Festspiele: Spiritualität von Noam Sheriff
Dienstagabend steht sein „Mechaye Hametim“ („Auferweckung der Toten“) auf dem Programm eines mit Zubin Mehta, dem Israel Philharmonic Orchestra, und Thomas Hampson außergewöhnlich prominent besetzten Konzertes in der Felsenreitschule.

noamsheriff.com
Sheriff dirigiert und komponiert
„Bin ein unbewaffneter Sheriff“
„Sheriff ist ein komischer Name, meine Eltern stammen aus Russland, ich lebe in Israel und fühle mich musikalisch ganz stark von der deutschen Musiktradition beeinflusst“, sagt der 75-jährige Komponist und betont, anders als die amerikanischen Gesetzeshüter, „ganz sicher unbewaffnet“ zu sein.
Dem Fünftonsystem verbunden
Musikalisch-emotional ist Sheriff, dessen Werke noch nie in Salzburg zu hören waren, „wie jeder Jude mit der Pentatonik verbunden. So wie Ihr Österreicher mit dem Dur-Moll-System von Landler, Walzer und Polka verbunden seid, so ist es bei den Juden das Fünftonsystem. Da gibt es keinen Leitton und keine Disharmonie. Alles passt zu allem und fließt.“
„Jede Musik ist spirituell“
„Wenn ich also gefragt werde, was jüdische Musik ist und ob es die überhaupt gibt, kann ich keine klare Antwort geben. Es gibt Elemente, die uns von der europäischen Tradition ebenso unterscheiden wie von der arabischen und orientalischen. Aber es gibt genau so viel Verbindendes“, argumentiert Sheriff und fügt hinzu, dass alle Musik eigentlich spirituell sei:
„Ein simpler Dreiklang ist ebenso banal wie er ein Fenster zu Gott sein kann. Das hängt von der Inspiration des Komponisten ab. Und der größte Spiritualist von allen war Bach. Dort, wo alle Musiker eigentlich hinwollen, sitzt Bach und lächelt gemütlich.“
Äußerst breites Können
Das Oeuvre Sheriffs ist groß und umfasst Arbeiten so gut wie aller Genres. Als 20-Jähriger hat er dieselbe Dirigierklasse im Salzburger Mozarteum besucht wie Daniel Barenboim. Später hat der ausgebildete Philosoph in Berlin bei Igor Machewich studiert, Leonhard Bernstein gehörte zu seinen Förderern.
Placido Domingo hat hierzulande weitgehend unbekannte Sheriff-Werke uraufgeführt, und am Dienstag in Salzburg feiert Thomas Hampson sein Festspiel-Comeback mit „Mechaye Hametim“, dieser Symphonie für Tenor (Carl Hieger), Bariton, Kinderchor, Männerchor und Orchester aus dem Jahr 1985.
„Salzburg ein Höhepunkt für mich“
„Für mich ist dieses Gastspiel beim legendären Festival in Salzburg ein Karrierehöhepunkt“, sagt Sheriff. „Endlich komme ich aus meinem jüdischen Ghetto raus ein Zentrum der deutschen Musik.“
Link:
Publiziert am 23.07.2012

