98 Prozent zeigen Schwarzarbeit nicht an

98 Prozent der Österreicher würden nach einer aktuellen Umfrage Pfusch und Schwarzarbeit nicht anzeigen, wenn sie dahinter kommen. Und das hat seine guten Gründe: Denn durch Pfusch entstehe auch viel Leistung, sagt ein Volkswirtschafts-Experte.

Pfusch am Bau ist weit verbreitet - allerdings selten als organisierte Kriminalität. Zwei Drittel der Schwarzarbeiter sind im Nebenerwerbspfusch nach der regulären Arbeitszeit. Das errechnete der Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider von der Universität Linz und stellte das bei einer Tagung in Salzburg über Sozialbetrug und Korruption im Gesundheitswesen vor.

Schneider warnt vor Schwarz-Weiß-Malerei: Jedes zweite Haus in Österreich würde ohne Nebenerwerbspfuscher nicht stehen: „Das sind die Leute, die einen vollen Job in der offiziellen Wirtschaft haben. Und morgen ab 14.00 Uhr pfuschen sie. Die tragen die volle Steuer- und Abgabenlast. Sie verheimlichen nur ihre schwarzen Überstunden.“

Sozialbetrug: „In vielen Fällen auch eine Leistung“

Schwarzarbeit gibt es auch in der Altenpflege: Denn 3.000 Euro pro Monat für eine legal angemeldete 24-Stunden-Pflegerin können sich nur wenige leisten: „Wenn die Oma im Mühlviertel von der tschechischen Krankenschwester gepflegt wird, dann entsteht erstmal eine Dienstleistung und die Oma wird überhaupt gepflegt“, sagt Schneider, „Im Vergleich zu dem, dass man sich die Pflege mit Hilfe einer österreichischen Kraft mit offiziellen Preisen niemals leisten könnte. Der Sozialbetrug entsteht dadurch, dass hier keine Abgaben errichtet werden und der Staat hier ein Geschädigter ist. Auf der anderen Seite wissen die Pflege- und Krankenversicherungsinstitutionen, dass sich wenigstens jemand um sie kümmert.“

Friedrich Schneider legt aber wert darauf, dass er Pfusch und Sozialbetrug nicht das Wort redet: „Ich möchte nur darauf hinweisen, dass im Sozialbetrug in vielen Fällen auch eine Leistung entsteht - zumindest wenn es um Pfusch und Schattenwirtschaft geht.“

So lange die Abgaben in Österreich so hoch sind, wird sich an der Einstellung zum Pfusch nichts ändern, sagen Experten.

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