben. Gewiss ist Ingvar Sigurdsson in der Titelpartie zu bewundern, für seine Energie, sein Tempo, seinen körperlichen Einsatz. Doch er bleibt im wesentlichen auf Schreien und hochenergetische Wehleidigkeit beschränkt.
„Auf Geheimnisvolles, Schwebendes verzichtet“
Irina Brook hat für ihre Fassung auf das Geheimnissvolle, Schwebende verzichtet, ihr Peer Gynt ist eine geerdete Figur, ein Lügner, Frauenheld, gescheiterter Musiker, vor allem aber Wahrheitssucher: Trolle sieht er nach einem Drogentripp, statt im Sklavenhandel hat er sein Geld beim Musikgeschäft verdient, und auch bei Esoterikern hat er vorbeigeschaut. Manchmal schwer zu erkennen, wo die Grenze zur Ironie verläuft. Sehr poetisch: jene zwölf Gedichte, die der amerikanische Autor Sam Shepard für die Produktion geschrieben hat, sie sind auch im Programmheft abgedruckt.
Links
- Beeindruckender „Prinz von Homburg“ (salzburg.ORF.at; 29.7.20120)
- Beifall und Buhs für „Zauberflöte“ (salzburg.ORF.at; 28.7.2012)
- Festspiele offiziell eröffnet (salzburg.ORF.at; 27.7.2012)
Publiziert am 31.07.2012

